„In Deutschland bleiben allgemeingültige Standards für Cyber-Security auf der regulatorischen Ebene vorerst eine Herausforderung." sagt Görtzen
In letzter Zeit gab es vermehrt Cyberattacken auf deutsche Verkehrs- und Logistikfirmen. In den Niederlanden wurde jüngst die Planungs-Software der Nederlandse Spoorwegen gestört und brachte Züge zum Stehen. Der Verdacht eines Cyberangriffs konnte hier glücklicherweise ausgeschlossen werden. Der Fall hält allerdings vor Augen, wieviel Einfluss eine Cyberattacke auf unterschiedliche Bereiche unseres Alltags haben kann. Immer mehr rückt die hoch automatisierte Automobilbranche in das Fadenkreuz von IT-Kriminellen. Von den rund jährlich 80 Millionen produzierten Autos sind etwa 56 Prozent mit intelligenten Fahrerassistenzsystemen ausgestattet, die ein Angreifer per Schad-Software infiltrieren und den Lenker und sein Umfeld gefährden kann. Hinzu kommt die kontinuierlich steigende Anzahl von Elektroautos. Es gibt bereits über 600.000 zugelassen E-Autos in Deutschland. Allein die neue Gigafactory von Tesla in Grünheide kann jährlich über 500.000 produzieren und den Trend unterstützen. Laut Ampel-Koalition sollen bis 2030 über 15 Millionen Stromer auf Deutschlands Straßen unterwegs sein. Das wären 15 Millionen fahrende Computer und somit eine leichte Beute für Hackerangriffe. Fehlende Sicherheitstechnologien machen hier den fremden Zugriff auf Daten möglich, wenn die Einstellungen nicht stimmen.
Die Angst vor Systemlücken kann den E-Mobility-Boom ausbremsen. Viele Hersteller simulieren mit Experten Hackerangriffe zur Vorsorge. Doch lassen mangelnde Standards bei Hacker-angriffen den Fahrer selbst für Schäden haften. Erste Vereinbarungen für Cyber-Security-Management und Risikoanalyse, die auf der Herstellerseite in Kraft treten sollen, weisen noch viele Lücken auf. Eine Lösung wären offene Kommunikationsprotokolle (OCPP). Das OCPP ist ein universelles Anwendungsprotokoll, das die Kommunikation zwischen Ladestationen für Stromer standardisiert. In das OCPP-Protokoll integrierte Ladestationen vermögen Ladesäulen und den Energieverbrauch zu überwachen. So kommunizieren die Ladestationen miteinander. Der öffentliche Sektor ist hier gut aufgestellt, doch hapert es oft bei Privatanbietern, die dem Standard nicht folgen. Cloud-Lösungen des Herstellers sind unpopulär, teils aus Sicherheits- und teils aus Datenschutzgründen. In neuen Versionen von OCPP wird es komplexer, da die Ladestation per Passwort oder Client-Zertifikat identifiziert wird. Bei letzterem Schema in der Cloud-Lösung fällt das gesamte OCPP-System.
Die Kommunikation zwischen den Ladestationen und den Energie-Management-Systemen über Wlan macht Sinn. Doch kann das auch ein Eingangstor für Hacker zur IT des Gebäudes sein. Daher ist es umso wichtiger, dass Installateure auch über Sicherheits-Know-how verfügen. Die Autoindustrie muss also bei Abrechnungssystemen der Ladestationen unbedingt IT-Experten einbinden. Geschäftskunden fordern oft die Kommunikation über Ethernet-Kabel und lehnen Wlan ab. Diese Lösung muss „IT-wasserdicht“ sein, um Hacker abzuweisen. Regelmäßige Software-Updates sind obligatorisch.
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 03-04/2022. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.
Connected Cars bringen mehr Verkehrssicherheit und schützen vor Diebstählen. Ein Frühwarnsystem alarmiert die Besitzer und wimmeln so Hacker ab. Diese intelligenten Autos schaffen mehr Mobilität, doch die Gefahr eines Datenlecks bleibt groß. In Deutschland bleiben allgemeingültige Standards für Cyber-Security auf der regulatorischen Ebene vorerst eine Herausforderung. Für Unternehmen mit IT-Technologien ist die aktuelle Sensibilität für potenzielle Sicherheitsrisiken hingegen eine große Chance, hier von Beginn an Lösungen für eine größere Sicherheit mit anzubieten.
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