„Die Anwendungsgebiete für das Metaverse sind zahlreich, und es kann stets sein, dass uns ein neuer Use Case überrascht“, versichert Hans Elstner. ((Bildquelle: Rooom AG))
Elstners Unternehmen bietet Kunden eine Web-basierte Plattform, um digitale Welten, Showrooms und Events zu gestalten. ((Bildquelle: Getty Images / iStock / Getty Images Plus))
MOB: Herr Elster, was wird uns in Sachen „Metaverse“ im Jahr 2023 noch alles erwarten?
Elstner: Dieses Jahr werden wir erleben, wie deutlich mehr Unternehmen und Marken ihre 3D-Experiences aus dem experimentellen Stadium herausheben und auf spezialisierte Use Cases anwenden. Wir werden sehen, wie mehr Firmen ihre Metaverse-Lösungen so alltäglich anwenden, wie wir es heute beispielsweise mit Video-Calls schon tun. Außerdem werden sich einige neue Player auf der Hardware- und Software-Ebene ins Metaverse wagen, was das Potenzial hat, den Markt aufzumischen. Künstliche Intelligenz (KI) spielt dabei eine Schlüsselrolle – wir sehen bereits an Phänomenen wie DALL-E und ChatGPT, wozu Machine Learning in der Lage ist. Wir selbst arbeiten bereits mit KI, um beispielsweise virtuelle Assistenten in unseren Räumen zu platzieren.
MOB: Welche Use Cases sollten Entscheider wie auch Anwender auf dem Schirm behalten?
Elstner: Die Anwendungsgebiete für das Metaverse sind zahlreich und es kann stets sein, dass uns ein neuer Use Case überrascht. Dieses Jahr lohnt es sich, die Use Cases 3D-Produktpräsentation, Education und Intranet im Auge zu behalten. In Online-Shops sind z.B. 3D-Darstellungen von Produkten – via Augmented Reality (AR) auch im eigenen Wohnzimmer – eine Bereicherung für das Einkaufserlebnis und senken nachweislich Retourenquoten. Die unternehmensinterne Nutzung von Metaverse-Lösungen ist ebenfalls im Kommen – quasi das Intraverse als nächste Stufe des Intranets.
MOB: Inwiefern hat das Thema „Metaverse“ im vergangenen Jahr bereits gezeigt, welche Potenziale sich heben lassen?
Elstner: Wir befinden uns laut Gartner noch in der Anfangsphase des Metaverse Hype Cycles und erleben das Wachstum gerade live mit. Das sehen wir als Anbieter von Metaverse Management Services schwarz auf weiß, anhand der Kennzahlen unserer Kunden. Wir sehen, wie Verweildauer, Brand Identification und weitere KPIs im digitalen Raum steigen und welche Maßnahmen hierbei zielführend sind.
Dies ist ein Artikel aus unserer Online-Ausgabe 1-2/2023. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo der Print-Ausgabe.
Es wird deutlich, dass in dieser Anfangsphase ein hohes Maß an Kreativität und Experimentierfreudigkeit in alle Richtungen zum Einsatz kommt. Auch wenn manche dieser Trends wieder abflauen, wie z.B. der NFT-gestützte virtuelle Immobilienmarkt, sind sie ein Indiz für das große Potenzial zur Innovation in unserer Branche. Zahlreiche Marken und Unternehmen sind dabei, sich ihren Platz im Metaverse zu sichern – das spricht für eine breite Auswahl an Angeboten und Möglichkeiten im virtuellen 3D-Space.
MOB: Wo sehen Sie bisher noch Stolpersteine hinsichtlich der Alltagstauglichkeit des Metaversums?
Elstner: Die derzeitige Entwicklung des Metaverse ähnelt in vielerlei Hinsicht der Anfangsphase des Internets, damals in den 1990er Jahren. Wir stellen uns heute die gleichen Fragen, wie wir es damals mit dem Internet taten: Wofür brauche ich es und wie umständlich ist es, da rein zu kommen? Stolpersteine waren und sind also die Akzeptanz der neuen Technologie, eine Ungewissheit zum Nutzen und die technischen Hürden für die Anwender. Beim Internet haben wir diese Stolpersteine im Laufe der letzten 30 Jahre erfolgreich überwunden, heute kann sich niemand mehr vorstellen, ohne das Internet zu leben. Das liegt auch daran, dass die technischen Entwicklungen Hand in Hand mit kreativen Anwendungsfällen gingen. Computer und mobile Geräte sind kleiner, günstiger und leistungsfähiger geworden und es wurde immer einfacher, Web-Inhalte zu erstellen und zu veröffentlichen. Wir sind bereits auf gutem Wege, die Alltagstauglichkeit des Metaverse in die gleiche Richtung zu entwickeln, da wir uns als Anbieter auf einige Grundsätze berufen:
Schließlich geht es bei der Überwindung der Stolpersteine um die Akzeptanz der Nutzer. Hier sind wir alle als Branche gefragt – wenn wir Zugang und Performance priorisieren und Metaverse-Angebote mit Mehrwert entwickeln, steht einem alltäglich akzeptierten Metaversum nichts mehr im Wege.