Künstliche Intelligenz

Dass Skynet-Armageddon fällt vorläufig aus

Die Roboter werden uns zumindest bis 2030 nicht terminieren, ist das Zwischenergebnis einer KI-Langzeitstudie, deren letzter Bericht 2115 erscheinen soll.

Ein Jahrhundert ist eine lange Zeit und eine wissenschaftliche Kommission, die während dieses ganzen Zeitraums arbeiten soll, wird mehrere Forschergenerationen beschäftigen müssen. Ein solches Projekt der Langzeitbeobachtung hat nun die Stanford-Universität gestartet. Es geht dabei um die Auswirkung von Künstlicher Intelligenz auf die Menschheit.

Thema und Zeithorizont erinnern ein wenig an die Foundation-Romane von Isaac Asimov. Doch es handelt sich nicht um Science-Fiction, die erste Studie des Projekts ist bereits erschienen. Die Jahrhundertstudie wurde im Jahr 2014 beauftragt. Alle fünf Jahre fertigen KI-Experten eine neue Studie an, die sich mit dem dann aktuellen Zustand der Forschung und Anwendung von Künstlicher Intelligenz beschäftigt.

Die einzelnen Studien sollen dabei jeweils einen Zeithorizont von 15 Jahren in der Zukunft begutachten und die möglichen Entwicklungen aus einer Analyse der tatsächlichen Entwicklung der zurückliegenden 15 Jahre sowie des gegenwärtigen Status der KI ableiten.

Obwohl sich das Studiendesign womöglich noch ändert, führen die Forscher durch diese Verschränkung von Historie und Prognose eine Möglichkeit der Selbstkorrektur ein. Mit fortschreitender Zeit können die Wissenschaftler die vorherigen Prognosen mit den tatsächlichen Ereignissen vergleichen und dadurch (hoffentlich) spätere Vorhersagen präziser machen.

KI-Systeme finden sich bald in vielen Bereichen des Alltags

Der Fokus der Langzeituntersuchung liegt auf kritischen Aspekten bei der Entwicklung und dem Einsatz von KI-Systemen. Angeregt wurde das Projekt von dem Informatiker Eric Horvitz, der das Redmonder Forschungslabor von Microsoft Research leitet. Er bezieht sich dabei auf eine von ihm umgesetzte KI-Studie, die sich 2008 mit den kurz- und langfristigen Auswirkung von künstlicher Intelligenz beschäftigte. Horvitz hat das Studiendesign im Wesentlichen übernommen und in ein Langzeitprojekt umgewandelt.

Horvitz gehört zu den US-Informatikern, die nicht an apokalyptische Zukunftsvisionen glauben, sondern die positiven Effekte von KI hervorheben. Trotzdem denkt er, dass es erhebliche Folgen für die Gesellschaft geben wird - auch negative. Aus diesem Grunde fordert er eine permanente wissenschaftliche Überwachung und Bewertung des aktuellen Standes der KI-Technologien.

Die 2015er-Studie widmet sich einem Ausblick auf die Veränderungen, die Künstliche Intelligenz für das städtische Leben bis 2030 bringen wird. Sie stellt zunächst fest, dass sich die Technologien der künstlichen Intelligenz in den letzten Jahren enorm verbessert haben, vor allem in Bereichen wie Deep Learning, Verarbeitung von natürlicher Sprache, Mustererkennung und einigen anderen Bereichen.

Doch trotz der großen Fortschritte sind aktuelle KI-Systeme sehr stark an spezifische Aufgaben angepasst. Eine Übertragung in neue Bereiche erfordert einen hohen Aufwand und kann nicht so ohne weiteres geleistet werden – die Wissenschaftler sprechen von Jahren bis zur breiten Einführungen in den Alltag.

Die Autoren der Studie erwarten substantielle Neuerungen bei autonomen Fahrzeugen, bei der Assistenz von Kranken und Pflegebedürftigen, aber in der Chirurgie-Robotik. Eine weitere starke Verbreitung von KI-Systemen und Robotern sind in Bereichen wie Landwirtschaft, Lebensmittelverarbeitung, Lager und Logistik sowie in der produzierenden Industrie zu erwarten - vor allem bei eher unattraktiven Berufen.

Arbeitsplatzverluste, aber kein Roboter-Armageddon

Entwicklungen dieser Art, beispielsweise die Einführung von Auslieferungsrobotern, die in Mietshäusern Treppen bewältigen können, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einem Verlust von Arbeitsplätzen führen. Es ist jedoch kaum vorherzusagen, wie stark dieser Verlust sein wird. Außerdem ist vollkommen unklar, ob, welche und wie viele neuartige Jobs durch die Einführung von Robotern entstehen.

Allerdings: Der Tag der Abrechnung ist abgesagt. Es wird nach Ansicht der Forscher weder Terminatoren a la Skynet, noch die Replikanten der Tyrell Coporation geben. Die Autoren halten es für äußerst unwahrscheinlich, dass in den nächsten Jahren Maschinen mit selbst gewählten und langfristig verfolgten Zielen und Absichten entwickelt werden.

KI-Systeme werden also dem Menschen nicht ähnlich, sondern sind auch 2030 weiterhin an spezielle Aufgaben angepasste Werkzeuge. Doch die Studienautoren betonen zugleich, dass bestimmte Entscheidungen der KI-Forschung in der Gegenwart langfristige Auswirkungen auf die Art und Richtung der Entwicklung von KI-System haben wird.

Aus diesem Grunde halten sie es für wichtig, dass Wissenschaftler, Techniker, Sozialforscher und Politiker die Weiterentwicklung von KI-Anwendungen verfolgen und überwachen. Künstliche Intelligenz hat enorme potentielle Vorteile in ökonomischer und sozialer Hinsicht. Sie müssen nach Ansicht der Stanford-Forscher der gesamten Gesellschaft verfügbar gemacht werden und nicht nur kleinen Gruppen.

Der Bericht schließt mit einer Mahnung: Die Gesellschaft sollte KI-Technologien nicht mit Angst und Abwehr begegnen. Dadurch nehme sie sich selbst die Möglichkeit, offen und konstruktiv über KI zu diskutieren und die Richtung der Entwicklung zu bestimmen.

Bildquelle: Thinkstock

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