Crowdfunding

Der Kunde wird zum Finanzierer

Crowdfunding entwickelt sich zum ernstzunehmenden Finanzierungswerkzeug. Größter Vorteil: Auch geringe Summen sind möglich.

Crowdfunding: Auch Kleinbeträge sind möglich

Das Einsammeln von vielen kleinen Beträgen zur Finanzierung eines bestimmten Produkts heißt “Crowdfunding”. Idealerweise beteiligen sich die am Produkt interessierten, potentiellen Kunden. Auf zahlreichen Crowdfunding-Plattformen finden Vorschläge für pfiffige und oft verblüffend intelligente Produkte.

Ein bekanntes und vielversprechendes internationales Crowdfunding-Projekt ist Ubuntu Edge von Canonical, dem Anbieter der Linux-Distribution Ubuntu. Ubuntu Edge ist ein Smartphone, das sowohl mit Ubuntu als auch mit Android arbeitet. Zusätzlich gibt es eine Dockingstation, die das Highend-Gerät zu einem vollwertigen PC-Ersatz macht.

Das Funding läuft noch bis zum 21. August und soll insgesamt 32 Millionen Dollar bringen. Jeder Funder mit einem Mindestbetrag wird zum Vorbesteller und erhält wenigstens eines der gefertigten Geräte. Auch Unternehmen können mitmachen und für 80.000 Dollar einen Hunderterpack bestellen.

Das Projekt scheint anzukommen: Nach drei Tagen sind bereits über fünf Millionen Dollar zusammengekommen. Wie bei Crowdfunding üblich, gibt es eine Geld-zurück-Garantie: Wenn die Funding-Summe bis zum Endtermin nicht zusammenkommt, ist das Projekt gestorben und das Geld geht zurück an die Investoren.

Als Liefertermin gibt Canonical den Mai 2014 an. Das Projekt zeigt deutlich den größten Vorteil von Crowdfunding: Ein Unternehmen kann im Unterschied zu herkömmlicher Marktforschung relativ präzise feststellen, ob es Käufer gibt. Wenn das Produkt nicht von den Interessenten angenommen wird, gerät das Unternehmen nicht in wirtschaftliche Schwierigkeiten.

Dies gibt Herstellern von Hardware und Software, aber auch Produzenten von Musik oder Filmen eine Möglichkeit, das Risiko des schwer einzuschätzenden Erfolgs von ungewöhnlichen Projekten etwas zu verringern. Ein damit verwandter Vorteil: Kleine oder junge Unternehmen oder sogar Einzelunternehmer können ohne großes Eigenkapital in die Produktion von “geringwertigen Wirtschaftsgütern” einsteigen.

Die Schwierigkeit bei der Finanzierung liegen oft darin, dass Investoren oder Banken erst bei relativ großen Summen anspringen. Ein Funding-Projekt für 10.000 Dollar fällt da gewöhnlich durch das Raster - auch ein so sinnvolles wie BlockPRISM.org. Das ist ein Browser-Plugin, das den Facebook-Chat verschlüsselt.

Es gibt davon bereits eine Beta-Version für Chrome, mit dem Crowdfunding sollen die Weiterentwicklung sowie der Port auf andere Systeme (Firefox, Opera, Android, iOS) finanziert werden. Entwickelt wurde das Plugin von Stefan George, Felix Leupold und Thomas Klingbeil, drei Informatikstudenten am Hasso-Plattner-Institut in Potsdam.

BlockPRISM ist ein Graswurzelprojekt, das aus dem spezifischen Benutzerprofil junger Leute heraus kommt. Eigentlich will niemand vor den Augen von Big Brother chatten, doch es fehlen geeignete Tools. Die Lösung aus Potsdam liefert eines, das auch von unkundigen Nutzern ohne große Probleme eingesetzt werden kann.

Da ein solches Crypto-Modul schon in so kurzer Zeit von der Idee zum “Proof of concept” vorangetrieben werden konnte, zeigt deutlich die Dynamik der Digitalwirtschaft. Crowfunding kann dabei ähnlich schnell sein. Während der Venture Capitalist noch am Due-Diligence-Report sitzt, haben die die späteren Kunden schon längst finanziert.

Dadurch bekommen auch ungewöhnliche Ideen eine Chance, zum Beispiel die Idee zu einer App, die einem Auszeit von Telefon, SMS, Mail und Facebook & Co. gibt. Das Smartphone schweigt, die App sendet auf allen Kanälen “Bitte nicht stören”. Kuriose Idee für eine App? Vielleicht, aber “(Offtime)” hat die Mindestfinanzierung auf Startnext schon erreicht.

Die Abschalthilfe des Berliner Startups blockiert soziale Netzwerke, E-Mails, SMS oder Telefon für eine festgelegte Zeit. Dabei werden alle Geräte des Nutzers unterstützt und via Cloud mit einheitlichen Abschaltzeiten synchronisiert. Eine Whitelist lässt wichtige Personen trotzdem durch und ein Kalender erlaubt die langfristige Planung. Was noch fehlt: Eine Selbstdisziplin-App, die das Schwachwerden abschaltet.

Bildquelle: Rainer Sturm  / pixelio.de

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