Kritische Sicherheitsniveaus

Das Risiko „mobile Arbeitsplätze“

Überlastete Netzwerke, Sicherheitsmängel und verteilte Datensilos sind nur einige der Herausforderungen, mit denen Unternehmen auch nach über zwei Jahren im Krisenmodus bei der Hybridarbeit noch vielerorts zu kämpfen haben.

Kritische Sicherheitsniveaus

Mobile Arbeitsplätze müssen zuverlässig gegen Datenverlust und Fremdzugriffe abgesichert werden.

Mit der wachsenden Zahl an Zugriffspunkten durch Heim- und Mobilarbeitsplätze wachsen die Sicherheitsrisiken in den Unternehmensnetzwerken. Auch die Vermischung von privaten und betrieblichen Infrastrukturkomponenten untergraben in vielen Betrieben bestehende Sicherheitsrichtlinien. Denn nur die wenigsten Arbeitnehmer verfügen tatsächlich über ein klassisches Homeoffice. Ein solcher Arbeitsplatz, ob in den eigenen vier Wänden oder an einem externen Standort, ist nicht nur mit der benötigten Software und Hardware vom Arbeitgeber ausgestattet, er verfügt zusätzlich über DSGVO-konforme Zugangsbeschränkungen (z.B. abschließbarer Raum, alleinige und ausschließliche Nutzung von Komponenten des Arbeitgebers, etc.). Die in den Krisenjahren 2020 und 2021 für viele Arbeitnehmer spontan etablierten, teils improvisierten Lösungen sind daher eher als mobiles Arbeiten zu verstehen. Das Ziel, die Belegschaft arbeitsfähig zu halten, ging hierbei jedoch zumeist zu Lasten der Sicherheit und des Datenschutzes. Diese Sicherheitslücken zu schließen, beschäftigt daher auch im Jahr 2022 noch viele Unternehmen im deutschen Mittelstand.

Sichere Anbindung von Heimarbeitsplätzen

Welche Auswirkungen der Übergang zur modernen Heimarbeit für die Betriebsabläufe mit sich gebracht hat, hängt von vielen Faktoren ab: Wie sieht das Anforderungsprofil des Mitarbeiters und seiner Tätigkeit aus? Welche Ansprüche werden an die Kommunikation und den Datenaustausch gestellt? Während für den einen etwa ein einfaches Dokumenten-Sharing ausreicht, benötigt ein anderer einen Remote-Arbeitsplatz, um an komplexen 3D-Modellen zu arbeiten. Viele Betriebe mussten in den vergangenen Jahren mehr Arbeitnehmer in die Heimarbeit schicken, als betriebliche Ressourcen zur Verfügung standen.

Bis heute verzeichnen IT-Systemhäuser wie Netzlink eine deutliche Zunahme an Anfragen, um Arbeitsplätze remote arbeitsfähig zu machen und vor allem die bestehenden Sicherheitslücken zu schließen. Das Prinzip: Der Nutzer greift mit seinem privaten Arbeitsgerät über eine per Hardware-authentifizierte Terminal-Session auf eine virtuelle Desktop-Umgebung (Virtual Desktop Infrastructure, VDI) des Unternehmens zu. Die private Betriebssystemumgebung und die betriebliche Anwendungsoberfläche sind dabei jederzeit physisch vollständig voneinander getrennte Systemwelten. Auf dem privaten Endgerät können so keine betrieblichen Daten abgespeichert werden, da es keinen Datenzugriff zwischen privater und betrieblicher Umgebung gibt. Das ist eine einfache wie effektive Lösung, um selbst eine Vielzahl von Remote-Arbeitsplätzen anzubinden und auch unter Wirtschaftlichkeitsaspekten ein ausreichend hohes Schutzniveau aller Clients zu gewährleisten.

Mit der konzeptionellen Frage der Anbindung an das Unternehmensnetzwerk schließen sich auch Fragen nach den physischen Kapazitäten des bestehenden Netzwerks an: Habe ich eine ausreichende Firewall und genügend Bandbreite zur Verfügung, um alle meine mobilen Mitarbeiter gleichzeitig remote per VPN anzubinden? Müssen diese überhaupt auf Microsoft-Maschinen remote arbeiten oder reicht es aus, sie über einen klassischen Client arbeiten zu lassen, z.B. durch einen lokalen Zugriff auf die Office-365-Cloud, sodass die Bandbreite des eigenen Netzwerks nicht belastet wird? Dabei ist zu beachten, dass es nicht damit getan ist, den Zugang einmalig herzustellen. Es müssen aufgrund dynamischer Anpassungen der IT-Infrastruktur auch Belastungstests stattfinden, um einen reibungslosen und zuverlässigen Live-Betrieb ohne Unterbrechung der Arbeitsabläufe zu gewährleisten.

Absicherung des Zugangs

Aber auch die Mitarbeiter brauchen eine ausreichende Bandbreite im Heimnetzwerk, um störungsfrei remote zu arbeiten. Ist der Anwender nur mit einem Client online, sodass es ausreicht, einen VPN-Tunnel aufzubauen, oder muss er vielleicht sogar über einen abgesetzten Access Point angebunden werden? Das private Wlan ist vielleicht auch durch andere Benutzer bereits ausgelastet oder entspricht nicht den Sicherheitsanforderungen des Unternehmens. Hier können mit einer LTE-Karte und einem -Modem des Arbeitgebers die Performance und Sicherheit der Verbindung kostengünstig verbessert werden.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 07-08/2022. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Die Absicherung des Zugangs ist dabei stets ein neuralgischer Punkt. Optimalerweise wird für die Heimarbeit ein Wlan-Gastzugang verwendet, damit etwaige Firmendaten nicht über dasselbe Netz übertragen werden, das auch andere Anwender im Haus nutzen. Je nach Rolle und Berechtigung stellt sich zudem die Frage, ob die Sicherheit der Anmeldung im Netzwerk mit einer Zwei-Faktor-Authentifizierung erhöht werden sollte, z.B. mit Token bzw. Einmalpasswort, per Smartcard oder mithilfe biometrischer Merkmale. Wechselt der Arbeitnehmer zwischen Homeoffice und Arbeitsstätte, muss das mitgeführte Gerät auch gegen unerlaubten Datenzugriff bei Verlust oder Diebstahl abgesichert werden. Die Verwendung von Festplattenverschlüsselung, wie etwa mit dem ab Windows 10 integriertem Bitlocker, ist hier so essentiell wie einfach.

Bewusstsein für Risiken schärfen

Eine latente Gefahr für Unternehmen besteht darin, den Einsatz privater Endgeräte ohne bestehende Leitlinien zu dulden, etwa um eine vermeintlich hohe Mitarbeiterproduktivität zu erhalten. Private Endgeräte sind auch nach über zwei Jahren im Krisenmodus für die Datensicherheit im Unternehmen ein ernstzunehmendes Risiko, da sie sich mit Cloud-Speichern, Messenger-Diensten und fehlenden Sicherheits-Patches weitgehend der unternehmerischen Kontrolle entziehen. Zudem müssen auch private Smartphones über eine Firewall und einen aktuellen Virenschutz abgesichert werden. Die Erfahrung zeigt, dass viele Nutzer bei einer schlagartigen Veränderung der Arbeitssituation nicht in der Lage sind, Gefahren und Risiken für sich und das Unternehmen abzuschätzen. Insofern liegt es im Interesse der Unternehmen, das Sicherheitsbewusstsein der Anwendenden für die betriebliche Nutzung privater Smartphones mit entsprechenden Leitfäden und Sicherheitsschulungen zu schärfen, um das Unternehmen vor Angriffen auf die IT von außen zu schützen.

Bildquelle: Getty Images / iStock / Getty Images Plus

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