KI-Wettlauf der Nationen

Deutschland will als letzter an die Spitze

Endlich kommt die deutsche KI-Strategie, nachdem fast zwei Dutzend Staaten vorausgeprescht sind. Das Ziel: Weltmeister werden.

Wird Deutschland wenigstens KI-Weltmeister

Wird Deutschland wenigstens KI-Weltmeister?

Der weltweit führende Standort für Künstliche Intelligenz, das ist bestimmt nicht Deutschland, sondern die USA. Dafür spricht einiges, denn so sind etwa 40 Prozent aller KI-Startups in den USA angesiedelt und zumindest die spektakulären KI-Anwendungen kommen ebenfalls aus den USA. Das wurmt natürlich viele und so haben in den letzten Monaten fast zwei Dutzend Länder oder Regionen Strategien zur Förderung der KI aufgelegt, unter anderem China, Frankreich, Großbritannien, Indien, Japan, Singapur, Südkorea, die USA und die EU.

Wer sich für einen Überblick über die einzelnen Strategien und Pläne interessiert, sollte den Medium-Artikel des KI-Analysten Tim Dutton konsultieren. Er hat sich dankenswerterweise die Arbeit gemacht, die Eckpunkte der einzelnen Strategien zusammenzutragen und dabei auch auf die Originaldokumente zu verlinken. Eine eher etwas trockene, aber trotzdem recht interessante Lektüre. Auffällig ist in erster Linie die Tatsache, dass es überhaupt so viele KI-Strategien gibt. Ganz offensichtlich handelt es sich hier um ein Thema, bei dem niemand den Anschluss verlieren möchte.

Der weltweit führende Standort für Künstliche Intelligenz, das möchte Deutschland jetzt auch werden, aber ähnlich wie bei der Digitalisierung eher als Nachzügler. Zwar gilt Deutschland dank der guten Universitäts- und Forschungslandschaft als führend im wissenschaftlichen Umgang mit KI, doch bei der wirtschaftlichen Auswertung der Erkenntnisse gibt es Nachholbedarf. Und so hat das Bundeskabinett heute eine KI-Strategie verabschiedet, wie Wirtschaftsminister Peter Altmaier in einem Beitrag des ARD-Hauptstadtstudios sagt.

Vereinfachter Einsatz von Daten und Bürgerkonten

Ein wichtiger Punkt bei der KI-Förderung ist die Vereinfachung des Einsatzes von qualitativ hochwertigen (anonymisierten) Daten für die KI-Forschung. Im Wesentlichen geht es darum, die Auswertung von Daten zu erleichtern und dabei gleichzeitig die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der EU zu beachten. Auf den ersten Blick wirkt das wie die Quadratur des Zirkels, denn Datenschutz bedeutet ja, dass Daten nicht einfach so für beliebige Zwecke genutzt werden können.

Die Bundesregierung möchte dieses Problem durch eine Datenkooperation zwischen Staat und Wirtschaft umgehen, indem ein öffentlich-privater Datenpool geschaffen wird, in den Daten kontrolliert eingespeist werden sollen. Dabei geht es in erster Linie um bereits im Vorhinein anonyme oder nachträglich anonymisierte Massendaten, die beispielsweise in der Medizin, in der Forschung, der Verkehrsentwicklung oder der Stadtplanung eingesetzt werden sollen.

Darüber hinaus möchte die Bundesregierung ein Bürgerkonto einrichten, in dem jeder Bürger sehen kann, welche Daten von ihm im öffentlichen Raum gespeichert sind und wer auf sie zugreift. Eine solche Möglichkeit ist die logische Konsequenz aus den neuen Verbraucherrechten der DSGVO, aber letztlich nicht mit einem Federstrich des Gesetzgebers einzuführen und schon gar nicht kostenneutral. Es ist also unklar, was von der KI-Strategie auch tatsächlich verwirklicht wird. Eines ist zumindest sicher: Eine IT-Infrastruktur für 80 Millionen Nutzer ist keine Kleinigkeit.

Bildquelle: Thinkstock

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