Breitband? Katastrophe!

Der ewige Vorletzte bei den Glasfaser-Anschlüssen

Keine Überraschung: Deutschland ist immer noch am Ende der Liste bei den FTTH-Anschlüssen. Das nervt alle, vor allem die Wirtschaft.

Glasfaserkabel werden in der Strasse verlegt

Verlegen von Glasfaserkabeln

Bornheim bei Bonn hat seit ungefähr einem Jahr schnelles Internet mit Glasfaser, die Verwaltungsgemeinschaft Glonn in Oberbayern wird es recht bald ebenfalls haben. Beide Kommunen gehörten zu den zahlreichen weißen Flecken in Sachen Breitbandnetz, die der Breitbandatlas in dunklen Farben darstellt und die nur äußerst gemächlich heller werden. Zudem kann von echtem Breitband keine Rede sein: Der Atlas zählt immer noch Verbindungen unter 50 Megabit pro Sekunde dazu und die meisten dieser Verbindungen werden von Telefonanbietern mithilfe der „Kupfertechnologie“ DSL angeboten.

FTTH-Entwicklungsland am Ende des Rankings

Es geht nur langsam voran. Vor allem beim Glasfasernetz hat Deutschland den Status eines Entwicklungslandes am unteren Rand der Skala: Gerade mal etwas mehr als ein Prozent der Haushalte sind mit Glasfaser ausgerüstet. Damit tauchte unsere Heimat Anfang 2016 erstmalig am unteren Ende der Liste des europäischen FTTH Council auf - gezählt wird erst ab einem Prozent Abdeckung. Immerhin sind wir nur vorletzter geworden, Polen hatte noch ein paar Anschlüsse weniger.

Wie katastrophal allerdings die Entwicklung der Breitbandanschlüsse in Deutschland tatsächlich ist, zeigt sich an der statistischen Auswertung am Anfang des Jahres: Wir liegen (vor Österreich) immer noch auf dem vorletzten Platz. Polen dagegen ist uns vorausgeeilt und hat eine Abdeckung von 2,5 Prozent erreicht. Das entspricht einer Verdopplung der Glasfaseranschlüsse innerhalb eines Jahres. Die peinliche Situation ärgert auch die Wirtschaft, die inzwischen mehr und mehr auf eine Breitbandinfrastruktur angewiesen ist.

In der BDI-Studie „Die größten Familienunternehmen in Deutschland“ beklagten ein gutes Drittel der befragten Unternehmen die Breitbandkatastrophe und schätzen sie als wirtschaftliche Hürde für die eigene digitale Transformation ein. Weniger als ein Drittel der Unternehmen verfüge über eine Bandbreite von bis zu 50 Megabit, bei den anderen ist es deutlich weniger. Auch der Deutsche Industrie und Handelskammertag (DIHK) konstatiert in der aktuellen „Standortumfrage Industrie 2017“: „Die Unzufriedenheit der Industrieunternehmen mit der Breitbandanbindung nimmt immer weiter zu. Mit Blick auf die Zukunftsfähigkeit der deutschen Industrie ist dies ein ernstes Warnsignal.“

Breitband könnte Veröden der Provinz aufhalten

Die Vernachlässigung des ländlichen Raumes bei der Breitbandversorgung wird problematisch, denn gut zwei Drittel aller Industriearbeitsplätze finden sich abseits der großen Städte. Das Problem betrifft vor allem die von der Politik in Sonntagsreden gerne gerühmten Hidden Champions des deutschen Mittelstandes. Sie leiden ebenso unter langsamen Internet wie andere Landbewohner, die das Versenden von E-Mails mit Dateianhängen auf die Nachtstunden verschieben müssen.

Eine FTTH-Breitbandinfrastruktur sowie breitbandige 5G-Mobilfunknetze sind ein wichtiger Baustein für die digitale Gesellschaft und Wirtschaft. Breitband per Kabel und per Funk ist nämlich die Voraussetzung für eine ganze Vielzahl an sinnvollen Entwicklungen. Einige Beispiele: Breitband senkt durch die Ermöglichung von Telearbeit die Lebenszeit und Ressourcen verschlingende Pendelei. Selbständige und Kleinunternehmen in der Digitalwirtschaft können sich auch auf dem Land und in Kleinstädten ansiedeln. Breitbandnetze ermöglichen überhaupt erst digitale Mobilitätskonzepte, die auf autonomen Fahrzeugen aufsetzen.

Diese wenigen Schlaglichter zeigen bereits, dass Digitalisierung und eine Breitbandinfrastruktur zu den Gegenmaßnahmen gehören, die das Veröden und Überaltern ganzer Landstriche in der Provinz verhindern können. Kurz: Breitbandnetze gehören zur Basisinfrastruktur des 21. Jahrhunderts. Mit dem ewigen vorletzten Platz im FTTH-Ranking ist das aber nicht zu schaffen.

Bildquelle: Thinkstock

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