Überholspur im Internet

Das Ende der Netzneutralität?

Der Zugang zu Spotify kann in einigen Telekom-Tarifen gebucht werden, ohne dass die Musikdaten auf das Datenvolumen des Nutzers angerechnet werden. Warum das Beispiel der Anfang vom Ende der Netzneutralität ist und warum diese wichtig ist, kommentiert Alexander Sander von der Digitalen Gesellschaft.

„Große Anbieter können sich die Überholspuren leisten, Start-ups haben das Nachsehen“, beschreibt Alexander Sander die Situation.

Nach dem Grundsatz der Netzneutralität werden alle Daten im Internet unabhängig von Absender, Empfänger und Inhalt gleich behandelt. An diesem Prinzip wird gerüttelt – mit massiven Konsequenzen für das Netz und unsere Gesellschaft.

In Europa und den USA tobt ein Kampf um Online-Überholspuren, auch Spezialdienste genannt. Gewinnen ihn die Befürworter eines ungleichen Netzes, so finden sich Verbraucher bald in einem Tarifdschungel wieder, in dem sie für beliebte Dienste, die heute noch über das offene Internet verfügbar sind, jeweils gesonderte Zusatzpakete kaufen müssen.

Gleichzeitig wird der Bildung von Monopolen Vorschub geleistet und der Fortschritt im Netz blockiert, da große Anbieter sich die Überholspuren im Netz leisten können, während weniger finanzstarke Start-ups das Nachsehen haben. Innovation und Kreativität werden damit gebührenpflichtig. Ansätze dazu kennen wir bereits aus dem Mobilfunkbereich. Hier werden Datenpakete angeboten, die den ungedrosselten Zugriff auf bestimmte Dienste, etwa Spotify oder Facebook, selbst dann erlauben, wenn das gebuchte Datenvolumen bereits aufgebraucht ist.

Kampf um die Spezialdienste

Auf EU-Ebene hat das Parlament bereits Änderungen an einem Verordnungsvorschlag der Kommission zur Netzneutralität beschlossen. Drosselungen sollen zwar abgeschafft werden, sogenannte „Spezialdienste“ sind aber nach wie vor erlaubt und sehr unscharf definiert. Dies führt dazu, dass Dienste wie Youtube oder Skype aus dem offenen Netz ausgelagert und nur noch über kostenpflichtige Spezialdienste angeboten werden können.

Während der Umfang des Datenverkehrs im Internet, insbesondere im mobilen Bereich, ständig zunimmt, werden die dafür zur Verfügung stehenden Bandbreiten fortlaufend knapper. Über kurz oder lang wird es somit zu Engpässen im offenen Internet kommen, was es für bandbreitenintensive Dienste untauglich macht. Einmal etabliert könnte die Auslagerung von Diensten aus dem offenen Netz eine unaufhaltbare Kettenreaktion auslösen, in deren Zuge kleine Anbieter und Start-ups vom Markt verdrängt werden, während Verbraucher diese Dienste zum normalen Internettarif hinzubuchen müssen und doppelt zur Kasse gebeten werden.

 

Die Digitale Gesellschaft e.V...
... wurde im Umfeld von netzpolitik.org gegründet, um eine kampagnenorientierte Initiative für eine bürgerrechts- und verbraucherfreundliche Netzpolitik zu schaffen.

 

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