Sound Beacons: Big Brother 4.0

Der Fernseher wird zum Adware-Spion

Anhand von Ultraschall-Signaturen kann eine App feststellen, welche TV-Werbung gerade geschaut wird - ein Traum für Vermarkter, ein Albtraum für den Zuschauer.

„Ich glotz TV und das Ding glotzt zurück“ - so könnte Nina Hagen heute singen. Denn moderne Smart-TV-Geräte beobachten, was wir uns ansehen. Das Thema sorgt für Aufsehen, trotz aller Reichweitenverluste ist Fernsehen immer noch ein wichtiges Massen- und Alltagsmedium.

Anfang des Jahres ging eine kleine Empörungswelle über Samsung hinweg. Im Lizenzvertrag zu einem Smart-TV fand sich ein Passus, der eine erschreckende Interpretation nahelegte: Das Gerät zeichnet alle Gespräche im Wohnzimmer auf, sendet sie an Samsung und wertet sie aus, um personalisierte Werbung zu zeigen.

Ganz so schlimm war es dann doch nicht, Samsung beeilte sich mit einer Erläuterung: Es werden lediglich Sprachdaten für die Websuche übertragen, die Sprachbefehle arbeiten auch ohne Internetverbindung. Ob das die Anwender zufriedengestellt hat?

Denn Smart-TV sind vor allen Dingen beim Tracking der Anwender schlau. Über die Internetverbindung des Geräts werden ähnlich viele und detaillierte Daten wie bei Websites übertragen - für die vielzitierte Individualwerbung, aber sicher auch für andere Zwecke.

Smart-TVs sind nicht unbedingt ein Renner, das Problem ist also überschaubar. Doch das hat der Werbebranche keine Ruhe gelassen: Jetzt gibt es auch Tracking für beliebige TV-Sendungen, etwa für Werbevideos.

Verschiedene Unternehmen setzen in TV-Werbung so genannte „Sound Beacons“ ein. Das sind für Menschen unhörbare Ultraschalltöne, die zusätzlich zum normalen Ton ausgesendet werden. Diese Töne können aber von Smartphones erfasst werden.

Produktempfehlungen aus der TV-Werbung

Dadurch kann beispielsweise Werbung einem Nutzerprofil zugeordnet werden. Das läuft grundsätzlich so ab: Eine App auf dem Smartphone filtert die Sound Beacons aus dem Video heraus und generiert online ein Nutzerprofil. Es enthält relativ genaue Angaben darüber, wann ein bestimmtes Werbevideo gesehen wurde.

Der Witz dabei: Das Tracking der TV-Werbung kann mit Angaben aus dem Web- und dem App-Tracking kombiniert werden. Damit wäre es zum Beispiel möglich, jemandem in einem Online-Shop verstärkt Produkte zu empfehlen, deren TV-Werbung er gesehen hat.

Damit das Smartphone die Ultraschall-Soundsignatur verarbeiten kann, muss aber die entsprechende Technologie vorhanden sein. Der übliche Weg dazu: Einbau in verschiedene Apps anderer Hersteller, ähnlich wie Webtracking-Technologie in Websites integriert werden muss.

Die US-Datenschutzorganisation Center for Democracy and Technology (CDT) warnt vor dem Ultraschall-Tracking durch Adobe, Drawbridge, Flurry und vor allem Silverpush. Letzteres Unternehmen habe seine unhörbare Tracking-Technologie in 67 Apps verbaut und könne so 18 Millionen Smartphones überwachen.
Das System ist nach Angaben des Herstellers im Moment nur in Indien aktiv. Nach Untersuchungen des Anti-Malware-Herstellers Avira wird es aber zum Beispiel in der App von MacDonalds auf den Philippinen eingesetzt.

Auch in vielen Apps aus alternativen Appstores hat Avira Silverpush entdeckt. Der Security-Hersteller hat aus einen Entdeckungen die Konsequenzen gezogen: Er sortiert den Silverpush-Tracker unter „Adware / Unerlaubte Werbung“ ein, die Nutzer seiner Tools werden vor den entsprechenden Apps gewarnt.

 Bildquelle: Thinkstock / Photodisc

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