Sprachassistenten-Studie

Deutsche Sprache, schwere Sprache?

Experten der Sprachlern-App Babbel haben nun herausgefunden, dass Sprachassistenten wie Siri oder Alexa Schwierigkeiten damit haben, den deutschen Akzent zu verstehen.

Goethe-Schiller-Denkmal Weimar

Fraglich, ob Goethe und Schller ihre Freude an modernen Sprachassistenten gehabt hätten – immerhin haben Alexa & Co. mit dem deutschen Akzent zu kämpfen.

Sprachassistenten werden immer beliebter – ob als Helfer auf dem Smartphone, als Gerät im häuslichen Gebrauch oder als Hands-Free-Unterstützung im Auto. Bei weltweit mehr als 6.000 gesprochenen Sprachen sind jedoch Missverständnisse vorprogrammiert. Die Experten der Sprachlern-App Babbel haben im Rahmen einer großangelegten Studie diese Problematik genau untersucht. 

Der Einzug der Sprachsteuerung in unseren Alltag ist nicht mehr aufzuhalten. Was bereits in den frühen 1990er-Jahren mit Apples Casper anfing und lange Zeit von Experten belächelt wurde, ist mittlerweile in jeder Hosentasche zu finden. Die Möglichkeiten und die Verbreitung dieser Technologie sind so groß, dass bereits erste Handelsketten Applikationen für Voice Commerce anbieten, welches langfristig die Beratung im Einzelhandel ersetzen soll.

Eine große Hürde stellt dabei jedoch noch immer die schiere Anzahl global gesprochener Sprachen dar. Amazons Alexa etwa erkennt lediglich Englisch, Französisch, Deutsch, Japanisch, Portugiesisch und Spanisch. Google Home versteht immerhin 13 unterschiedliche Sprachen. Bei über 6.000 verwendeten Sprachen bedeutet das, dass ein beträchtlicher Teil der Nutzer von Sprachassistenten auf eine Transmittersprache, wie etwa Englisch, zurückgreifen muss.

Akzente stellen noch immer eine Herausforderung dar

Parallel dazu weisen die meisten Sprachassistenten auch eine deutliche Schwäche darin auf, fremdsprachliche Akzente ihrer Nutzer zu erkennen – selbst dann, wenn diese aus Ländern stammen, deren Sprache eigentlich unterstützt wird. In der Studie von Babbel stimmen 47 Prozent der Befragten aus Deutschland zu, dass Sprachassistenten wie Siri oder Alexa häufig Schwierigkeiten damit haben, den deutschen Akzent zu verstehen, wenn in einer Fremdsprache gesprochen wird. Knapp jeder vierte Deutsche (23 Prozent) gibt an, damit bereits direkt oder indirekt Erfahrungen gemacht zu haben.

Dieses Problem betrifft nicht nur den deutschsprachigen Raum – so stimmen etwa Befragte aus Polen der Eingangsfrage zu 49 Prozent, Menschen aus Großbritannien sogar in 50 Prozent der Fälle zu. Die Erfahrungswerte unterscheiden sich dabei nur geringfügig zwischen Europäern und Amerikanern – in den USA bestätigen 44 Prozent ebenfalls die Problematik.

Sprachassistenten sind auf menschliche Mithilfe angewiesen

Simon Boé, Geschäftsführer der Berliner Marketing-Agentur Onehundred.digital, die Vorreiter im Bereich Voice Marketing und Voice SEO tätig ist, sagt, bis weitere Sprachen von den großen Anbietern bereitgestellt werden, wird es nicht mehr lange dauern: „Das Geschäft mit Sprachassistenten ist hart umkämpft. Wer zuerst eine Sprache anbietet, kann sich auf dem jeweiligen Markt als Erster etablieren. Somit werden wir in den nächsten Jahren eine stete Zunahme unterstützter Sprachen beobachten können."

Die Schwierigkeiten bei der Erkennung von Akzenten dagegen, werden sich früher oder später selbst beheben: „Glücklicherweise ist es nur eine Frage der Zeit, bis derartige Probleme mit Sprachassistenten verschwinden werden. Je mehr und je länger wir als Gesellschaft mit unseren Sprachassistenten agieren, auch unter Verwendung von Dialekten und Akzenten, desto besser werden die Algorithmen."

Bildquelle: Getty Images/iStock/Getty Images Plus

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