Serviceroboter

Die autonomen Helfer kommen

Roboter für Hilfsarbeiten und Service in verschiedenen Branchen werden langsam, aber sicher marktreif.

Roboter übereicht Manager Akten

Bald auch im Büro: Serviceroboter helfen Menschen

Die Videos von BostonDynamics gehen gerne viral, denn sie zeigen die Fortschritte der Robotik recht prägnant. So hat zum Beispiel das Video eines vierbeinigen Roboters, der eine Tür öffnet und hindurch geht, in der ersten Woche mehr als acht Millionen Aufrufe bekommen. Und ein zweiter Teil, in dem ein Mensch mit fiesen Methoden versucht, den Roboter vom Öffnen der Tür abzuhalten, ist in den ersten zwölf Stunden gut eine halbe Million Mal gesehen worden.

Diese Bilder geben einen kleinen Einblick in eine Zukunft, in der Roboter autonom mit und neben Menschen arbeiten. Doch es gibt auch eine weniger visionäre Alltagsrobotik, die bereits heute funktioniert - im wesentlich in der Industrie, aber auch in anderen Bereichen. Wer sich von den Fortschritten im Robotikmarkt selbst überzeugen möchte, kann das im Frühsommer auf der Automatica in München tun. Vom 19. bis zum 22. Juni ist in den Messehallen ein riesiges Angebot an Industrie- und Servicerobotik, Montageanlagen, industriellen Bildverarbeitungssystemen und Komponenten zu sehen.

Schwerpunkte der Messe sind in diesem Jahr Servicerobotik sowie Mensch-Roboter-Interaktion. In München werden die neuesten Produkte und Systeme zu sehen sein, von flexiblen, kollaborativen Robotern bis hin zu intelligenten Lagersystemen und humanoiden Robotern. In der modernen Lagerlogistik arbeiten Roboter heute bereits als mobile Helfer. Inzwischen gehen die Anbieter langsam dazu über, diese Roboter auch mit Greifarmen aufzurüsten, um eine automatische Kommissionierung zu erlauben.

Auch in der Landwirtschaft werden zunehmend Serviceroboter eingesetzt. Sie sind darauf ausgelegt, im Zusammenspiel mit dem Menschen in Ertrag zu steigern. Projekte wie beispielsweise MARS (Mobile Agricultural Robot Swarms) legen den Fokus auf kleine intelligente unbemannte Landfahrzeuge, die Bodenverdichtung und Energieverbrauch reduzieren und den Einsatz von Saatgut, Düngemitteln und Pestiziden verringert. Das ebenfalls EU-finanzierte Projekt SAGA (Swarm Robotics for Agricultural Applications) entwickelt mit Sensoren ausgerüstete Drohnen, um Landwirten bessere Entscheidungen über das Ausbringen von Dünger zu ermöglichen.

Roboter für Routinearbeit im Krankenhaus

Doch die größten Chancen für Serviceroboter liegen im Gesundheitswesen. Laut der „International Federation of Robotics (IFR)“ soll dieser Markt in den nächsten vier Jahren um durchgängig etwa 25 Prozent pro Jahr wachsen. Im Moment arbeiten sie vorwiegend in der Chirurgie. Das größte Potenzial allerdings sehen Fachleute in Logistiksystemen für Krankenhäuser. Dadurch ließen sich laufende Kosten um bis zu einem Fünftel reduzieren.

Einsatzgebiete gibt es viele, wie Karsten Glied betont. Der Geschäftsführer der Techniklotsen GmbH, einem IT-Dienstleister für die Gesundheits- und Sozialwirtschaft, sieht vor allem durch das Zusammenwachsen von Sensorik, Internet of Things und künstlicher Intelligenz Vorteile beim Einsatz von Robotern. „Erst diese Technologien ermöglichen es, Roboter in Infrastrukturen der Gesundheitswirtschaft einzubinden“, sagt Glied. „Vernetzte Strukturen, also die zentrale Speicherung und die mobile Abrufbarkeit von Daten, erlauben es Robotern, jederzeit auf Informationen über Patienten, Dienstpläne oder Übergabelisten zuzugreifen.“ Durch diese Verknüpfung mit Daten wird das Krankenhauspersonal bei der täglichen Arbeit unterstützt.

Die langfristige Hoffnung der Gesundheitsbranche: Der Einsatz von smarten Helfern entlastet das Pflegepersonal bei Routineaufgaben, sodass es mehr Handlungsspielraum erhält. Dahinter steckt natürlich der erhebliche Personalnotstand in Krankenhäusern und viele Gesundheitsexperten hoffen, mit smarter IoT-Technologie und Robotik diese Lücke zu schließen. „Intelligente Pflegewagen, die den Medikamentenverbrauch dokumentieren sowie Transportroboter“, nennt Glied als mögliche Anwendungsfälle.

Auch das Heben von Patienten ist eine gute Aufgabe für Roboter oder das Verteilen von Lebensmitteln und Medikamenten. „In Planung befinden sich auch humanoide Assistenzroboter, die bei Visiten Echtzeitdaten abrufen, Besuche dokumentieren und einem Arzt selbstständig folgen“, gibt der Experte einen Ausblick auf die Möglichkeiten der Zukunft. „Die Sorge, bald Arbeitsplätze an Maschinen zu verlieren, ist jedoch unbegründet: Vor allem der Pflegesektor kann auf menschliche Zuwendung nicht verzichten.“

Bildquelle: Thinkstock

©2020Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok