Google Chromecast

Das Ende der Glotze ist nah

Google stellt ein Produkt zum Streaming von Videos vor, in Konkurrenz zu Airplay und anderen Produkten der Post-TV-Ära.

Bald kommt die Post-TV-Ära

Deutschland, 20:11 oder 19:47 oder 22:53 oder zu jeder beliebigen anderen Uhrzeit. Tausende junge Serienfans stecken den Chromecast-Dongle in das TV-Gerät, starten ihre Androiden, tippen auf dem Touchscreen herum und sehen dann Folge 3486 von “Bis(s) der Knochen knackt” auf dem 4K-Flachbildschirm.

Währenddessen im Nebenraum: Oma guckt die Früh-, Abend- oder Spätausgabe der Tagesschau auf dem ausgemusterten LCD-TV ohne HDMI-Anschluss. Sie sieht bis zum Sendeschluss, denn der ist mangels Einschaltquoten wieder eingeführt. Gesendet wird nur noch zu Zeiten, an denen die ältere Generation genug Spannkraft hat.

Das Szenario könnte so ähnlich bald Wirklichkeit werden, denn vor allem bei den Jüngeren ist das Medienkonsumverhalten enorm anders als bei Leuten über 50. Es geht weg vom linearen Sehen zu festgelegten Zeiten und hin zu einer ans Internet angepassten Sicht auf TV-Sendungen: “Wir sehen was wir wollen wann wir wollen.”

Das herkömmliche TV hat auf diesen Mentalitätswandel keine Antwort. Selbst auf einen positiv gestimmten Beobachter wirkt die fristengesteuerte “Depublikation” von TV-Inhalten im Internet ausschließlich durchgeknallt. Solche haarsträubenden Dinge sind genau das, was letztlich zum Untergang der herkömmlichen TV-Sender führen wird.

Kommt jetzt zum Zeitungssterben auch das Sendersterben? Möglich, denn die Konkurrenz aus dem Internet (Netflix, Pandora  Co.) ist ziemlich fix mit Innovationen bei der Hand. Oder nutzt Innovationen von anderen, denn Netflix wird zum Content-Lieferanten für das oben erwähnte Chromecast-Dongle.

Vor wenigen Tagen vorgestellt, hat es bereits die Medienszene (in den USA) elektrisiert. Chromecast ist ein HDMI-Stick, der Medieninhalte via WLAN aus dem Internet holt und dann über seinen HDMI-Anschluss auf den Fernseher streamt, in den er eingesteckt ist. Ein Smartphone, Tablet oder PC wird lediglich als “Fernbedienung” eingesetzt - um zum Beispiel aktuelle Serien von Netflix auszuwählen und dann zu streamen.

Nun ist das Streaming von Medien auf ein modernes TV-Gerät nichts grundstürzend Neues mehr. Es gibt zahlreiche Settop-Boxen wie Entertain von der Telekom oder Apple-TV, die genau diese Aufgaben auch erfüllen. Doch sie haben eine Einschränkung: Sie sind immer stark auf die jeweiligen Anbieter zugeschnitten. So ist zum Beispiel Apple-TV nur im Apple-Kosmos und erfordert iTunes.

Und es ist teuer. Chromecast dagegen ist im Bereich der Spontankaufprodukte angesiedelt: 35 Dollar. Deswegen und wegen seiner grundsätzlichen Offenheit für alle Mobilgeräte und die immer noch gigantische Masse der Windows-Nutzer hat der kleine Stick viel Potential. Er könnte sich sogar als TV-Killer entpuppen, da er stärker den Bedürfnissen der jungen “Zuschauer” entspricht. Die immer zahlreicher werdenden Youtube-Kanäle dürften davon profitieren und das Videogeschäftsmodell der Zukunft werden. (Ceterum censeo: Das geht nur mit ungebremstem Breitbandinternet für alle.)

Bildquelle: Sigrid Rossmann  / pixelio.de

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