BlackBerry und Samsung

Das Brautpaar, das sich nicht traut

Gibt es bald eine Zweckehe zwischen Samsung und BlackBerry? Es ist zwar nur ein Gerücht, aber ein vollkommen plausibles - trotz der Dementis aller Beteiligten.

Der BlackBerry Z10

Sie daten seit dem Herbst, wollen aber noch nicht heiraten: BlackBerry und Samsung. Die ungewöhnliche Partnerschaft ging Mitte November durch die Medien. BlackBerry hatte auf einer Pressekonferenz angekündigt, mit dem direkten Konkurrenten Samsung zusammenarbeiten zu wollen.

Die neue Plattform BlackBerry Enterprise Services 12 (BES 12) ermögliche demnach Ende-zu-Ende-Verschlüsselung zusammen mit Samsung Knox, dem Sicherheitssystem von Samsung.

Eine Win/Win-Situation für beide. Die BlackBerry-Lösung wird so für Business-Kunden von Samsung interessant. Im Gegenzug wird Knox durch das hohe Ansehen von BlackBerry im B2B-Markt aufgewertet.

Da schien die Meldung von Reuters, Samsung wolle den kanadischen Hersteller für 7,5 Milliarden Dollar aufkaufen, vollkommen logisch und ließ die Herzen der Börsianer höher hüpfen: Der BlackBerry-Aktienkurs stieg um 29 Prozent.

Doch bereits nach kurzer Zeit folgten die Dementis von BlackBerry und Samsung: BlackBerry bezeichnete sich als "not engaged" und Samsung nannte die Spekulationen über eine baldige Unternehmenshochzeit "groundless".

Gute Gründe für den Kauf von BlackBerry

Natürlich besagen diese Dementis nicht besonders viel, wie die Erfahrung lehrt. Es ist durchaus möglich, dass es noch einige Zeit dauert bis der Ehevertrag Gestalt angenommen hat. Denn das Zusammengehen der beiden Unternehmen hat einige gute Gründe für sich.

Zunächst einmal ist BlackBerry vom ehemaligen Marktführer zu einem Nischenanbieter abgesunken. Alle Anstrengungen, sich aus dieser Position wieder zu befreien, sind bislang fehlgeschlagen.

Wirkliche Assets sind lediglich noch die Patente und Technologien für Sicherheit und Gerätemanagement. Bereits seit einiger Zeit wird von Experten spekuliert, ob BlackBerry nicht als reiner Anbieter von Lösungen für mobile Sicherheit und Enterprise Mobility Management eine bessere Zukunft hätte.

Da ist eine Fusion mit einem der größten Hardware-Hersteller, dessen Geräte immer noch enorm populär sind, sicher eine gute Lösung. Auch für Samsung hätte das einen großen Vorteil: Die rasch wachsende chinesische Konkurrenz (Huawei, Xiaomi) knabbert am Samsung-Marktanteil bei den Privatgeräten und damit letztlich an Umsatz und Gewinn.

Das koreanische Unternehmen versucht bereits seit einiger Zeit ein Business-Portfolio aufzubauen, um in dem deutlich stabileren B2B-Markt Fuß zu fassen. Eine entsprechende Lösung ist Samsung Knox und die verschiedenen Sicherheitstechnologien von BlackBerry würden das Angebot gut abrunden.

Fairfax Financial will BlackBerry weiterführen

Aus dem strategischen Blickwinkel von Samsung ist die Zweckehe der beiden Unternehmen eine gute Sache. Doch BlackBerry ist eine begehrte Braut. Nach diversen Branchengerüchten und Medienberichten aus Kanada hat das Unternehmen in den vergangenen Monaten mehrere Übernahmeangebote ausgeschlagen.

Sowohl der größte Investor Fairfax Financial als auch der Aufsichtsrat haben sich offensichtlich dafür entschieden, das Unternehmen weiterzuführen und nicht zu verkaufen. Denn es gibt erste Hinweise darauf, dass es BlackBerry gelingen könnte, aus dem tiefen Tal zu entkommen.

Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2014 (September bis November) hat BlackBerry erstmals seit Jahren wieder einen kleinen Gewinn mit positiven Cashflow verzeichnet. Außerdem haben die Kanadier gerade erst die Düsseldorfer Secusmart übernommen. Der Hersteller des "Merkelphones" hat eine hochsichere Verschlüsselungsinfrastruktur auf der BlackBerry-Plattform aufgesetzt.

Bildquelle: BlackBerry

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