Konstantin Wolff, Gründer und Geschäftsführer von Payleven
Herr Wolff, lange Zeit galt Bargeld als dominierendes Zahlungsmittel in Deutschland, woher stammt die Idee, einen mobilen Kartenzahlterminal anzubieten?
Konstantin Wolff: Der weltweite Trend hin zu bargeldloser Zahlung ist auch in Deutschland sehr deutlich zu spüren. Im Einzelhandel werden inzwischen 40 Prozent aller Einkäufe mit Karte getätigt. Dadurch, dass traditionelle Kartenzahlungsanbieter meist hohe monatliche Fixkosten, lange Vertragslaufzeiten und Mindestumsätze verlangen, waren kleine und mittelständische Unternehmer von dieser Entwicklung bisher ausgeschlossen und konnten oft keine Kartenzahlung anbieten. Payleven stellt dem ein flexibles und dynamisches Modell gegenüber, das es kleinen und mittelständischen Unternehmen erstmals ermöglicht, Kartenzahlung anzubieten und neue Umsatzpotentiale zu erschließen – mobil, kostengünstig und sicher.
Hat sich die Einstellung zum Bargeld – etwa durch Angebote wie Payleven – geändert?
Wolff: Wir können natürlich nicht die generelle Einstellung der Konsumenten im Alleingang ändern, aber sicherlich sind wir ein Treiber bestimmter Strömungen. Viele Händler in Deutschland und Europa generell können durch uns inzwischen Kartenzahlung anbieten. Im Gegenzug können dann auch Konsumenten dort mit Karte zahlen, wo das bisher unüblich war. Wir leisten also einen Beitrag in Richtung bargeldlose Gesellschaft.
Neben Payleven gibt es noch etwa eine Handvoll Anbieter mit vergleichbaren Lösungen – was ist bei Ihnen anders?
Wolff: Wir waren im Bereich Mobile Payment europaweit der erste Anbieter, der Chip & PIN-Kartenleser in den Markt gebracht hat. Chip & PIN ist die sicherste Technologie für mobile Kartenzahlung und bietet neben den gleichen Sicherheitsstandards wie klassische Kartenzahlungsterminals auch die höchste Akzeptanz beim Konsumenten. Darüber hinaus haben wir Chip & PIN als erster Anbieter weltweit in den Einzelhandel gebracht und dafür Kooperationen u.a. mit Apple und Media Markt geschlossen. Zudem bieten wir ebenfalls als erster Anbieter eine Lösung, die unseren Kunden auch jenseits von Kartenzahlung hilft und haben ein umfangreiches Loyalty-Programm zur Kundenbindung integriert.
Welche Zielgruppe sprechen Sie mit den mobilen Kartenzahlterminals vorrangig an?
Wolff: Wir richten uns in erster Linie an kleine und mittelständische Unternehmer – vom Taxifahrer über den Cafébesitzer bis hin zum Schornsteinfeger. Aber auch Privatpersonen, die beispielsweise Waren auf Flohmärkten anbieten, bieten wir ein gewinnbringendes Produkt. Durch die Mobilität sind die Einsatzmöglichkeiten unseres Kartenlesers nahezu unbegrenzt. Ein kurioses Beispiel sind da Sprachreisen mit dem Kanu, bei denen quasi auf dem Wasser abgerechnet wird.
Wie groß ist die Nachfrage bzw. der Markt in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern?
Wolff: Die bargeldlose Zahlung ist in Deutschland noch nicht so selbstverständlich wie beispielsweise in Großbritannien, den Niederlanden oder Frankreich. Dadurch ergeben sich große Wachstumspotentiale für unsere Lösung. Gerade seit der Einführung der Chip & PIN-Kartenleser erfahren wir eine extrem große Nachfrage, was natürlich durch unsere Vertriebspartnerschaften weiter gesteigert wird. Unser Umsatz hat sich seit der Einführung von Chip & PIN mehr als verzehnfacht.
Es gibt sicherlich noch viele Nutzer, die diese Art des mobilen Bezahlens abschreckt – nicht zuletzt aufgrund der immer wieder aufkommenden Datenskandale, in die auch immer Smartphones involviert sind – wie lassen sich Skeptiker von dieser Lösung überzeugen?
Wolff: Sicherheit genießt bei uns höchste Priorität und wir setzen dafür auf die in der Kreditkartenbranche üblichen Sicherheitsstandards PCI (Payment Card Industrie), EMV (elektromagnetische Verträglichkeit), SSL-Verschlüsselung und PIN-Verifizierung – die sicherste Autorisierung einer Zahlung, die es gibt. Um die Nutzerakzeptanz zu maximieren, setzen wir mit unseren Kartenlesern auf eine Technologie, die dem Endverbraucher geläufig ist, denn der Ablauf ist genau wie bei einem traditionellen Kartenterminal.
Welche Art von Sicherheitslücken wären denkbar und wie lassen sich Kreditkartendaten davor schützen?
Wolff: Die größte Gefahr droht unserer Meinung nach in Form gestohlener Karten und entsprechend gefälschter Unterschriften. Hier sind in erster Linie Kartenleser in Form unterschriftsbasierter Aufsteckdongles betroffen. Hier sind oft weder Händler noch Kunde ausreichend geschützt. Durch unsere Chip & PIN-Kartenleser lösen wir diese Probleme, bieten die Sicherheit der PIN-Eingabe und sichern sowohl unsere Händlerkunden wie auch deren Einkäufer umfangreich ab.
In der Zukunft wird Payleven das Angebot um Aktionen zur Kundenbindung erweitern. Wie wird dies funktionieren?
Wolff: Durch das Treueprogramm erhalten unsere Kunden die Möglichkeit, Stammkunden zu generieren und in den Dialog mit ihnen zu treten. Dafür können individuelle Kampagnen angelegt werden, die den Verbrauchern attraktive Bonusprogramme sichern und die Händler in die Lage versetzen, Stammkunden zu generieren, zu erkennen und anschließend mit weiteren Angeboten zu versorgen. Solche Zusatzdienste sind die Zukunft von Mobile Payment und werden die Einstellung zu Zahlungsdiensten grundlegend verändern.
Welche Bereiche des Handels sprechen Sie konkret an?
Wolff: Zu unseren Kunden zählen so unterschiedliche Händlersegmente wie Floristen, Modegeschäfte, Kioske oder Antiquitätenverkäufer. Darüber hinaus ist payleven durch seine Mobilität auch für Direktvertriebler interessant – ob Weight Watchers-Vertriebler oder Messeverkäufer. Auch Dienstleister wie Taxifahrer, Kosmetiker oder Friseure profitieren von unserer Lösung.
Was wird sich Ihrer Meinung nach in den nächsten Jahren im Bezug auf Bezahlverfahren ändern?
Wolff: Wir glauben, dass die Zahlung der Zukunft überwiegend mobil und bargeldlos abgewickelt werden wird und muss. Hält man sich einmal vor Augen, dass jeder Deutsche im Jahr allein ca. 200 Euro für die Verwendung von Bargeld zahlt, ist ein Umdenken mehr als angebracht. Die Karte wird dabei der Haupttreiber sein, denn diese Art der bargeldlosen Zahlung ist seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil des Einkaufs und hat aus Konsumentensicht die größte Akzeptanz.
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