„Digital heißt nicht gleich smart“, betont Fabian Gruß von Epap. ((Bildquelle: Getty Images / iStock / Getty Images Plus))
„Einer unserer Partner berichtete von zwei Müllsäcken Kassenbelegen am Ende eines durchschnittlichen Tages in seiner Eisdiele“, informiert Fabian Gruß. ((Bildquelle: Epap))
MOB: Herr Gruß, was sind die Vorteile der Nutzung digitaler Belege und warum sollten Unternehmen auf sie setzen?
Fabian Gruß: Als Kunde bezahle ich mit dem Smartphone oder der Smartwatch, um dann einen Papierbon zu erhalten – das ist schon absurd. Mit zunehmender Digitalisierung und steigender Bedeutung von Nachhaltigkeit ist der Kassenbon, wie wir ihn kennen, einfach nicht mehr zeitgemäß. Außerdem steckt darin großes Potenzial für Handel wie auch Kunden, das bislang nicht genutzt wurde. So können über den Beleg neue Kontaktmöglichkeiten geschaffen und die eigene Omni-Channel-Strategie erweitert werden. Für die Kunden schafft das neue Services im stationären Handel, wie wir sie aus dem E-Commerce längst gewohnt sind, aber auch die ganz einfache Digitalisierung des Haushaltsbuches.
Im Vergleich zum herkömmlichen Kassenbon profitiert der Handel von gesenkten Kosten bei gleichzeitig gesteigertem Umsatz – ein ziemlich schlagendes Argument, oder?
MOB: Gibt es verschiedene Ansätze und Lösungen zum Thema „digitale Belege“ im Handel – und falls ja, wie sehen diese aus?
Gruß: Aktuell gibt es in der Tat zahlreiche verschiedene Lösungen an den Kassen. Dass wir Belege zukünftig digital erhalten, steht nicht mehr in Frage, weshalb die Landschaft verschiedener Anbieter sehr divers ist: Neben Kassenunternehmen widmen sich auch Bondruckerhersteller und einige Start-ups wie wir dem Thema. Nicht zu vergessen: die händlereigenen Lösungen. Im Juli hat Edeka mit dem Umstieg auf digitale Belege via QR-Code auf sich aufmerksam gemacht. Da sind wir schon beim nächsten Punkt: So vielfältig wie die Anbieter digitaler Belege sind auch die Wege, sie auszustellen. Die aktuell gängigste Methode ist der QR-Code, der nach dem Bezahlen auf dem Kundendisplay erscheint und mit dem Smartphone gescannt werden kann. Andere Lösungen versenden den Beleg per E-Mail, über einen QR-Code auf dem Kunden-Smartphone, in der händlereigenen App oder mit Scan der Kundenkarte.
Zu guter Letzt variieren auch die Möglichkeiten der weiteren Nutzung des Belegs, angefangen bei den Exportmöglichkeiten, über anknüpfende Features für die Kunden oder weitere Marketingmöglichkeiten, wie wir sie von Papierbelegen kennen, für den Handel.
MOB: Das Thema „Nachhaltigkeit“ ist aktuell in aller Munde – auch in der IT. Was tun die digitalen Alternativen zu Kassenbons im Detail für die Umwelt?
Gruß: Seit Einführung der Belegausgabepflicht muss für jeden Kassenvorfall ein Beleg bereitgestellt werden, von denen es laut Handelsverband Deutschland pro Jahr in Deutschland rund 20 Milliarden gibt. Neben der Pflicht zur Ausgabe eines Belegs gibt es aber auch neue Vorschriften für dessen Inhalte, wodurch diese noch einmal deutlich länger werden. Das EHI prognostizierte zur Einführung des Gesetzes rund zwei Millionen Kilometer zusätzliches Bonpapier.
Damit bedrucken wir jährlich einen kleinen Wald – meist auf umwelt- und gesundheitsschädlichem Thermopapier, das nicht recycelt werden kann. Aber nicht nur Papier wird für Kassenbons verbraucht: Bei Produktion, Transport und Entsorgung fallen auch Wasser, Strom, Verpackung und CO2 an. Mittlerweile sind zwar einige Händler auf blaues Bonpapier umgestiegen, das im Altpapier entsorgt werden darf – jedoch wird die Mehrheit auch dieser Belege nicht mitgenommen und somit für die Tonne gedruckt. Einer unserer Partner berichtete von zwei Müllsäcken Kassenbelegen am Ende eines durchschnittlichen Tages in seiner Eisdiele. Mit digitalen Belegen lassen sich diese negativen Umwelteinflüsse reduzieren, bzw. ganz abschaffen.
MOB: Es kommt immer häufiger das Thema „smarte digitale Belege“ auf – was hat es damit auf sich?
Gruß: Digital heißt nicht gleich smart. Ist ein digitaler Beleg lediglich eine Übersetzung eines Papierbelegs in ein neues Medium, hilft das zwar der Umwelt – reicht aber leider nicht immer als Argument für den Wechsel aus. Smarte digitale Belege hingegen nutzen das große Belegpotenzial zum Vorteil von Handel und Kunden, in dem sie weitere Features über den Beleg verfügbar machen. Der Handel kann beispielsweise Coupons oder weiterführende Produktinformationen auf dem Beleg integrieren, um den Kundenservice zu optimieren. Kunden wiederum können den Beleg im digitalen Haushaltsbuch auswerten oder sich über den Beleg an ihre Garantien erinnern lassen. Damit wird der Kassenbon schnell vom unbeliebten Papierstreifen zum intelligenten Alltags-Tool für alle, die ihn verwenden.
MOB: Wie können digitale Belege in bestehende Unternehmensstrategien integriert werden?
Gruß: Neben dem offensichtlichen Beitrag zur Digitalisierungs- und Nachhaltigkeitsstrategie sind digitale Belege mit smarten Zusatz-Features eine optimale Erweiterung des Omni-Channel-Gedankens. Beispielsweise können über Smart Linking die eigenen Kommunikationskanäle eingebunden oder – wie aus dem E-Commerce bekannt – ergänzende Produkte vorgeschlagen werden, wodurch sich On- und Offline-Präsenz des Handels annähern. Das schafft ein ganz neues Einkaufserlebnis und stärkt die Beziehung vom Point of Sale bis nach Hause.
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 11-12/2021. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.
Auch Unternehmen, die bereits frühzeitig auf digitale Belege umgestiegen sind, können diese mit intelligenten Features „veredeln“, um sie noch besser in bestehende Strategien einzubinden.
MOB: Wie sieht die Zukunft der Kassenbon-Alternative aus? In welche Richtung könnte sich die Technologie weiterentwickeln?
Gruß: Der digitale Beleg wird sich in der Zukunft definitiv weiterentwickeln. Abhängig von der Branche und dem Zweck des digitalen Belegs wird es immer neue Möglichkeiten geben, die On- und Offline-Welt des Handels näher zusammenzubringen oder die bestehenden auszubauen. Statt ein Ersatz des gedruckten Belegs zu sein, werden digitale Belege viel mehr ein neuer Kommunikationskanal zwischen Händlern und Einkaufenden.
Neben den Mehrwerten wird sich auch die Ausstellung digitaler Belege weiter verändern, um eine noch nahtlosere Customer Journey am Point of Sale zu ermöglichen. In nicht allzu ferner Zukunft, werden wir den Beleg sehr wahrscheinlich direkt mit der Zahlung erhalten. Damit wird der Kassenbeleg dann vielleicht vom unbeliebten Papierstreifen zum smarten Tool im persönlichen wie auch professionellen Alltag.