Crowdfunding

Das kleine Einmaleins der Schwarmfinanzierung

Die Finanzierung von Startups durch eine große Zahl an Geldgebern hat sich schnell durchgesetzt. Wer beim Funding auf Kommunikation und Transparenz setzt, kann erfolgreich Kapital einwerben.

"Crowdfunding ist eine Win-Win-Situation für Startups und Investoren", meint Jakob Carstens, Head of Marketing bei Seedmatch, dem Marktführer im Crowdfunding für Startups in Deutschland. "Startups brauchen Kapital, Kunden, Kontakte und Bekanntheit. All das bekommen sie beim Crowdfunding."

Ein weiterer Vorteil ist der Novelty-Effekt: Da Crowdfunding noch ein neues und ungewöhnliches Thema ist, wird über die Projekte deutlich intensiver berichtet als über andere Startups. Sie ziehen somit zusätzliche Aufmerksamkeit auf sich, auch von potentiellen Investoren.

Davon profitieren dann wiederum alle Investoren. Carstens: "Je größer die Crowd, desto mehr Multiplikatoren, Beta-Tester und Feedbacker. Sie alle stehen für den Geschäftserfolg und helfen dem Startup in der frühen Phase auf dem Weg zum Erfolg."

Finanzkrise als Auslöser

Crowdfunding hat sich erstaunlich schnell durchgesetzt, sicher auch eine Folge der viel beschworenen "Kreditklemme". Die Kreditvergabe der Banken ist bei kleineren bis mittelgroßen Unternehmen stark gesunken. Dies ist nicht nur ein Problem in Deutschland, in dem traditionell viele Unternehmen via Bankkredit finanziert werden.

Laut Prof. Richard Swart, Crowdfunding-Experte an der University of Berkeley, ist die Finanzkrise der wichtigste Auslöser für den enormen Aufschwung der Schwarmfinanzierung. "Der Zugang von kleinen Unternehmen zu Bankkrediten ist weltweit stark geschrumpft. Außerdem gibt es scheinbar ein allgemeines Misstrauen der Millenials gegenüber großen Organisationen. Sie vertrauen eher auf die Entscheidungen anderer Menschen."

Auch in Deutschland hat sich Crowdfunding relativ schnell entwickelt und wird von vielen Startups zur Finanzierung genutzt. Es gibt sogar ein paar Vorzeigeerfolge, aus denen sich so etwas wie "Best Practice-Regeln" ableiten lassen. Der für eine App erstaunlich große Erfolg von Readfy (0,5 Mio. € für eine Lese-App) und der Crowdfunding-Rekord von Protonet (1,5 Mio. € für einen privaten Cloudserver) zeigt eines deutlich: Es geht nicht nur um das Geschäftsmodell, es geht um vorzeigbare Ergebnisse.

Wirklich erfolgreiche Fundings zeichnen sich durch ein fertiges Produkt aus - sei es ein Vorläuferprodukt oder eine Beta-Version. Nur für gute Worte gibt es in der Regel kein Geld. Dies gilt sogar für Kultur-Fundings. Die Finanzierung des Stromberg-Films wäre ohne den Erfolg der Serie undenkbar gewesen.

Sehr wichtig sind außerdem Fakten, Fakten, Fakten - je mehr Infos zum Vorhaben, desto besser. Direkt gleichauf mit Information steht die Diskussion. Nicht jedes Projekt versteht sich von selbst, auch wenn die Initiatoren das glauben. Readfy zum Beispiel hatte im Vorfeld (Betatest) und während des Fundings eine sehr intensive Kommunikation mit den potentiellen Nutzern, da vor allem die Rechtslage zu enorm vielen Nachfragen führte.

Investoren: Konkreter Nutzen gefragt

Ebenso wichtig ist Transparenz. Die Investoren sollten genau wissen, für welche Zwecke das Funding verwendet wird, wer hinter dem Unternehmen steht, welche Risiken es gibt und welche Vorteile die Anwender davon haben.

Dies führt direkt zum letzten Punkt: Was bekommt der Investor? Abhängig von der Art des Fundings sollte er immer einen direkten und konkreten Nutzen haben - also entweder das Produkt als einer der Ersten bekommen, lebenslang kostenlos nutzen können oder eine Verzinsung erhalten, die ein Investment attraktiv macht.

Hilfreich sind auch zusätzliche Goodies - Fan-T-Shirts, eine Party mit allen Fundern oder was auch immer dem Unternehmen einfällt. Sie müssen nicht unbedingt monetär wertvoll sein, sollten aber dem Investor zeigen, dass er auch bei einer Minimalinvestition ernst genommen wird.

Kurz: Fertige Produkte, Information, Kommunikation, Transparenz und Goodies zeichnen erfolgreiche Crowdfunding-Projekte aus. Letztlich bedeutet dies, das echtes Crowdfunding ("Masseninvestition") im Regelfall kein Instrument für eine Frühphasen-Finanzierung ist. Hier fehlt einerseits die Bekanntheit von Hersteller, Marke oder den beteiligten Personen. Andererseits fehlt es an einem vorzeigbaren Ergebnis jenseits von Pitching-Videos und Powerpoint-Folien.

Natürlich ist Crowdfunding trotzdem risikoreich, für Investoren ebenso wie für Unternehmen. Verringern lässt sich das Risiko nur in Grenzen und eine Erfolgsgarantie gibt es nicht. Eines hat Crowdfunding nach Ansicht von Jakob Carstens jedoch schon erreicht: "Crowdfunding verändert die Wahrnehmung von Startups in Deutschland zum Positiven."

Bildquelle: clearlens-images / pixelio.de

Links:

  • Vortrag von Jakob Carstens über Crowdfunding

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