Gigantismus

Das Größenwachstum bei Apps ist nicht zu stoppen

Die Größe von Apps ist in den letzten Jahren geradezu explodiert. Was mal ein schnelles Tool war, belegt heute häufig mehrere 100 MB.

Immer aufwärts: Apps wachsen und wachsen

Immer aufwärts: Apps wachsen und wachsen

Highend-Smartphones mit 256 GB Arbeitsspeicher kennen das Problem nicht: Der Speicherplatz wird knapp, weil einige Apps besonders viel davon belegen. Besonders berüchtigt dafür ist die Facebook App, die unter Android über 350 MB schwer werden kann. Doch auch iOS ist nicht vor dem App-Gigantismus gefeit, die Facebook-App ist den letzten Jahren auf das Zwölffache angewachsen.

Die Marktforscher von SensorTower haben vor einiger Zeit die Größenentwicklung der zehn beliebtesten iOS-Apps in den USA verglichen. Platz eins im Größenwachstum ist Snapchat, dass jetzt 51 mal größer ist als noch Anfang 2013. Doch auch die Apps von Uber und Gmail sind um mehr als das zwanzigfache angewachsen. Diese Entwicklung lässt sich auch für Android nachvollziehen, dass Google-Betriebssystem leidet unter derselben Entwicklung.

Zum Problem wird das vor allem für Besitzer kostengünstiger Smartphones in der 100-Euro-Klasse. Hier sind acht Gigabyte Speicher Standard, sodass der Platz recht schnell knapp werden kann. Denn aus technischen Gründen steht ohnehin nicht der ganze Speicherplatz zur Verfügung, die mitgelieferten Apps belegen häufig bereits fast die Hälfte des knappen Speicherplatzes. Zudem sparen sich die Hersteller bei Billig-Smartphones oft auch den Steckplatz für eine SD-Karte.

Interessant dabei: Die Basisausstattung von Mittelklasse- und Highend-Smartphones wird seit einigen Jahren immer besser. So haben die meisten Smartphones inzwischen 32 GB Arbeitsspeicher, Spitzenmodelle wie das Samsung Galaxy S9 werden sogar nicht unter 64 GB angeboten. Doch dies scheint das Größenwachstum eher noch befeuert zu haben: Die Entwickler haben jetzt Platz, um mal so richtig Gas zu geben.

Apps enthalten viel Overhead

Viele Apps sind schon ab Werk wahre Anwendungsmonster. Dies liegt unter anderem darin, dass für alle möglichen Anwendungsfälle Code geschrieben und der App mitgegeben wird. Hinzu kommen Ressourcen beispielsweise für Emoji, Elemente der Benutzeroberfläche und vieles mehr. Ein Entwickler hat sich einmal die Mühe gemacht und die iOS-App von Facebook etwas näher unter die Lupe genommen. Das Ergebnis in Kürze: Die eigentliche Kernanwendung ist lediglich 19 MB groß, der Rest geht auf Ressourcen sowie Zusatzmodule.

Eine weitere Unsitte der Entwickler: Manche Apps laden während der Laufzeit alle möglichen Dateien nach, speichern sie aber nicht im dafür vorgesehenen Cache. Dies betrifft gelegentlich auch Werbung, die häufig ausgetauscht wird. Zug um Zug baut sich somit ein großer temporärer Speicher auf, der mit einfachen Mitteln nicht zu löschen ist. Wer echte Probleme hat: Einfach die App deinstallieren und neu installieren. Das ist zwar lästig, hilft aber.

Viele Apps bieten darüber hinaus die Möglichkeit an, Fotos zu machen und zu speichern. Dabei wird manchmal nicht die integrierte Kamera-App genutzt, sondern ein eigenes Kameramodul, das auch für die Aufzeichnung von Videos eingerichtet ist. Hinzu kommen die bei Snapchat, Instagram und Co. sehr beliebten Filter sowie nachträgliche Bearbeitungsoptionen für Fotos. Ein solches Modul wirkt wie eine zusätzliche App in der App, mit den entsprechenden Folgen für den Speicherplatz.

Das Größenwachstum von Apps ist allerdings nur ein Aspekt des "IT-Gigantismus": Auch Webseiten werden immer umfangreicher. So ist es nicht selten, dass von einer Seite mit wenigen Zeilen Text zwei Dutzend Megabyte oder mehr übertragen werden. Zum Teil sind das Werbebanner, zum Teil integrierte Videos, zum Teil aber auch unsichtbarer JavaScript-Code mit Werbetrackern. Subjektiv ist das Web heute selbst bei einem 50-Megabit-Anschluss nicht schneller als vor 20 Jahren via Zweikanal-ISDN.

Bildquelle: Thinkstock

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