Provider, Netzausbau und Frequenzen

Der Mobilfunkmarkt in Österreich

Österreich gilt vielen Deutschen als Eldorado des Mobilfunks mit niedrigen Tarifen und billigen Smartphones. Doch die goldenen Zeiten sind leider vorbei.

Netzbetreiber geraten durch MVNO (Mobile Virtual Network Operator), Internettelefonie und kostenlose Messaging-Dienste unter Druck.

In Österreich ist man sich der neidvollen Blicke, die man in Deutschland gerne nach Süden wirft, wenn es um Handytarife geht, nicht immer bewusst. „Ihr Ösis zahlt ja nur Bruchteile dessen, was wir pro Monat so für einen Smartphone-Vertrag löhnen müssen”, hört man immer wieder von deutschen Kollegen. Doch das Image Österreichs als Schlaraffenland der Mobiltelefonie stammt aus einer vergangenen Zeit. Die kleine Alpenrepublik galt Anfang der 2000er als wichtiges Testland für Handynetzbetreiber, weswegen zeitweise bis zu fünf Mobilfunkanbieter um eine Bevölkerung von gerade einmal acht Millionen Menschen buhlten. Das hatte bald zur Folge, dass diese sich mit Billigtarifen und Null-Euro-Handys gegenseitig unterboten, die 3G-Netze rasch ausbauten und immer wieder neue Technologien wie etwa DVB-H für mobiles TV ausprobierten. Im Jahr 2006 war es dann so weit – es gab von nun an mehr SIM-Karten als Einwohner in Österreich.

Doch Österreich hat seine Rolle als führende Mobilfunknation in den letzten Jahren eingebüßt. War die Alpenrepublik 2004 das einzige Land in Europa, wo alle (damals fünf) Handybetreiber den schnellen Funkstandard UMTS aktiv einsetzten, ist das Land heute, wenn es etwa um den Datenturbo LTE geht, nur mehr einer von vielen Märkten, die die neue Technologie vorantreiben. Andere Länder und ihre Anbieter haben in der mobilen Revolution einfach aufgeholt, und parallel konsolidierte sich der Markt in Österreich. T-Mobile Austria und der Billig-Mobilfunker Tele.ring fusionierten 2006, 2012 kaufte der kleinste Handybetreiber Drei die etwas größere Orange – und schon sind es nur mehr drei Firmen, die um den Markt kämpfen.

Steigende Preise

Seither jammern Konsumenten und ihre Konsumentenschützer – zu recht – über stetig steigende Preise bei den Tarifen. Laut Arbeiterkammer sind allein im Jahr 2014 Handytarife um bis zu 78 Prozent gestiegen. Die Netzbetreiber argumentieren die Teuerungen mit gestiegenen Kosten für Frequenzen, Service und Netzausbau. Zwar sind die Preise in Österreich im Europavergleich noch relativ günstig, doch ein Schlaraffenland ist es keines mehr. Die Wettbewerbshüter, also die Regulierungsbehörde RTR, hat das mittlerweile eingesehen und untersucht die Teuerungswelle.

In welche Richtung sich der Mobilfunkmarkt fortan entwickeln wird, ist spannend. Zum einen drängen neue virtuelle Mobilfunkanbieter (Mobile Virtual Network Operator, kurz MVNO wie etwa Hot oder Spusu auf den Markt. Diese mieten sich in die Netze der drei „echten“ Netzbetreiber ein und fahren mit günstigen Preisen in den Markt. Bei Hot die Mobilfunkmarke der Supermarktkette Hofer (eine Aldi-Tochter), bekommt man 1.000 Telefonieminuten bzw. SMS und drei Gigabyte Daten für 9,90 Euro pro Monat. Das lässt Marktbeobachter hoffen, dass die billigen MVNOs der Preisteuerung Einhalt gebieten und den Wettbewerb wieder anfachen. Erste Anzeichen gibt es: Österreichs größter Netzbetreiber, die Telekom Austria mit ihrer Handymarke A1, musste bereits Federn lassen und verlor 2014 etwa fünf Prozent der Kunden, wohl in Richtung günstigerer Angebote. Allerdings: Mit Ende 2015 werden die Roaming-Gebühren abgeschafft, was den Mobilfunker in beliebten Touristendestination Österreich (Die Berge! Die Seen! Die Musik!) eine wichtige Einnahmequelle wegnimmt und sie darüber nachdenken lassen wird, wie man die Einbußen anderswo wettmachen kann.

Zusätzlich unter Druck geraten die Mobilfunker durch so genannte Over-the-Top-Dienste wie Facebook oder Whatsapp. Diese bieten kostenloses Messaging oder Internettelefonie an, ohne selbst Netze zu betreiben, und untergraben damit die Geschäftsmodelle der Handybetreiber, die lange Jahre gut von Telefonieminuten und SMS lebten. Die Mobilfunker suchen nun nach immer neuen Produkten, mit denen sie den Kunden zusätzlich zum Tarif Geld abschwatzen können. Kostenpflichtige Services und Apps scheinen erfolgversprechend: Drei etwa bietet eigene Tarifpakete für Mobile TV oder den Musikdienst Spotify an, T-Mobile Austria verkauft Anti-Viren-Software für Smartphones und Musik-Streaming von Deezer, Marktführer A1 bietet gar Kreditkarten an. Dass da immer neue Services dazukommen werden, ist nur eine Frage der Zeit. Denn eines wollen die Mobilfunker sicher nicht: Zur reinen Bit-Pipe für jene großen US-Konzerne verkommen, die Milliardengewinne mit mobiler Werbung und Nutzergebühren absahnen.


Bildquelle: Thinkstock/ Getty Images

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