Untergang der Smartphones?

Der 33-Milliarden-Euro-Markt wächst noch

Der Gerätemarkt zeigt erste Sättigungserscheinungen, doch das Wachstum verlagert sich auf Software und Services.

Geldscheine fliegen aus Smartphone

Der Mobile-Markt ist eine Geldmaschine

Das Ende des Smartphones ist in Sicht, geisterte es in der letzten Woche durch viele Medien. Was war passiert? Haben sich die Digitalisierungsskeptiker durchgesetzt und das Tragen von Smartphones in der Öffentlichkeit für illegal erklärt? Nein, die Smartphone-Verkaufszahlen zur Weihnachtszeit waren ein wenig mau.

Zum Beispiel Apple: Traditionell ist das erste Quartal des Geschäftsjahres für den Absatz vom iPhones das mit Abstand stärkste Quartal. Das liegt daran, dass es von Oktober bis Dezember des Vorjahres reicht und damit genau in die Weihnachtszeit fällt. Apple macht in dieser Zeit einen erklecklichen Teil seines Umsatzes mit iPhones. Die anderen Quartale fallen dagegen stark ab, der Abstand ist in den vergangenen Jahren sogar gestiegen. So hat Apple im ersten Geschäftsquartal 2017 etwa 78,3 Millionen iPhones verkauft, im Quartal darauf aber lediglich knapp 50,8 Millionen Stück.

Nun scheint Apple langsam die Grenzen des Wachstums erreicht zu haben, denn das erste Geschäftsquartal 2018 verzeichnet einen - wenn auch kleinen - Rückgang im Absatz. Es gingen nur noch 77,3 Millionen iPhones über den Ladentisch. Zudem sinken seit 2015 die Stückzahlen in den Folgequartalen jeweils gegenüber dem Vorjahresquartal. Ist das jetzt der Anfang vom Ende des iPhones oder gibt es eine einfache Erklärung, die ohne Doomsday-Gerede auskommt?

Eine erste Erklärung ist eine gewisse Marktsättigung: Die Zahl der finanzkräftigen Leute, die bisher noch kein iPhone hatten und eines besitzen wollen, ist begrenzt. Das bedeutet, dass ein steigender Teil der Verkäufe an iPhone-Besitzer geht, die ihr vorheriges Gerät ersetzen. Und genau hier ist der Knackpunkt: Apple-Augur Horace Dediu geht davon aus, dass iPhones durchschnittlich vier Jahre und drei Monate lang genutzt werden. Bei anderen hochpreisigen Geräten wie beispielsweise der Galaxy-S-Reihe von Samsung wird das nicht anders sein.

Mobile Services haben großes Wachstumspotential

Die Zurückhaltung der Käufer bei neuen Geräten zeigt sich daran, dass quer über alle Hersteller die Absatzzahlen im Weihnachtsquartal sinken: Laut der IT-Beratung Gartner verkaufen die Hersteller im vierten Quartal 2016 noch 432 Millionen Smartphones, letzte Weihnachten waren es nur noch 408 Millionen. Dies als Beginn des Untergangs des Smartphone-Marktes zu interpretieren, ist weit hergeholt, denn die Umsätze steigen weiterhin. Dies liegt daran, dass die etwas höherpreisigen Geräte einen größeren Marktanteil bekommen. Zum Beispiel in Deutschland: Der durchschnittliche Preis der verkauften Smartphones lag 2016 bei 386 Euro, im letzten Jahr schon bei 419 Euro und laut der Überlegungen des ET-Branchenverbandes Bitkom werden es in diesem Jahr wohl 426 Euro.

Smartphones werden uns also noch lange begleiten, auch wenn die Verkaufszahlen mittelfristig sicher nicht mehr so stark steigen und sich eher konsolidieren werden. Dafür wird sich vermutlich wie in anderen Technologiemärkten die Haltedauer der Geräte weiter verlängern. Dass das negative Auswirkungen auf den Gesamtmarkt rund um Mobilgeräte haben könnte, ist nicht sehr wahrscheinlich. Denn inzwischen werden laut Bitkom durch Geräte, Apps, Daten- und Sprachdienste sowie die Infrastruktur für das mobile Internet alleine in Deutschland mehr als 33 Milliarden Euro erwirtschaftet.

Der Geräteverkauf macht hier weniger als ein Drittel aus und sein Anteil wird vermutlich in naher Zukunft sinken. Bereits jetzt kommt mehr als die Hälfte der Umsätze aus Daten- und Sprachdiensten, deren Anteil in Zukunft sicher noch steigen wird. Vor allem verwandte Technologien wie das Internet der Dinge werden den Smartphone-Boom befördern, denn das Mobilgerät wird zunehmend zur Steuerzentrale für Haushaltsgeräte, Entertainment-Technologie, Fitnessarmbänder und nicht zuletzt das eigene Auto. Services und Anwendungen rund um das Smartphone werden mit Sicherheit das größte Wachstumspotenzial haben. Die Untergangspropheten kommen zu früh und sollten sich vorläufig andere Technologien für ihre Verkündigungen suchen, Anwärter gäbe es genug.

Bildquelle: Thinkstock

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