Digitale Kassenzettel

Das Aus für den Papierbon?

In digitalen Kassenbons sieht Amir Karimi, Gründer und Geschäftsführer der A&G GmbH, großes Potential für die Zukunft. Warum? Das erläutert er im Interview.

Das Aus für den Papierbon?

„Vor allem die Belegausgabepflicht, die 2020 in Kraft tritt, zwingt Händler dazu, jedem Kunden bei jeder Transaktion einen Bon auszustellen.“

Herr Karimi, inwieweit sind digitale Kassenzettel in Deutschland bereits Realität und werden kon-
kret von Händlern und Käufern genutzt?
Amir Karimi:
Die Digitalisierung des Kassenbons ist bereits seit vielen Jahren ein Thema. Eine Zeit lang haben einige Handelsketten versucht, an der Kasse direkt nach der E-Mail-Adresse der Kunden zu fragen, um den Kaufbeleg zusätzlich zur Papiervariante auch als PDF zu verschicken – das hat sich zwar in anderen Ländern, z.B. in Großbritannien, durchgesetzt, ist in Deutschland jedoch gescheitert. Dann gab es diverse App-Projekte, hinter denen teilweise auch namhafte Konzerne standen, die jedoch nicht erfolgreich waren.

Doch jetzt ist der digitale Kassenbon auf dem Vormarsch: Immer mehr Händler bieten eine digitale Variante an, die dann in der eigenen App oder über große Bonussystemanbieter auf die Smartphones der Kunden gelangen. Allerdings handelt es sich hierbei in der Regel um Insellösungen, ein allumfassendes System gibt es derzeit nicht.

Worin bestehen die Vorteile eines digitalen Kassenbons gegenüber 
der Papierquittung?
Karimi:
Papierquittungen sind schlecht aufzubewahren, sie zerknittern und verblassen schnell. Und wer kennt das nicht? Man braucht eine Quittung, um einen Garantiefall geltend zu machen, und findet sie dann nicht. Mit einem System für digitale Kassenbons sind alle Quittungen immer an einem Ort, individuell sortiert und für den einzelnen Kunden von überall aus abrufbar. Und: Er lässt sich im besten Fall nach einzelnen Positionen durchsuchen. Das ist ein großer Vorteil, der vor allem die Nerven schont.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 7-8/2019. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Eines weiteres wichtiges Argument ist der Umweltschutz. Bäume werden abgeholzt und Wasser verschwendet für die Herstellung von Bonpapier, das meistens direkt vom Drucker in den Müll wandert. Der Pro-Kopf-Papierverbrauch der Deutschen ist mit 250 Kilogramm jährlich der zweitgrößte der Welt – das muss in Zeiten der Digitalisierung und des Klimawandels nicht mehr sein. Hinzu kommt, dass 75 Prozent aller Kassenbelege noch immer auf Thermopapier gedruckt werden, das häufig mit Bisphenol A belastet ist. Der Giftstoff kann Hormonhaushalte durcheinanderbringen, gilt als krebserregend und gelangt dadurch, dass Papierbons meist im Altpapier entsorgt werden, ins Grundwasser.

Was sind noch häufige Stolpersteine der digitalen Lösung in der Praxis?
Karimi:
Eines der größten Probleme stellt derzeit die Scheu der Konsumenten dar. Anders als beispielsweise in anderen nordeuropäischen Staaten sind Deutsche eher zurückhaltender, was Veränderung angeht. Das fängt mit der geringen Dichte an Restaurants, Cafés und Clubs an, in denen mit der Kreditkarte oder mit dem Smartphone bezahlt werden kann, und endet beim digitalen Kaufbeleg. Die Deutschen haben, auch in Hinblick auf den Umgang mit Daten, von Natur aus große Sicherheitsbedenken. Um die alten Gewohnheiten zu durchbrechen, müssen ein neues Bewusstsein und eine positive Einstellung gegenüber dem digitalen Kassenbon entstehen.

Dafür braucht es ein System, das von den Verbrauchern schnell verstanden wird und leicht in den Alltag integrierbar ist. Das war bislang das Problem, denn es gab und gibt viele Insellösungen, die in der Regel nicht komfortabel nutzbar sind. Einzelne Händler bieten eigene Modelle an und geben den digitalen Bon zusätzlich zur Papierquittung heraus, anstatt an deren Stelle. So gibt es ein Wust an Angeboten, die alle den richtigen Ansatz verfolgen, aber gleichzeitig für Unübersichtlichkeit sorgen. Ein Stolperstein ist darüber hinaus die Umsetzung am Point of Sale. Es gibt sehr viele unterschiedliche Kassensysteme; und Schnittstellen für eine digitale Übertragung des Kassenbons zum Smartphone des Kunden zu schaffen, ist da gar nicht so einfach.

Was wollen Sie mit der Admin-Lösung besser machen als die Konkurrenz?
Karimi:
Wenn wir direkt bei dem Problem der Kassensystemschnittstelle bleiben: Das hat uns am meisten Kopfzerbrechen bereitet. Wir bieten nun verschiedene Möglichkeiten an, etwa die individuelle Programmierung der Schnittstelle, wenn die Händler ihr System für uns öffnen möchten. Gleichzeitig kooperieren wir mit Epson und sind froh darüber, dass nun eine neue Generation an Geräten mit einer digitalen Schnittstelle auf den Markt kommt, die Admin unterstützen. Der wichtigste Unterschied zur Konkurrenz ist aber: Wir bieten eine Lösung für alle, ein System, das von allen Händlern in Deutschland benutzt werden und in allen Kassen installiert werden kann.

Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz beim digitalen Kassenzettel?
Karimi:
Unser digitaler Kassenzettel denkt unter dem Strich für den Konsumenten mit. Die App merkt sich beispielsweise, welche Posten auf dem Kassenbon von der Steuer absetzbar sind. Sie bittet einmal um Bestätigung, ob ein geeignetes gekauftes Produkt steuerlich geltend gemacht werden soll, und ab diesem Zeitpunkt werden dieses und vergleichbare Artikel dank des Algorithmus automatisch in einer separaten Liste gesammelt.

Inwieweit haben Digitale-Kassenbon-Apps generell das Zeug dazu, die Papierquittung abzulösen?
Karimi:
Ich sehe da großes Potential für die Zukunft. Vor allem die Belegausgabepflicht, die 2020 in Kraft tritt, zwingt Händler dazu, jedem Kunden bei jeder Transkation einen Bon auszustellen. Das wird die Zettelwirtschaft noch unübersichtlicher machen und die Papierverschwendung mit ihren Folgen verschlimmern. Digitale Kassenbons sind die einzig sinnvolle Alternative für Papierbons. 

Bildquelle: Getty Images / iStock

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