Enginsight

„Deep Learning ist nur in Teilbereichen sinnvoll“

KI ist kein Allheilmittel, findet Mario Jandeck von Enginsight aus Jena. Das Startup bietet Security-Lösungen für den Mittelstand.

Mario Jandeck, Geschäftsführer Enginsight GmbH

Mario Jandeck, Geschäftsführer Enginsight GmbH

Das 2016 gegründete Startup Enginsight aus Jena bietet spezielle KI-Lösungen für Cybersecurity. Seine Cloud-Plattform richtet sich vor allem mittelständische Unternehmen, die trotz geringer Ressourcen hochwertige IT-Sicherheit einsetzen möchten. Im Interview beschreibt der Gründer und Geschäftsführer Mario Jandeck, wie das am besten geht und welche Rolle KI dabei einnimmt.

Ist der Mittelstand mit Cybersecurity überfordert? Was macht das Thema so schwierig?
Cybersecurity ist komplex, es geht nicht nur um Firewalls, Virenscanner und Angriffserkennung. Eine erfolgreiche Strategie für Cybersecurity erfordert eine Vielzahl an zusätzlichen Elementen. So ist zunächst einmal Know-how erforderlich, das natürlich vor allem in der IT-Organisation angesiedelt sein sollte. Doch auch Mitarbeiter in anderen Bereichen benötigen Grundwissen, vor allem ein Bewusstsein für unsichere Verhaltensweisen, etwa im Zusammenhang mit Mobilgeräten. Zudem müssen sie mit bestimmten Situationen wie Phishing oder seltsamen Bildschirmmeldungen klarkommen und richtig reagieren können. Insgesamt sind umfassende Maßnahmen vergleichsweise teuer und aufwendig, viele Mittelständler sind damit bereits finanziell überfordert.

Wie kann KI bei Cybersecurity helfen?
Künstliche Intelligenz ist natürlich kein Allheilmittel, aber es ist in Teilbereichen ein wichtiges Hilfsmittel. So können KI-Anwendungen recht gut klassifizieren, ob bestimmte Vorgänge in der IT-Infrastruktur auf einen Angriff hindeuten oder nicht. Da es eine enorme Anzahl an verschiedenen Angriffsvarianten und Möglichkeiten für Sicherheitsbrüche gibt, sind menschliche Mitarbeiter häufig überfordert. KI-Lösungen dagegen sind allein durch die hohe Rechengeschwindigkeit von Computern im Vorteil.

Allerdings erfordert vor allem Deep Learning mit neuronalen Netzen viele Trainingsdaten, was wiederum eine gewisse Rechenkapazität voraussetzt. Aus diesem Grund halte ich den Einsatz von Deep-Learning-Verfahren nur in Teilbereichen für sinnvoll, wo die Anzahl der Inputvariablen überschaubar ist. Es ist im Moment für Mittelständler wirtschaftlich nicht sinnvoll, auf breiter Front KI für die Verteidigung von IT-Infrastrukturen einzusetzen. Der menschliche Mitarbeiter ist also weiterhin gefordert.

Wo ist KI denn besonders nutzbringend einzusetzen?
Wir setzen KI nur bei bestimmten Fällen ein, beispielsweise bei Inputdaten aus dem Netzwerk. Dadurch ist es möglich, den Netzwerk-Traffic sehr genau zu beobachten und festzustellen, ob es Anomalien gibt. In diesem Bereich sind KI-Verfahren recht leistungsfähig und können mit vertretbarer Rechenleistung genutzt werden. Eine breite Untersuchung 1000er Inputvariablen, für die kleinere Rechenzentren herangezogen werden müssten, ist dagegen nicht sinnvoll. Mit unserer Lösung konzentrieren wir uns auf spezifische abgrenzbare Problemfelder und können so intelligente Algorithmen mit geringem Aufwand und recht kurzfristig ausrollen.

Warum eignet sich die Software besonders für den Mittelstand?
Wir bieten eine SaaS-Lösung, die allerdings auf besonderen Wunsch des Kunden auch lokal in einem Rechenzentrum installiert werden kann. Sie umfasst ein breites Spektrum an Cybersecurity-Anwendungen, nicht nur mit KI. Dazu gehören die Analyse und Absicherung der IT-Infrastruktur, automatisierte Penetrationstests und eine Visualisierung der Daten aus der Monitoring-Lösung. So wird zum Beispiel für jeden überwachten Rechner ein Risiko-Level abgeschätzt, ganz konkret mit Handlungsempfehlungen und Sicherheitsmaßnahmen.

Das Anwendungspaket ersetzt eine ganze Bandbreite an einzelnen Tools und senkt damit die Komplexität für den Mittelständler. Darüber hinaus hilft es auch bei Nachlässigkeiten in der Konfiguration und macht die Nutzer beispielsweise auf fehlende Sicherheitsaktualisierungen aufmerksam. Es ist insofern mehr ein automatischer Service als eine klassische Anwendung.

Bildquelle: Enginsight

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