„Unternehmen sollten bei ihren Zukunftsplanungen ihre Mitarbeiter einbinden“, empfiehlt Oliver Ebel von Citrix.
MOB: Herr Ebel, sind es eher die Groß- oder Kleinunternehmen, die verstärkt auf Homeoffice setzen?
Oliver Ebel: Wir sehen hier keine klaren Trends, sondern eher eine stetige Entwicklung über alle Branchen hinweg und in jeder Unternehmensgröße.
MOB: Inwieweit haben sich die „neuen“ Prozesse im Leben der Arbeitnehmer nach nun gut einem Jahr Pandemie eingespielt?
Ebel: Viele der Mitarbeiter haben sich tatsächlich ziemlich schnell an die neuen Umstände angepasst und spüren teilweise sogar positive Auswirkungen auf ihr Arbeitsleben, wie ein verbessertes Zeitmanagement, mehr Flexibilität und generell eine höhere Gesamtleistung. Laut einer aktuellen Umfrage von Citrix sind insgesamt 36 Prozent der Befragten der Meinung, dass sich die Arbeit von zu Hause aus im letzten Jahr positiv auf ihr Leben ausgewirkt hat. Da der Arbeitsweg ausfiel, gewannen Pendler mehr Zeit und nutzten die Möglichkeit, Zeit mit der Familie zu verbringen (14 Prozent), einem Hobby nachzugehen (11 Prozent) oder einfach etwas mehr Schlaf zu bekommen (14 Prozent). Allerdings gaben mehr als drei Viertel (77 Prozent) der Arbeitnehmer an, mindestens genauso lange zu arbeiten wie früher im Büro, wenn nicht noch länger. Befürchtungen, dass die Mitarbeiter Zuhause weniger arbeiten, haben sich also größtenteils nicht bewahrheitet.
MOB; Welche mobilen/digitalen Tools sind im Rahmen der Homeoffice-Offensiven in den Fokus gerückt und erweisen seitdem nützliche Dienste?
Ebel: Seit Beginn der Pandemie setzen immer mehr Unternehmen auf Arbeitsweisen, die es ihren Mitarbeitern erlauben, problemlos und ortsunabhängig zu arbeiten. Es liegt in der Verantwortung der Arbeitgeber, die dafür benötigten Anwendungen bereitzustellen. Ein Beispiel dafür ist unsere Lösung Citrix Workspace. Für die Mitarbeiter bietet sich hier der Vorteil, dass sie auf all ihren Geräten in ihrer gewohnten Umgebung arbeiten können. Gleichzeitig können die IT-Teams der Unternehmen einen sicheren Zugriff auf die Anwendungen gewähren und diese leichter verwalten.
MOB: Was waren und sind noch jetzt häufige Stolpersteine bei der Arbeit im Homeoffice?
Ebel: Was den Mitarbeitern im Homeoffice fehlt, ist eher die soziale Komponente, die Möglichkeit, kurz bei einem Kollegen vorbeizuschauen und Fragen schnell im Gespräch zu klären. Auch gemeinsame kreative Arbeit lässt sich häufig leichter erledigen, wenn alle Beteiligten im selben Raum sind. Deshalb sollten wir das Büro auch nicht vorschnell abschreiben, es wird weiterhin ein wichtiger Bestandteil des Arbeitslebens sein und stärker als Ort des Austauschs und der Zusammenarbeit dienen.
MOB: Inwieweit bremsen die Unternehmen selbst das effektive Remote-Arbeiten ihrer Mitarbeiter durch beispielsweise Kontrollverlustängste und das Bestehen auf Präsenz aus?
Ebel: Natürlich gibt es weiterhin Unternehmen, die ihre Mitarbeiter dauerhaft im Büro sehen wollen. Aber viele Führungskräfte haben im letzten Jahr auch erkannt, dass sie ihre Mitarbeiter auch remote sehr gut managen können und diese genauso produktiv sind wie im Büro. Durch die Pandemie hat in den Unternehmen ein Umdenken angefangen und wir werden in Zukunft wesentlich mehr flexible Arbeitsmodelle sehen als zuvor.
MOB: Inwieweit bereiten sich die Unternehmen bereits auf die Post-Covid-19-Ära vor und entwerfen Konzepte für die Zukunft der Büroarbeit?
Ebel: Nachdem sich viele Unternehmen im letzten Jahr vor allem auf ihr Überleben konzentriert haben, können sie langsam anfangen, den Fokus auf die Zukunft zu legen. Hybride Arbeitsmodelle werden dabei eine wichtige Rolle spielen, um den Mitarbeitern größtmögliche Flexibilität zu bieten.
MOB: Wie gestalten sich mittlerweile die Wünsche der Mitarbeiter und inwieweit werden diese bei den Planungen berücksichtigt?
Ebel: Für die Mitarbeiter ist die Möglichkeit, flexibel Arbeiten zu können, durch das letzte Jahr ein wichtiger Faktor geworden. 46 Prozent sagen sogar, dass sie bei einem Jobwechsel nur eine Stelle annehmen würden, wo dies möglich ist. Unternehmen, die planen, komplett zur Präsenzpflicht zurückzukehren, müssen also damit rechnen, dass sie für Bewerber weniger attraktiv sind. Unternehmen sollten deshalb gut abwägen, ob sie wirklich alle Mitarbeiter dauerhaft ins Büro zurückholen oder die Erfahrungen aus dem letzten Jahr nutzen, um hybride Modelle zu etablieren.
MOB: Wie könnte eine ganzheitliche Strategie für die Arbeitswelt nach der Pandemie aussehen, mit der sowohl die Arbeitgeber als auch die Arbeitnehmer zufrieden sind?
Ebel: Unternehmen sollten bei ihren Zukunftsplanungen ihre Mitarbeiter einbinden und die Unternehmenskultur stärker in den Fokus rücken. In unserer Umfrage wünschen sich 88 Prozent eine Kultur, die ihr psychisches und physisches Wohlbefinden fördert, aktuell fühlt sich jedoch nur ein gutes Drittel, 36 Prozent, vom Vorgesetzten bei dem Balanceakt zwischen Arbeits- und Privatleben unterstützt. Flexible Arbeitsoptionen können dabei ein wichtiger Baustein sein und auch helfen, neue und bestehende Talente anzuziehen und zu halten.
MOB: Ist Remote Work letztlich gekommen, um zu bleiben?
Ebel: Davon können wir definitiv ausgehen. Viele Unternehmen und Mitarbeiter haben im letzten Jahr die Erfahrung gemacht, dass die Arbeit auch im Homeoffice sehr gut funktionieren und einige Vorteile bietet, sei es für die Produktivität oder für das Privatleben. Dementsprechend erwarten 71 Prozent der Befragten in unserer Umfrage, dass flexible Arbeitsmodelle auch in Zukunft häufiger vorkommen werden. Tatsächlich möchte sogar etwas mehr als die Hälfte, 51 Prozent, ein gesetzlich verankertes Recht auf Homeoffice und Remote-Arbeit.
Bildquelle: Citrix