Automotive: Bosch Navigation

Der Weg ist das Ziel

Im Interview erklärt Dr. Dietmar Meister, Head of Product Division Smartphone & Cloud Solutions bei Bosch Softtec, warum mobile Endgeräte zunehmend zum Autofahren dazugehören und welche Navigationsidee das Unternehmen vertritt.

"Die außerhalb des Autos etablierte Nutzung von Apps wird zusehends auch im Auto gewünscht", sagt Dietmar Meister, Head of Product Division Smartphone & Cloud Solutions bei Bosch Softec.

Herr Dr. Meister, Bosch Softtec hat sich auf automobile Software, Connected Services und Smartphone-Lösungen spezialisiert. Was sind derzeit die heiß diskutiertesten mobilen Themen in Ihrem Unternehmen und in der Automotive-Branche allgemein?
Dr. Dietmar Meister:
Die Verbindung von Consumer Electronics (CE) und Automotive-Produkten gehört zu den aktuell spannenden Themen. In der Vergangenheit gab es nur wenige Schnittpunkte zwischen diesen beiden Domänen. Inzwischen sehen wir im Markt deutliche Veränderungen. Zum einen erwarten die Konsumenten, dass die von CE-Produkten bekannten Funktionen auch im Auto verfügbar sind – zum anderen entsteht durch den Einsatz von CE-Technologien im Auto auch die Möglichkeit, die Erwartungen der Kunden zu erfüllen.

Welche Herausforderungen ergeben sich für die Automobilindustrie aus dem bald flächendeckenden Vorhandensein von Smartphones und Tablets?
Meister:
Smartphones und Tablets haben die Lebensgewohnheiten von vielen Kunden verändert. Das Smartphone ist für einen großen Teil der Kunden ein täglicher Begleiter und universeller Assistent für viele Lebensbereiche geworden. Auch im Auto werden Mobiltelefone immer häufiger genutzt – heute vor allem zum Telefonieren. Viele Kunden erwarten allerdings mehr: Die außerhalb des Autos etablierte Nutzung von Apps wird zusehends auch im Auto gewünscht. Die Herausforderung für die Automobilindustrie liegt darin, diesen Kundenwunsch aufzugreifen und gleichzeitig die Sicherheit beim Fahren zu gewährleisten.
 
Wie begegnet Ihr Unternehmen diesen Herausforderungen?
Meister:
Bosch Softtec hat das Eco-System „mySPIN“ entwickelt, das die Nutzung von Smartphone-Apps im Auto ermöglicht. Damit kann der Kunde seine Smartphone-Apps im Infotainment-Display seines Autos anzeigen lassen und per Touchscreen bedienen. Wir spiegeln also die Apps ins Auto. Um die Ablenkung während der Fahrt zu reduzieren, haben wir hierfür eine vereinfachte und auf die Umgebung optimierte Bedienoberfläche entwickelt.

Darin eingeschlossen sind mit Sicherheit auch Apps für die „mobile Navigation“. Inwiefern verändert das Smartphone dabei den Anspruch der Nutzer an Navigation?
Meister:
Navigation ist heute mehr als nur die Zielführung beim Fahren. Navigation beginnt an dem Ort, an dem ich mich für ein Ziel entscheide, und endet dann, wenn ich mein Ziel erreicht habe. Die Fahrt mit dem Auto ist dabei ein wichtiger Bestandteil, aber die Bedeutung der Navigation außerhalb des Autos steigt. Für den Nutzer ist dabei der nahtlose Übergang zwischen verschiedenen Navigationsmodi wichtig. Ein Ziel, das in einer mobilen Navigation schon eingegeben wurde, soll von der Navigation im Auto übernommen werden.

Durch die mobilen Geräte und die Verfügbarkeit von mobilen Daten nehmen alternative Zieleingaben an Bedeutung zu. Ziele werden immer häufiger durch eine Onlinesuche, ein anstehendes Event oder eine Nachricht von einem Freund definiert.

Ihr Unternehmen verfolgt den Gedanken einer „verkehrsmittelübergreifenden Navigation“? Was steckt hinter dem Begriff?
Meister:
Für den Nutzer ist es wichtig, einfach und schnell vom „Hier“ zum Ziel zu kommen. Dabei nutzt er verschiedene Verkehrsmittel. Ein Stück Fußweg ist immer dabei, oft eine Autofahrt, manchmal in Kombination mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Die verkehrsmittelübergreifende Navigation soll dabei abhängig von den aktuellen Rahmenbedingungen den besten Weg vorschlagen und den Nutzer in allen beteiligten Verkehrsmitteln unterstützen. Bei starkem Verkehrsaufkommen wird dann beispielsweise eine Fahrt in die Innenstadt zunächst bis zum Park-and-Ride-Parkplatz führen, um von dort zur passenden S-Bahn zu weisen.

Worin unterscheidet sich dieser Ansatz gegenüber mobilen Navigationsgeräten?
Meister:
Eine Navigation von „Tür zu Tür“ ist schon jetzt allein mit mobilen Geräten möglich. Die verschiedenen Verkehrsmittel haben aber mit ihren spezialisierten Navigationsanwendungen noch mehr zu bieten. Eine im Auto integrierte Navigation kann beispielsweise Fahrassistenzsysteme verbessern und neue Funktionen bieten, weil sie die vorausliegende Strecke kennt. Das Ziel ist also nicht etwa die universelle Navigation auf dem Smartphone, sondern der einfache und nahtlose Übergang von der einen Navigation auf die nächste.

Welche neuen Geschäftsfelder sehen Sie in Bezug auf die Einbindung bzw. Verknüpfung von mobilen Endgeräten mit Fahrzeugen?
Meister:
Smartphones und Auto-Infotainment kommunizieren immer stärker miteinander. Die Aufgabe an uns lautet daher: Wir müssen die Integration einfach und intuitiv gestalten und gleichzeitig die Fahrsicherheit im Auge behalten. Zusätzlich zu den etablierten Apps werden neue Apps entstehen, die die speziellen Rahmenbedingungen im Auto nutzen.

Für einige Funktionen wie etwa die Navigation wird der Kundennutzen über Companion-Apps gesteigert. Diese Apps decken die mobile Nutzung außerhalb des Fahrzeugs ab und ergänzen die Funktionen im Auto.

Könnten Sie ein Zukunftsszenario entwerfen? Wie wird Mobilität etwa im Jahr 2020 aussehen?
Meister:
Das Auto als persönliches Eigentum und Fahrzeug von Tür zu Tür wird an Bedeutung verlieren. Hingegen gewinnen Car- oder Ridesharing sowie die multimodale Navigation mit öffentlichen Verkehrsmitteln an Bedeutung. Für die Zeit in den Verkehrsmitteln werden neue Technologien zur Verfügung stehen, die zum einen den Komfort und zum anderen die sinnvolle Nutzung dieser Zeit verbessern. So kommt das persönliche Briefing für den Tag vom virtuellen Assistenten im Auto, während der virtuelle Chauffeur die Fahrt vereinfacht.

©2020Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok