Seit 2014 leitet Amit Chatterjee als Manager Pre-Sales Solutions das neu geschaffene Pre-Sales Team von Samsung in Deutschland.
MOB: Herr Chatterjee, warum ist die digitale Bildung bzw. die Digitalisierung an Schulen in Deutschland so wichtig?
Chatterjee: Digitale Bildung umfasst weit mehr als Wlan, Tablets und interaktive Tafeln. Es geht um moderne Lernformen, überarbeitete Lehrkonzepte und neue Inhalte. Denn der Frontalunterricht hat ausgedient, ins Zentrum rückt das kollaborative, interaktive Lernen. Darüber erhalten die Fachkräfte von morgen Fähigkeiten, die keine Maschine, keine Künstliche Intelligenz (KI) ersetzen kann: kritisches Denken, Kreativität, Teamarbeit und Entscheidungskompetenz. Gleichzeitig brauchen Schüler Kompetenzen im Umgang mit den digitalen Werkzeugen, denn allein 3D-Drucker und KI verändern schon jetzt wirtschaftliche Strukturen. Moderne, interaktive Technologien sind daher unabdingbar für einen zeitgemäßen Unterricht und zur Vorbereitung auf die Arbeitswelt von morgen. Damit die Geräte allerdings eine echte Bereicherung in der Schulstunde sind, müssen sie vielseitig anwendbar, kompatibel und intuitiv bedienbar sein.
MOB: Vor welchen Herausforderungen stehen Bildungseinrichtungen, um den Unterricht digital möglich zu machen?
Chatterjee: Die Corona-Pandemie hat schlagartig die Digitalisierungslücken in unserem Bildungssystem offenbart. Die damalige Bundesregierung hat entsprechend reagiert und im Rahmen des Digitalpakts 6,5 Mrd. Euro zur Digitalisierung der Schulen zur Verfügung gestellt. Hinzu kommen Mittel der Länder. Mittlerweile haben tatsächlich viele Schulen interaktive Tafeln und Klassensätze an Tablets. Und das ist erst der Anfang: 3,9 Mrd. Euro aus dem Digitalpakt sind bereits für konkrete Digitalisierungsprojekte bewilligt und gebunden. Allerdings ist das Geld aus verschiedenen Gründen noch nicht abgeflossen. Der Digitalisierungs-Boost kommt also erst noch.
Doch trotz dieser positiven Nachrichten bleiben zwei große Herausforderungen bestehen: Zum einen ist die Digitalisierung ein kontinuierlicher Prozess. Schulen müssen in die Lage versetzt werden, mit der technologischen Entwicklung Schritt zu halten. Wir schließen uns daher der Forderung von Bitkom-Präsident Achim Berg nach Planungssicherheit für Bildungseinrichtungen an. Es braucht dringend eine Nachfolgefinanzierung des Digitalpakts, der im Mai 2024 ausläuft. Dieser Digitalpakt 2.0 muss neben einer soliden finanziellen Basis bundesweit einheitliche Standards und ein vereinfachtes Antragsverfahren beinhalten. Zum anderen besteht großer Handlungsbedarf bei der Anpassung von Bildungsinhalten, in der Entwicklung passender Lernmaterialien und bei der Aus- und Fortbildung von Lehrkräften. Das zeigt nicht zuletzt eine Studie der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission der Kultusminister. Lehrkräfte müssen wissen, wie sie die digitalen Instrumente „ohne Corona“ sinnvoll in den Unterricht integrieren. Samsung hat diesen Bedarf frühzeitig erkannt, weswegen wir nicht nur innovative Technologien für Schulen bereitstellen, sondern mit unabhängigen Partnern ein umfassendes Gesamtpaket zur Digitalisierung des Unterrichts ins Leben gerufen haben.
MOB: Digitaler Unterricht benötigt auch das richtige Equipment. Welche Hardware ist dazu erforderlich?
Chatterjee: Um den sich ändernden Bedürfnissen der Pädagogen gerecht zu werden, sollte die im Klassenzimmer eingesetzte Technologie anpassungsfähig, funktionsreich und über Geräte-Ökosysteme und Betriebssysteme (OS) hinweg vernetzt sein. Samsung erweitert stetig sein Portfolio, seine Dienstleistungen und seinen Support für den Bildungsbereich, um Lehrer beim erfolgreichen Technologieeinsatz zu unterstützen. Unsere Bildungstechnologie wurde entwickelt, um Pädagogen die Werkzeuge an die Hand zu geben, die sie benötigen, um Schüler in einem digitalen und zeitgemäßen Lernkonzept einzubinden und die Lernerfahrung zu bereichern. Auf der Learntec haben wir erstmalig einem deutschen Publikum unsere neuen interaktiven Displays speziell für den Bildungsbereich vorgestellt: die WAC-Serie, die ab Juli 2023 auf dem deutschen Markt zur Verfügung stehen wird. Die Displays zeichnen sich durch eine besonders intuitive Bedienbarkeit und einfache Anpassungsmöglichkeiten auf die individuellen Bedürfnisse von Lehrkräften aus.
MOB: Welche Vorteile bieten digitale Unterrichtsmethoden? Welche Stolpersteine sollten Lehrkräfte im Blick behalten?
Chatterjee: Durch den Einsatz digitaler Medien können alle Schüler mit verschiedenen Lernständen abgeholt werden und dem Unterricht leichter folgen. Lehrinhalte können individuell auf die Bedürfnisse von Schülern angepasst vermittelt werden. Digitale Tafeln bieten die Möglichkeit, kollaborative und interaktive Lernkonzepte umzusetzen und den Unterricht vielfältig zu gestalten. Das setzt aber ausreichende IT-Kenntnisse der Lehrkräfte voraus, damit die Möglichkeiten der digitalen Tools auch bereichernd eingesetzt werden können. Entsprechende Schulungen sind daher ein wichtiger Faktor für den Erfolg der Digitalisierung von Schulen.
Darüber hinaus bringen mobile Endgeräte die Möglichkeit mit sich, flexibel zu Lernen und zu Lehren. In Zeiten von Home Schooling wurde das besonders deutlich: von heute auf morgen arbeiteten und lernten alle Beteiligten in ihren eigenen vier Wänden. Mithilfe mobiler Endgeräte konnte während des Distanzunterrichts weiterhin auf Inhalte zugegriffen werden – möglich war das aufgrund der räumlich und zeitlich unabhängigen Strukturen. Hierfür gilt es aber, Chancengleichheit zu schaffen. Genügend Endgeräte für alle Schüler müssen zur Verfügung stehen. Nicht jede Familie kann sich leisten, privat allen Kindern entsprechendes Equipment zu stellen. Das kann zu Benachteiligung durch mangelnde Teilhabe führen. Insgesamt ist die Voraussetzung für den Einsatz aller digitalen Tools für Lehreinrichtungen aber auch ein funktionierendes, schnelles Breitbandinternet in Deutschland sowie Konzepte zum Einhalten von Datenschutz und IT-Sicherheit.
Bildquelle: Samsung Electronics