Chancen und Risiken der Stadt der Zukunft

Demokratie in der Smart City

Wie steht es um die Demokratie und den Datenschutz in den Städten der Zukunft?

Die schlaue Stadt von übermorgen bietet Chancen für die Demokratie. Sie kann durch mehr Beteiligung und Transparenz zu einer Revitalisierung der Demokratie beitragen. „Mehr Bürgerbeteiligung bereits im Vorfeld von Planungsprozessen und mehr Transparenz im Hinblick auf das Verwaltungshandeln können das Vertrauen in die Arbeitsweise von Politik und Verwaltung wieder herstellen“, so Willi Kaczorowski, Strategieberater für die digitale Transformation von Statt und Wirtschaft.

Und es gibt neue Möglichkeiten der Einmischung: „Die Chance der Anwendung digital gestützter Kommunikation und Information liegt in der Möglichkeit der besseren Wahrnehmung von individuellen Einschätzungen zu einzelnen Themen“, so Smart-City-Forscher Michael Lobeck. Kurzum: Es wird für Bürger leichter, ihre Sicht der Dinge zu artikulieren. Gleichzeitig erfordert dies aber auf Seiten der anderen Bürger und auf Seiten von Verwaltung und Politik neue Umgangsformen, um mit den vielfältigen Äußerungen auf unterschiedlichen Kanälen umzugehen, mahnt Lobeck.

Digitale Partizipationsprozesse

Eine Gefahr sieht er in den Möglichkeiten von kapitalstarken Interessengruppen, die öffentliche Meinung gezielter und wirkungsvoller zu beeinflussen als je zuvor. Auch könnten diejenigen im Vorteil sein, die sich mit Technologien besser auskennen und/oder besseren Zugang dazu haben: „Internetaffine Nerds könnten die Mehrheit dominieren, weil sie die Zusammenhänge besser durchschauen und digital ausdrucksfähiger sind“, warnt Kaczorowski. „Deshalb gehört zur Demokratieentwicklung in der Smart City, dass Unterstützungsinfrastrukturen geschafft werden, die sicherstellen, dass Offliner zu Onlinern werden und in die digitalen Partizipationsprozesse eingreifen."

Dreh- und Angelpunkt dabei sind offene Daten. Wem stehen die Daten einer Smart City für was zur Verfügung? Lobeck sieht einen grundsätzlichen Konflikt: „Wenn sich die technikgetriebenen Konzerne durchsetzen, profitieren sie selbst durch Unmengen von Daten, die sie unter Kontrolle haben. Wenn sich die demokratisch legitimierten Stadtregierungen einmischen und Daten, über die sie verfügen, entweder selbst auswerten oder Dritten nur „leihweise“ überlassen, profitieren auch die Gemeinwesen. Bessere Services entstehen insbesondere dann, wenn Daten und der Umgang damit „offen“ erfolgt – als „Open Data“ und mit „Open Access“. Jeder soll auf die Daten zugreifen und neue Ideen zur Auswertung und Nutzung entwickeln können.“

Datenschutz


Datenschutz – auch als Verkaufsargument – findet erst langsam Platz in der Debatte „Smart City“. „Die Reflexion des Themas und seiner gesellschaftlichen Auswirkungen sowohl für die Demokratie als auch für Wirtschaft oder Kultur steht noch immer ganz am Anfang“, meint Michael Lobeck. Er fordert, konsequent Ansätze zu verfolgen, die das Prinzip „privacy by design“ berücksichtigen. Ansätze also, die bereits bei den ersten Überlegungen zu neuen Anwendungen und Lösungen die Prinzipien von Datensparsamkeit, größtmöglicher Anonymität und verfügbarer Verschlüsselung nutzen.

Sean Jackson, Chief Marketing Officer bei Exasol, sieht Stadtverwaltung und Lösungsanbieter in der Pflicht, sensibel mit den Daten umzugehen. Die Interessen bei der Auswertung lägen allerdings auch eher bei Trends und Mustern, anstatt genau wissen zu wollen, wie Helga Müller in der Mustermannstr. 24b ihr Leben führt, erklärt er. „Es könnten personenbezogene Daten also anonymisiert werden und dennoch hilfreich bleiben, solange daraus abzuleiten ist, was die Einwohner auf Stadtteil- oder Straßenbasis so machen.“

Bildquelle: Thinkstock/ iStock

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