Regeln vonnöten

„Dauerhaftes Homeoffice ist kein Selbstläufer“

Im Interview betont John-Paul Pieper, CEO von Nexible, dass neben Eigenverantwortung und Flexibilität aller vor allem klare Kommunikationsregeln im Homeoffice vonnöten sind, damit die Arbeit zuhause funktioniert.

„Dauerhaftes Homeoffice ist kein Selbstläufer“

Piepers Unternehmen nutzt digitale Tools, um die Arbeitsabläufe zu strukturieren.

MOB: Herr Pieper, mit den neuen Beschränkungen im Kampf gegen die Corona-Infektionszahlen setzen viele Unternehmen wieder verstärkt aufs Homeoffice. Welche Erfahrungswerte haben Unternehmen bislang im Rahmen der Heimarbeit sammeln können?
John-Paul Pieper: Homeoffice ist ein bereits länger vorhandener Trend, der sich durch Corona noch einmal massiv verstärkt hat. Während manche etablierten Unternehmen in der Corona-Krise von heute auf morgen umstellen mussten und auf dem falschen Fuß erwischt wurden, setzen wir z.B. schon lange auf Homeoffice als dauerhafte Alternative. Ich bin mir sicher, dass zahlreiche Firmen aufgrund der Erfahrungen in den vom Coronavirus geprägten Wochen nun auch langfristig umdenken. Denn viele Unternehmensverantwortliche, die vor Corona skeptisch waren, haben krisenbedingt gesehen, dass Homeoffice in der Praxis gut funktionieren kann und für beide Seiten attraktiv ist, wenn die Rahmenbedingungen für alle festgelegt wurden und die Infrastruktur gegeben ist. Der Zukunftsforscher Matthias Horx vertritt u.a. die These, dass wir uns gerade im fließenden Übergang zu einer neuen Lebensrealität befinden, in der Homeoffice für viele selbstverständlich sein wird.

MOB: Warum ist das Arbeiten von zuhause aus noch lange kein Selbstläufer? Wo hakt es oftmals?
Pieper: Obwohl Homeoffice schon vor der Corona-Krise im Trend lag, haben immer noch viele Firmenchefs Vorbehalte. Die Angestellten seien dann nicht mehr greifbar und Kontrolle kaum möglich, sind z.B. zwei häufige Argumente. Zum Teil sehen Vorgesetzte darin sogar den Versuch findiger Angestellter, zusätzliche freie Tage zu ergattern. Eine Sichtweise, die wir nicht nachvollziehen können. Außerdem reicht es nicht, den Mitarbeitern einen Laptop und ein Telefon in die Hand zu drücken und zu hoffen, dass die Prozesse ganz normal weiterlaufen. Wer seinen Mitarbeitern flexibles Arbeiten ermöglichen möchte, muss darauf achten, dass neben Grundlegendem wie Hardware und Internetanschluss zu Hause auch die Arbeitsabläufe, Meetings und sogar Kaffeepausen entsprechend angepasst werden.

MOB: Welche Technologien, Tools und Lösungen können an dieser Stelle die Homeoffice-Arbeit unterstützen?
Pieper: In den vergangenen Wochen haben sich Videokonferenzen nahezu überall etabliert und bewährt. Moderne Tools können heute teure und oft zeitraubende Geschäftsreisen zumindest größtenteils ersetzen, das ist unserer Meinung nach ein Schritt in die richtige Richtung und zudem nachhaltiger für die Umwelt. Wir haben bereits in der Vergangenheit die Erfahrung gemacht, dass gut organisierte Video-Calls häufig sogar disziplinierter ablaufen und produktiver sind als stundenlange persönliche Meetings im Besprechungsraum. Zugleich nutzen wir digitale Tools, um unsere Arbeitsabläufe zu strukturieren und Transparenz über die wichtigsten Informationen bei uns zu behalten. Da ist es praktisch egal, ob unsere Mitarbeiter von zu Hause oder aus dem Büro auf diese Daten zugreifen.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 11-12/2020. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

MOB: Was braucht es Ihrer Ansicht nach, damit Heimarbeit für beide Seiten (Arbeitgeber und Arbeitnehmer) dauerhaft funktioniert?
Pieper: Bei allen Vorteilen für Unternehmen und Mitarbeiter ist dauerhaftes Homeoffice kein Selbstläufer. Um zuhause effizient arbeiten zu können, müssen neben der richtigen persönlichen Einstellung auch ein unternehmensweit gleiches Verständnis von Homeoffice sowie die technischen Voraussetzungen gegeben sein. Dazu zählt, dass alle Mitarbeiter ortsunabhängig Zugriff auf benötigte Dokumente und Dateien haben und es ein klar definiertes Set an Tools gibt, mit denen kommuniziert wird – samt Regeln, wann sie eingesetzt werden. Festzulegen, in welchen Fällen wir E-Mails 
schreiben, ein Chat-Tool nutzen oder telefonieren, hat uns geholfen, effizienter zu kommunizieren, ohne das Zwischenmenschliche zu vernachlässigen. Das muss aber jedes Unternehmen für sich selbst ausarbeiten. Eine Herausforderung beim Home-office besteht zudem darin, dass die Grenzen zwischen Beruflichem und Privatem in den eigenen vier Wänden leichter verschwimmen können. Deshalb braucht es neben Eigenverantwortung und Flexibilität aller vor allem klare Kommunikationsregeln im Home-office. 

Bildquelle: Getty Images/iStock

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