Gründerszene

Den Unternehmergeist schulen und fördern

Gründen lernen? Das ist für uns Neuland, doch es gibt immer mehr Initiativen für Schüler und Studenten, bis hin zum Entrepreneurship-Master.

Um den Unternehmergeist in Deutschland ist es schlecht bestellt. Das merkt jeder, der Google nach diesem Thema durchsucht: Die ersten Treffer sind Klagen über sein Fehlen - zum Beispiel bei den Studenten. Sogar die legendäre Generation Y möchte die ihr häufig nachgesagte Unabhängigkeit lieber in einer Konzernkarriere ausleben.

Im „Global Entrepreneurship Monitor 2014“ lässt sich ein möglicher Grund gut erkennen: Viele andere Länder wie die USA, aber auch unsere direkten Nachbarn Niederlande und Schweiz sind uns in Sachen Gründerkultur weit voraus. Einerseits gilt dort der Unternehmergeist in höherem Maß als Wert, andererseits gibt es eine deutlich bessere Gründerausbildung in Schulen und Universitäten.

Initiativen für Schülerfirmen

„Eine fundierte Gründungsausbildung, die praxisrelevantes Wissen vermittelt, wirkt sich positiv auf das Gründungsgeschehen aus“, konstatieren die Autoren des Berichts. „Darüber hinaus kann dadurch langfristig eine Kultur der unternehmerischen Selbstständigkeit entstehen.“

Vor allem in der Schule kommt das Thema zu kurz. Dabei gibt es viele Initiativen, etwa „Unternehmergeist macht Schule“ vom Bundesministeriums für Wirtschaft. In einem umfangreichen Webportal gibt es Ideen und Materialien für die Unterrichtsgestaltung zu Gründerthemen sowie umfangreiche Informationen zu Schülerfirmen.

Die sind ein klassisches Mittel für Schulen, den Unternehmergeist zu fördern. Dabei wird der Geschäftsbetrieb nicht nur simuliert, sondern tatsächlich aufgebaut. Typische Schülerfirmen drehen sich um Schul-Cafeterien, Cateringfirmen, Fahrradwerkstätten, Floristik und Gartenbau, Werbeagenturen, Schreibwarenverkauf, Einkaufsservice oder Raumpflege.

Wer etwas höher hinaus will, kann auch an zahlreichen Businessplan- und Gründungswettbewerben teilnehmen. Hierbei geht es darum, von einer Idee zu einem Geschäftsmodell und schließlich zu einem gründungsreifen Plan zu kommen. Ein Verzeichnis solcher Initiativen gibt es ebenfalls im BMWi-Angebot.

Richtig ernst wird es dann für Studenten: Es gibt viele uni-interne Initiativen, die sich der Gründungsförderung verschrieben haben. Außerdem bieten zahlreiche Unis inzwischen einen Masterstudiengang Entrepreneurship an. Das ist zumeist ein Managementstudium ähnlich dem MBA (Master of Business Administration), das sich besonders auf Themen wie Innovation und Gründung konzentriert.

Masterstudiengang Entrepreneurship

Gut zwei Dutzend öffentliche und private Hochschulen in Deutschland bieten einen Master unter wechselnden Bezeichnungen an. Außerdem gibt es noch eine Vielzahl an europäischen Universitäten, die ebenfalls ein Unternehmerstudium anbieten. Voraussetzung für die meisten Studiengänge ist ein Fachstudium sowie häufig Berufserfahrung. Teils handelt es sich auch um berufsbegleitende Studiengänge.

Schülerfirmen und Unterrichtseinheiten in der Schule sind sicher nur ein Mittel, um Schüler überhaupt erst einmal mit der Idee der Selbstständigkeit bekannt zu machen. Vertieftes Wissen kann die Schule hier meist nicht vermitteln, denn oft werden solche Initiativen in der Freizeit von Schülern und Lehrern umgesetzt.

Immerhin: Wer in Schülerfirmen und Planspielen ersten Kontakt mit der Unternehmensgründung hatte, kann dann später in Ausbildung oder Studium zielgerichtet nach Informationen und Weiterbildungsmöglichkeiten suchen.

Einen Startvorteil haben dabei Angestellte in Handwerksberufen, da die Standesvertretungen recht aktiv in der Gründungsberatung sind und auch Gründerkurse anbieten. Für gründungswillige Meister hat das Handwerk häufig auch heutzutage noch den sprichwörtlichen goldenen Boden.

Schwieriger ist die Bewertung des Gründer-Studiums, da hier in Deutschland das Thema noch so neu ist, dass es kaum Erfahrungen mit dem längerfristigen Erfolg gibt. Doch in den USA zeigen Studien, etwa von der Yale University, dass die Absolventen des Entrepreneurship-Studiums fünf Jahre nach der Gründung eine höhere Erfolgsrate haben als vergleichbare Gründer ohne einen solchen Abschluss.

Bildquelle: Thinkstock

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