Eine Welt ohne Bargeld?

„Das A und O ist die Aufklärung“

Gunnar Hartmann, Senior Sales Manager bei Sumup, kann sich eine Welt ganz ohne Bargeld vorstellen, doch im Interview erläutert er, woran noch gearbeitet werden muss, damit diese Vision in Deutschland in einigen Jahren Realität wird.

Gunnar Hartmann, Senior Sales Manager bei Sumup

„Grundsätzlich ist die Bereitschaft, möglichst viele innovative Bezahlsysteme anzubieten, ein Gewinn für die ganze Branche“, meint Gunnar Hartmann von Sumup.

MOB: Herr Hartmann, welchen Einfluss übt die derzeitige Corona-Krise auf den deutschen Mobile-Payment-Markt aus?
Gunnar Hartmann:
Skepsis gegenüber digitalen Bezahllösungen ist bei den meisten Deutschen tief verwurzelt. Einen Trend hin zu vermehrter Kartenzahlung sowie mobilen Zahlungsmethoden und auch mehr kontaktlosen Zahlungen beobachten wir bereits seit geraumer Zeit. Durch die Corona-Krise wird dieses Umdenken nun sowohl bei Kunden als auch bei Händlern sehr positiv beeinflusst. Gerade jetzt, wo doch verstärkt auf Hygiene geachtet werden muss, sind wohl alle sehr dankbar für die bereits vorhandenen kontaktlosen und Mobile-Payment-Technologien. Immer mehr Leute erkennen, wie schnell und unkompliziert ein Bezahlvorgang schon jetzt sein kann und wie sicher diese Art des Zahlungsprozesses ist. Die Entwicklung hin zu mehr Digitalisierung im Bezahlwesen ebnet damit auch den Weg hin zu einer Welt, in der Bargeld, wenn überhaupt, nur noch eine untergeordnete Rolle spielen wird.

MOB: Inwieweit sind die Unternehmen/Händler/Dienstleister hierzulande bereits aufs mobile Bezahlen per Smartphone oder Smartwatch eingestellt?
Hartmann:
Die technischen Gegebenheiten für mobile Kartenzahlungslösungen sind schon seit geraumer Zeit, mindestens seit der Einführung von Apple Pay und Google Pay in Deutschland im Jahr 2018, vorhanden – sowohl die benötigte Infrastruktur als auch die entsprechende Hardware. Mit Terminals wie denen von uns beispielsweise wird mobiles Bezahlen praktisch überall möglich und Händler können ihren Kunden diese Möglichkeit jederzeit anbieten – am Gerät oder auch virtuell per Zahlungslink oder per Rechnungssendung. Ein Händler, der im Geschäft kontaktlose Kartenzahlung entgegennehmen kann, kann in der Regel mit diesem Gerät dann auch mobile Zahlungen per Smartphone oder Smartwatch akzeptieren – die erforderliche Technik ist hierbei die gleiche.

MOB: Was sind die häufigsten Bedenken, wenn es um die Einführung und Nutzung von Mobile-Payment-Lösungen geht?
Hartmann:
Um mobile Zahlungen per Smartphone oder anderen Wearables annehmen zu können, genügt ein Kartenterminal mit der Möglichkeit zu kontaktlosen Zahlungen. Das ist vielen Händlern wie auch Kunden nicht bewusst. Das A und O ist also in Deutschland die Aufklärung. Vor allem Klein- und Kleinsthändler fürchten bei der Anschaffung eines Kartenzahlungsterminals lange Vertragslaufzeiten bzw. monatliche Kosten. Dabei gibt es bereits neben den traditionellen tatsächlich sehr teuren und initial eher aufwändig einzurichtenden Lösungen auch sehr flexible Angebote mit keinerlei Fixkosten. Nachweislich erfolgt durch die Option der Kartenzahlung für den Händler ein gesteigerter Umsatz – durchschnittlich um 40 bis 60 Prozent. Auch der Aufwand erscheint vielen erst einmal höher und komplizierter im Vergleich zum Bargeld, obwohl durch eine Umstellung beispielsweise das Thema „Wechselgeld“ komplett wegfällt und auch jede Menge Zeitersparnis beim Rechnungswesen zu verzeichnen ist. Die Nachfrage der Kunden nach Möglichkeiten zur Kartenzahlung hat dabei nicht erst durch die aktuelle Corona-Krise zugenommen, bekommt aber nun noch einmal einen deutlichen Aufschwung.

MOB: Worin bestehen für Unternehmen die konkreten Anforderungen sowie Herausforderungen in Krisenzeiten wie der jetzigen, M-Payment für Kunden zeitnah, aber vernünftig umzusetzen?
Hartmann:
Noch immer herrschen häufig falsche Vorstellungen bei Händlern, dass die Zurverfügungstellung von M-Payment-Lösungen mit hohem Recherche- und Installationsaufwand sowie komplizierten Vertragsabschlüssen verbunden ist. Dabei ist es für Händler sowohl momentan als auch ganz generell tatsächlich dank verschiedenster, sehr flexibel einsetzbarer Lösungen sehr einfach, mobiles Bezahlen anzubieten. Es gibt auf dem Markt Geräte und Techniken, die eine schnelle und einfache Implementierung ermöglichen – das Einrichten eines unserer Terminals dauert beispielsweise weniger als fünf Minuten und schon sind Kartenzahlungen, inklusive Bezahlungen per Smartphone/Smartwatch, am Kartenterminal sowie auch Online-Zahlungen per Smartphone oder die Rechnungsstellung kein Problem mehr – alles mit einem System. Die Bereitschaft auf Kundenseite, diese Angebote auch wirklich zu nutzen, schwankt hingegen besonders in Deutschland immer noch. Gerade während der Corona-Krise wurden aber Angebote wie die kontaktlose Bezahlmöglichkeit über uns dankend angenommen. Vor allem kleine Händler konnten so trotz vorübergehender Geschäftsschließungen mithilfe der Zahlungslösungen, aber auch neuen Produkten wie dem integrierten Online-Shop, schnell auf andere Services umsteigen und so auch weiterhin im Geschäft bleiben.

MOB: Apple Pay vs. Google Pay: Worin sehen Sie die Vor- und Nachteile?
Hartmann:
Aus unserer Sicht gibt es bei beiden Anbietern keine nennenswerten Vor- und Nachteile.

MOB: Stichwort „Lösung made in Europe“: Inwieweit könnte die Corona-Krise Ihrer Meinung nach die Entwicklung eines einheitlichen Bezahlsystems der heimischen Banken vorantreiben?
Hartmann:
Vielleicht ist gerade die aktuelle Lage der entscheidende Moment, der die Entwicklung hin zu einem einheitlichen Bezahlsystem positiv beeinflussen und vorantreiben kann. Die notwendigen Technologien hierfür sind im Prinzip bereits vorhanden, die Herausforderung liegt eher darin, die Menschen von neuen Technologien zu überzeugen. Ein erstes Umdenken innerhalb der Gesellschaft findet durch die Corona-Krise bereits statt, für einen nachhaltigen Erfolg müssen am Ende jedoch alle an einem Strang ziehen. Das heißt, auch die Finanzdienstleister müssen diese Entwicklung gesamtheitlich wollen und vorantreiben.

MOB: Welche Rolle spielen digitale Lösungen wie etwa Smartphone-Banking, Video-Banking, etc.?
Hartmann:
Grundsätzlich ist die Bereitschaft, möglichst viele innovative Bezahlsysteme anzubieten, ein Gewinn für die ganze Branche.

MOB: Digitale Banking-Lösungen rufen auch immer wieder Cyberkriminelle auf den Plan. Worauf sollten Anbieter/Nutzer demnach besonders achten?
Hartmann:
Die Sicherheit der Händler sowie die der Verbraucher sollte zu jeder Zeit höchste Priorität haben. Ganz generell unterliegen Finanzservices wie beispielsweise Bankgeschäfte, aber auch Kartenzahlungen den wohl strengsten Vorgaben überhaupt. Unsere Kartenterminals gehören beispielsweise zu den sichersten Zahlungsmethoden und entsprechen den neuesten und höchstmöglichen Sicherheitsstandards der Industrie. Es gibt zahlreiche interne Sicherheitsmechanismen, die helfen, Betrugsversuche zu identifizieren, zu unterbinden und gegebenenfalls zu verfolgen.

MOB: Eine Welt ganz ohne Bargeld – ist das vorstellbar? Wenn ja, wann könnte es soweit sein?
Hartmann:
Eine Welt ganz ohne Bargeld ist unbedingt vorstellbar, wenngleich diese Vision in Deutschland wohl erst in einigen Jahren Realität werden wird. Vor allem am Kundenvertrauen in digitale Zahlungsformen muss weiterhin intensiv gearbeitet werden, digitale Zahlungsangebote müssen weiter etabliert und flächendeckend zur Verfügung gestellt werden, um dem Kunden höchstmögliche Bezahlfreiheit zu ermöglichen.

Bildquelle: Sumup

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