Longreads für das Wochenende

Der Blick aus dem unheimlichen Tal

Chatbots sind jetzt so gut, dass sie Menschen irritieren - der Uncanny-Valley-Effekt.

Die Milchstrasse, wie sie dank Lichtverschmutzung kaum jemand kennt (ESO/P. Horálek)

Mit dem Begriff "Uncanny Valley" (Unheimliches Tal) wird ein etwas paradoxer Effekt bezeichnet: Die Akzeptanz von künstlichen Figuren in Animationen oder Computerspielen steigt nicht linear mit ihrer Menschenähnlichkeit. Wir können uns eher auf grobe Simulationen einstellen als auf solche, die zwar extrem gut, aber nicht perfekt sind. Diese Akzeptanzlücke wird langsam zum Problem bei Chatbots und Apps, die menschliches Verhalten beispielsweise im Nutzersupport simulieren sollen.

Das menschliche Bewusstsein scheint ein gutes Empfinden für kleine Fehler und Abweichungen im Aussehen und im Verhalten von künstlichen Entitäten zu haben. Das liegt möglicherweise daran, dass es eine sehr lange Zeit zu seiner eigenen Perfektion brauchte.

Es scheint also eine gute Lösung zu sein, gar nicht erst zu versuchen, mit einer Maschine den Turing-Test zu bestehen. Stattdessen sollten Unternehmen darauf setzen, dass die meisten Menschen problemlos eine intime Beziehung zu einer Maschine aufbauen können.

Das hat mit der kalifornischen Techno-Euphorie zu tun, die allerdings bei der Betrachtung der zukünftigen Arbeitswelt etwas gedämpft wirkt. Eher positive Prognosen wie diese hier sind nicht unbedingt häufig. Vermutlich hat das historische Gründe: Das Goldene Zeitalter des Wirtschaftswunders ist (auch in den USA) lange vorbei und der Blick auf die erste industrielle Revolution sorgt für gemischte Gefühle.

Zur gleichen Zeit in einer Garage um die Ecke: Der junge Student Brevan Jorgensen hat einen Honda für 700 Dollar in ein fahrerloses Auto umgebaut.

Jetzt fehlt nur noch jemand, der eine für die E-Mobilität besser geeignete Batterie entwickelt, dann kann die Zukunft beginnen.

Gute Aussichten also.

Bildquelle: ESO/P. Horálek

 

 

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