Virtuelle Welten

Das Leben im Jahr 2030

Im Interview erläutert Klaus Löckel, Managing Director Eurocentral bei Dassault Systèmes, welche Rolle virtuelle Welten und digitale Plattformen im Zeitalter der Digitalisierung spielen. Darüber hinaus wirft er einen Blick ins Jahr 2030.

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    So könnte eine Hyperloop-Station aussehen. ((Bildquelle: Hyperloop TT))

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    Dank Hyperloop, einem möglichen Hochgeschwindigkeitssystem, könnten Menschen bequem und nachhaltig ihren Weg antreten. ((Bildquelle: Hyperloop TT))

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    „Wir unterstützen und vernetzen Vordenker und geben ihnen alle Werkzeuge an die Hand, die sie für die Umsetzung ihrer Visionen benötigen.“ ((Bildquelle: Dassault))

Herr Löckel, die CES in Las Vegas ist erst vor wenigen Wochen zu Ende gegangen: Welche Themen und Technologien standen auf der diesjährigen Messe im Fokus?
Klaus Löckel: Für uns stand die CES 2019 ganz im Zeichen der Zukunft: Zum einen gaben wir auf unserem Stand einen Einblick in Verbrauchererlebnisse im Jahr 2030 in den Bereichen Heim, Mobilität, Verbraucher und Auslieferung. Zum anderen präsentierten wir disruptive und nachhaltige Innovationen spannender Start-ups.

Welchen Hauptnutzen verspricht sich die Menschheit von technologischen Fortschritten?
Löckel: Der technologische Fortschritt bringt für Verbraucher viele Vorteile. In Zukunft werden wir Produkte und Dienstleistungen erleben, die personalisierter, maßgeschneiderter und nachhaltiger sind als bislang. Zudem wird der Faktor „Zeit“ eine entscheidende Rolle spielen: Konsumenten bekommen schneller gewünschte Waren. Dies wird sich allgemein in einer Verbesserung der Lebensqualität bemerkbar machen, da nachhaltige Planung und Produktion sowie ein bewussterer Umgang mit Ressourcen unvermeidbar sind.

Für Unternehmen und Dienstleister entstehen dadurch jedoch ganz neue Herausforderungen. So müssen Produktinnovationen schneller umgesetzt werden, um mit den veränderten Anforderungen von Verbrauchern Schritt zu halten. Innovative Verfahren in der Produktentwicklung und Herstellung müssen daher erschlossen werden.

Welche Rolle spielen im Zeitalter der Digitalisierung etwa virtuelle Welten und digitale Plattformen?
Löckel:
Die Digitalisierung der Industrie schafft die Basis, mit der Zukunfts-visionen in die Tat umgesetzt werden, und ist somit nicht mehr wegzudenken. Die virtuelle Welt hilft dabei, die reale Welt zu verbessern. Digitale Plattformen geben Unternehmen die Werkzeuge an die Hand, um innovative Ideen nicht nur zu planen, sondern auch umzusetzen. Denn erst in der Realität wird aus einem Produkt ein echter Vorteil für Verbraucher. Für uns ist es daher von größter Bedeutung, dass die Plattform Kunden unterstützt, Entwicklungs- und Herstellungsprozesse zu verbessern und diese effektiver zu gestalten.

Welchen Einblick ins Leben im Jahr 2030 gewähren Ihre 3DExperience-Plattform und das 3DExperience-Lab? Wie könnte es im eigenen Zuhause, Transportwesen, Gesundheitswesen und im Einzelhandel dann aussehen?
Löckel:
Die Plattform ist der digitale Baukasten, mit dem neue Technologien erschaffen werden. Dies reicht von Smart-Home-Assistenten für ein vernetztes Zuhause hin zu innovativen Transportmöglichkeiten wie Lufttaxis und modernen 3D-Druckverfahren zur Erstellung künstlicher Organe im Bereich Gesundheit. Zudem können personalisierte Shopping-Erlebnisse im Einzelhandel durch den Einsatz von Augmented-Reality-Anwendungen (AR) erstellt werden. Die Möglichkeiten, die sich Unternehmen durch den Einsatz der Plattform bieten, sind unbegrenzt und zeigen, wie virtuelle Welten als Zukunftsmotor dienen.

Wir glauben an die Innovationskraft von Start-ups. Mit dem Lab zeigen wir auf, wie wichtig Agilität und Ideenreichtum für die Technologien der Zukunft sind. Wir unterstützen und vernetzen Vordenker und geben ihnen alle Werkzeuge an die Hand, die sie für die Umsetzung ihrer Visionen benötigen.

Für wie wahrscheinlich halten Sie persönlich eine neue Ära der Ultra-Mobilität per Hyperloop und Lufttaxis?
Löckel: In vielen Metropolregionen dieser Welt ist der Individualverkehr bereits heute hoffnungslos überlastet. Die Bewohner dieser Städte haben demnach jetzt schon ein großes Bedürfnis nach alternativen Beförderungsmitteln – neue Entwicklungen müssen daher Abhilfe schaffen. Technologien wie Lufttaxis, E-Automobile oder das Reisen per Hyperloop sind dabei besonders vielversprechend. Menschen können damit bequem, schnell und nachhaltig ihren Weg zur Arbeit oder nach Hause antreten. Speziell das Konzept „Hyperloop“ erfreut sich großer Beliebtheit. An deutschen Universitäten wird in diesem Bereich vermehrt geforscht und große Unternehmen wie die Deutsche Bahn oder Continental investieren bereits in diese Zukunftstechnologie.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 1-2/2019. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Wer oder was sind die Bremsfaktoren bei der Umsetzung solch fortschrittlicher Technologien?
Löckel:
Aus unserer Erfahrung heraus besteht eine der größten Herausforderungen zur Entwicklung von neuen Technologien darin, dass Wissen nicht übergreifend verfügbar ist und ein Austausch zwischen fachspezifischen Experten zu wenig erfolgt. Dies verlangsamt Prozesse und bremst langfristig die Umsetzung von Innovationen. Wir haben uns daher zum Ziel gesetzt, Informationen und Daten allen Beteiligten in Unternehmen zur Verfügung zu stellen, damit ein ganzheitliches Arbeiten möglich wird. So werden Entwicklungszyklen beschleunigt und fortschrittliche Ideen umgesetzt.

Was unternimmt Dassault Systèmes weiterhin, um die Digitalisierung voranzutreiben?
Löckel: Wir setzen ganz auf „Value Engagement“, also die Wertsteigerung für den Kunden durch den Einsatz der 3DExperience-Plattform. Dies bedeutet vor allem, dass Unternehmen einen langfristigen Nutzen aus dem Einsatz der Plattform ziehen sollen. Gemeinsam erarbeiten wir daher Einsatzkonzepte, in denen definiert wird, wo unsere Kunden in fünf bis zehn Jahren stehen sollen. So entstehen auf lange Sicht echte Vorteile für die Unternehmen und die Produktivität kann gesteigert werden.

Was sind hierbei in Ihren Augen kritische Punkte, die nicht unter den Tisch gekehrt werden dürfen?
Löckel: Viele Unternehmen wissen heute, dass Digitalisierung nicht nur ein Buzzword ist. Sie haben erkannt, dass durch digitale Prozesse, Produkte und Geschäftsmodelle langfristig erfolgreich gearbeitet werden kann. Doch trotzdem wissen nur die wenigsten, was Digitalisierung für das eigene Unternehmen konkret bedeutet. Daher ist es für uns von größter Bedeutung, nicht nur digitale Tools bereitzustellen, sondern auch Kunden intensiv zu beraten, welche Optimierungsmöglichkeiten bestehen. Es wird – wie bereits gesagt – gemeinsam eine langfristige Strategie entwickelt, um sicher zu stellen, dass unsere Kunden auch morgen noch wettbewerbsfähig sind.

Welche Ziele hat sich Ihr Unternehmen für das Jahr 2019 gesetzt?
Löckel: Wir wollen in diesem Jahr weiterhin Unternehmen für unsere Plattform begeistern, damit sie digitale Kontinuität über den gesamten Wertschöpfungsprozess und eine zentrale Anlaufstelle für ihre Spezialisten aus den verschiedensten Feldern schaffen können, um sich dort zu vernetzen. Produkte und Dienste der Zukunft sollen dort gemeinsam mit gebündeltem Wissen entstehen.

Ferner soll auch 2019 das Cloud-Business weiter vorangetrieben werden. Die Bereitstellung von Wissen und Informationen zu jeder Zeit an jedem Ort wird ein wichtiges Merkmal für die Entwicklung von Innovationen darstellen.

Auch arbeiten wir am weiteren Ausbau des 3DExperience Marketplace. Bereits heute profitieren dessen Anwender von über 180 qualifizierten Dienstanbietern weltweit, mit denen Ideen umgesetzt werden können – dieses Netzwerk soll in Zukunft noch weiter wachsen. 

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