Ad-War im Internet

Der Kampf um die Werbeplätze geht weiter

Bei Online-Werbung ist Aufrüsten angesagt: Es gibt Adblocker, Anti-Adblocker und Tools, die letztere aushebeln.

Das Internet ist Krieg und die Front geht mitten durch jeden Browser: Werbeblocker oder nicht? Viele Websites ermahnen Nutzer solcher Software, die Werbeunterdrückung zu beenden. Manche zeigen ihnen nur eine Landingpage, aber nicht den Inhalt. Also machen viele Nutzer den Werbeblocker versuchsweise aus und genießen den ungewohnten Anblick glitzernder, blinkender und zappelnder Reklame.

Leider ist Werbung im Internet oft bunt, laut und nervig. Der Belästigungseffekt von Werbeeinblendungen führt dazu, dass die Nutzerzahlen der Adblocking-Tools immer noch steigen, wie eine Studie des Anti-Addblocker-Spezialisten PageFair ermittelt hat. So soll die Anzahl der Adblock-Nutzer weltweit um etwa 30 Prozent gewachsen sein.

Am Rande bemerkt: Laut Bundesverband Digitale Wirtschaft sinkt in Deutschland die Adblocker-Nutzung. Dies mag allerdings auch damit zusammenhängen, dass hierzulande Desktopcomputer nach wie vor sehr häufig genutzt werden und (hoffentlich) genügend Websites dazu übergegangen sind, minimalinvasive Werbung zu präsentieren.

Doch vor allem im asiatischen Raum ist der Anteil der mobilen Nutzer sehr hoch ist und von ihnen setzen laut PageFair die meisten Werbeblocker ein. Die Unsitte, das Minidisplay des Smartphones vollständig mit einem Banner zu bedecken, kommt wohl nicht so gut an.

Hoher Nervfaktor

Auch wenn es weder Online-Werbern noch Site-Betreibern mit Werbung als Geschäftsmodell gefällt: Der schlechte Ruf der digitalen Reklame ist leider berechtigt. Das liegt nicht nur am zu oft zu hohen Nervfaktor. Schädliche Werbebanner sind ein weit verbreitetes Mittel, um Cyberangriffe durchzuführen.

„Diese werden von unbekannten Dritten bereitgestellt oder von Agenturen vermarktet und werden häufig ohne Überprüfung oder Qualitätskontrolle in eine Webseite eingebunden“, kritisiert das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSE). Das Problem laut BSI: „Auf diese Weise werden auch populäre und ansonsten gut abgesicherte Webseiten Ausgangspunkt von Cyberangriffen.“

Kurz: Werbeblocker sind leider notwendig, als Form von Notwehr. Das haben auch Browserhersteller wie Google erkannt. Das US-Unternehmen plant, Chrome bald mit einem eigenen, technisch optimal integrierten Adblocker auszustatten. Dadurch könnte dann zumindest bei Chrome-Anwendern die Blockrate auf beinahe 100 Prozent hochschnellen - keine guten Aussichten für werbebasierte Websites.

Einige bemühen sich inzwischen, die Fronten zu glätten und betonen, lediglich unaufdringliche Werbung zu nutzen. Ein weiteres Modell, das allerdings nur in Grenzen erfolgreich ist, ist die Premium-Lösung. Dabei bekommen zahlende Nutzer eine werbefreie Version der Website angezeigt. Wieder andere setzen auf Aufklärung und erläutern ihr Geschäftsmodell: Ohne Werbung keine Einnahmen und damit keine Inhalte. Deshalb sind einige Anwender dazu übergegangen, auf seriösen Websites mit unaufdringlicher Werbung die Adblocker auszuschalten.

Anti-Adblocker und Anti-Adblocker-Gegenwehr

Doch das reicht leider vielen Werbern nicht, es gibt inzwischen zahlreiche Möglichkeiten, das Adblocking zu umgehen. Unternehmen wie AdDefend bieten ihren Kunden den „direkten Zugriff auf verschwundene Zielgruppen“ - Banner, die trotz Adblocker angezeigt werden. Das Unternehmen gibt an, damit etwa 90 Prozent der Nutzer von Werbeblocker-Software hier in Deutschland erreichen zu können.

Das ruft natürlich sofort Entwickler von noch geschickteren Werbeblockern auf den Plan, die sämtliche Tricks der Anti-Adblocker aushebeln. Arvind Narayanan vom „Center for Information Technology Policy“ an der Princeton University hat eine neue Adblocking-Technologie entwickelt, die sich nicht mehr so leicht aushebeln lässt. Dabei wird nicht der Quellcode der Seite analysiert, sondern das gerenderte Ergebnis untersucht und auf Anzeichen von Werbung ausgewertet. Es soll es sogar möglich sein, den Werbeservern vorzugaukeln, dass sämtliche Anzeigen wie erwartet angezeigt worden sind.

Solche Überlegungen klingen zunächst, als könnten die Anwender den Werbekrieg gewinnen. Doch mit hoher Sicherheit wird es eine Gegenreaktion geben. Er sehr wahrscheinlich, dass auch ein Addblocker der zweiten Generation ausgeschaltet werden kann.

Bildquelle: Thinkstock

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