Protonet-Insolvenz

Der einfachste Server der Welt ist tot [Update]

Das Vorzeige-Startup für Crowdfunding, das Hamburger Unternehmen Protonet, schließt seine Tore.

Ein Bild aus besseren Zeiten: Die Protonet-Produktfamilie

[Update 09.02.2017]

Die amerikanische Gesellschaft Protonet Inc. ist von dem Insolvenzverfahren der Protonet Betriebs-GmbH nicht betroffen. Ihre Gründung war die Voraussetzung für die Aufnahme in das Accelerator-Programm von Y Combinator.

[Der urspüngliche Artikel vom 08.02.2017]

Hardware ist für Startups in Deutschland eine undankbare Sache: Ausreichend Risikokapital ist schwer zu bekommen und ein Gerätehersteller braucht davon jede Menge. Zum Beispiel die seit heute insolvente Protonet GmbH: Auf über sieben Millionen Euro beläuft sich die Gesamtfinanzierung des Unternehmens. Mehr als drei Millionen Euro stammen aus zwei Finanzierungsrunden auf Seedmatch, an denen sich hunderte Crowdinvestoren beteiligten - bislang eines der größten Investments dieser Art.

Letztlich hat es dann doch nicht ausgereicht, denn der Hardware-Markt ist nicht einfach. Kernprodukt des Unternehmens war ein kleiner, besonders einfach zu bedienender Server, der als einfachster Server der Welt und persönliche Cloud für Non-IT-Unternehmen  vermarktet wurde. Grundsätzlich ist die Idee nicht schlecht und konnte immerhin hunderte von Leuten dazu animieren, sich an der Investitionen in das Produkt zu beteiligen.

Es gibt zwar auf dem Markt Konkurrenzprodukte wie eine Vielzahl an NAS-Servern (Network Attached Storage). Sie richten sich allerdings im Regelfall an IT-Profis oder zumindest experimentierfreudige Anwender. Der Protonet-Server sollte dagegen eine Komplettlösung speziell für kleine und mittelgroße Unternehmen sein, die keine großes IT-Knowhow besitzen.

Die Idee konnte nicht nur viele Crowd-Investoren überzeugen, sondern auch den prominenten Accelerator Y-Combinator in Mountain View in Kalifornien, der das Unternehmen bei der Expansion in die USA unterstützte. Zuletzt steckte eine nicht näher benannte US-Investorengruppe 1,6 Millionen US-Dollar in das Unternehmen. Doch jetzt waren die Investoren nicht mehr bereit, noch weiteres Geld nachzuschießen, so dass Protonet Insolvenz anmelden musste.

Zu wenig Verkäufe: Keine Anschlussfinanzierung

Damit reiht sich das Unternehmen in die nicht kleine Zahl der deutschen Startups ein, die an einer Folgefinanzierung scheiterten. Allerdings ist dies nicht der einzige Grund: Das Produkt war längst nicht so erfolgreich, wie sich das Team um die Gründer Ali Lelveh und Christopher Blum gewünscht hatte.

Letztlich hat es sich gezeigt, dass die Nische für einfache Dateiserver bei Selbstständigen und kleinen Unternehmen nicht ausreicht. Und in der Ebene darüber, beim Mittelstand, wird der Markt für Serverprodukte von einem Quasi-Oligopol mit exzellenten Kontakten in die Wirtschaft beherrscht. Zudem sind die potentiellen Kunden häufig skeptisch und müssen erst mühsam von den Vorteilen eines eigenen internen Servers überzeugt werden. Dies hat in Kombination dazu geführt, dass sich der Protonet-Server nicht gut genug verkauft hat.

So formuliert es das Unternehmen es in der Pressemitteilung, in der es die Öffentlichkeit über die Eröffnung des Insolvenzverfahrens informiert:

Trotz der vielen Erfolge und einer prominenten Präsenz in der Öffentlichkeit, ist es dem IT-Unternehmen bis zum Schluss nicht möglich gewesen schwarze Zahlen zu schreiben. Ali Jelveh, Gründer und Geschäftsführer der Protonet Betriebs GmbH: „So sehr wir auch davon überzeugt sind, dass unser Produkt den Unternehmen und Menschen Unabhängigkeit und Flexibilität bringt, hat sich gezeigt, dass der Markt nur schwer zugänglich ist und eine enorme Komplexität mit sich bringt. Nach Jahren des Kämpfens und Durchhaltens, ist es nun umso enttäuschender - für uns, unsere Kunden und unsere Investoren“.

Bildquelle: Protonet

©2019Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok