Mit dem Smartphone die Welt retten

Die besten grünen Apps

Als Hilfsmittel für einen nachhaltigen, ökologisch korrekten Lebensstil eignen sich diese Apps, angefangen vom Shop-Finder für „faire“ Mode bis hin zum Überblick der selbst verursachten CO₂-Emissionen.

Etwas für Natur und Umwelt zu tun, zahlt sich immer aus. Dabei muss man sich nicht gleich an Bohrinseln ketten, vielfach lässt sich schon mit kleinen Taten große Wirkung erzielen.

Die Welt ein bisschen besser zu machen funktioniert durchaus mit dem eigenen Smartphone. So wollen die Macher von „Treeday“ nichts Geringeres, als mit ihrer App das Konsumverhalten der Menschheit zu verändern. Denn nach wie vor steuert das Prinzip von „Angebot und Nachfrage“ die Wirtschaftsmärkte. Doch wie soll das funktionieren?

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Für Andreas Miedaner, Geschäftsführer der Treeday GmbH in Wien, zählt dabei jeder Einzelne, der zwar allein nur wenig, aber im Verbund mit immer mehr Menschen doch sehr viel ändern kann. Konzipiert als globales Netzwerk will Treeday sichtbar und damit auch nachvollziehbar machen, welch positive Auswirkungen bereits kleine Schritte haben können. Über die Verknüpfung mit sozialen Medien sollen zudem schnell Nachahmer gefunden werden.

Doch wie funktioniert die App? Die Nutzer dokumentieren ihr tägliches Konsumverhalten und erhalten die dabei entstehenden CO₂-Emissionen aufgezeigt. Im nächsten Schritt soll jeder Einzelne mit der App „gewinnen“ können. Dafür rechnet die Software eingesparte CO₂-Emissionen in sogenannte Baumtage um: Jeder Baum bindet pro Tag 80 Gramm CO₂ durch Photosynthese, die App-Macher nennen diesen Vorgang „Treed“. So kann man das Handeln im Sinne der Nachhaltigkeit besser dokumentieren: Fährt man 100 Kilometer mit der Bahn statt mit dem Auto, erhält man 125 Treeds. Und für eine rein vegane Mahlzeit gibt es immerhin noch 24. So wird klar, dass der Handel mit Bitcoins wohl künftig an Relevanz verlieren wird. Denn stattdessen sind „virtuelle Bäume“ angesagt.

Verschenken, nicht wegwerfen

Nachhaltigkeit und insbesondere ein sinnvolles Konsum­verhalten will auch Lifecycler.de fördern. Ursprünglich als Webportal aufgelegt, gibt es mittlerweile eine Android- sowie iOS-App mit den wichtigsten Funktionen. Der Idee dahinter: Über die Plattform kann man gebrauchte, aber noch wertige Artikel verschenken – und somit den Lebens­zyklus von Produkten verlängern.

Mit dem Konzept will der Plattformbetreiber der Wegwerf­gesellschaft einen Strich durch die Rechnung machen. Dabei lautet das Credo des Netzwerks „Verschenken statt weg­werfen“. Denn warum Geld für einen London-Reiseführer ausgeben, wenn man ihn geschenkt bekommen könnte? Neben Büchern findet man auf dem Portal sämtliche Alltagsgegenstände – vom Bollerwagen für den Familienausflug über Nagellack für die nächste StrandParty bis hin zu Werkzeugklassikern wie der Bohrmaschine.

Das eigentliche Verschenken ist über die Plattform kostenfrei. Allerdings muss derjenige, der sich Artikel per Postpaket schicken lassen möchte, das Porto selbst tragen sowie einen geringen Beitrag zu den Plattformkosten (Payment- und Transaktionskosten) leisten. Zudem erhält jeder „Geber“ für jeden verschenkten Artikel 50 Kilogramm CO₂ gutgeschrieben, die über sogenannte „Carbon Credits“ neutralisiert werden. Dabei entspricht die Summe von 50 Kilogramm CO₂, einem Carbon Footprint von ca. zwei Tagen eines durchschnittlichen Deutschen.

Die Lebens­mittelretter

Im Sinne der sogenannten „Shareconomy“ bleibt es dabei nicht nur bei Gebrauchsutensilien. Während die bundesweit vertretenen Tafeln mit ihrer Nahrungsmittelausgabe an Bedürftige und finanziell schlechtergestellte Menschen allseits bekannt sind, kann auch jede Privatperson nicht benötigte Lebensmittel der Allgemeinheit zur Verfügung stellen. So lautet beispielsweise das Ziel von Foodsharing e.V., „Lebensmittel zu teilen, anstatt sie wegzuwerfen“. Auf dem Web-Portal wird auf einer Karte angezeigt, wer welche Nahrungsmittel verschenkt und wo diese kostenfrei abgeholt werden können.

Zudem gibt es in größeren Städten sogenannte festinstallierte „Fairteiler“, die ebenfalls auf der Karte vermerkt sind. Dahinter verbergen sich öffentlich zugängliche Orte, an denen Lebensmittel abgelegt und dann einfach mit­genommen werden können. Mitunter sind diese Verteilstellen mit Kühlschränken versehen, wobei die Reinigung dieser Standorte von jedem Nutzer selbst sowie von ehrenamtlichen Helfern vorgenommen wird. Für die Auswahl der Lebensmittel gibt es einige, wenige Bedingungen: Das Mindesthaltbarkeitsdatum darf nicht überschritten sein. Überdies ist die Bereitstellung leicht verderblicher Nahrung wie Frischfleisch und -wurst sowie frische Milchprodukte ein weiteres Tabu.

Neben der Website kann man sich über die Facebook-Seite der Initiative regelmäßig über Neuigkeiten informieren. Eine App gibt es aktuell zwar noch nicht, allerdings könnte sich dies in Kürze ändern. Denn durch das große Interesse an der Plattform sowie deren Wachstum hat der dahinterstehende Verein Foodsharing e.V. die „Wupp Days“ ins Leben gerufen. Zu der für den Spätsommer angedachten Veranstaltung sind Programmierer und Web-Designer eingeladen, die zusammen mit anderen engagierten Menschen eine neue Open-Source-Plattform für die Initiative realisieren möchten.

Ökologisch korrekter Konsum

Trotz der gerade beschriebenen hehren Ziele kommt wohl niemand so ganz ohne Konsum aus. Doch kann man beim Einkaufen den Produzenten, Herstellern und Händlern durchaus auf die Finger schauen und sie im Zweifelsfalle abstrafen – dank entsprechender Apps geht dies mittlerweile auch deutlich transparenter als früher. Während Verbraucher mit der App „Tox Fox“ unerwünschten Hormonen in Kosmetika auf die Spur kommen können, will „Animals` Liberty“ aufzeigen, welche Produkte bzw. Hersteller in Verbindung mit Tierquälerei und -versuchen stehen. Dazu hat man mittlerweile eine recht umfangreiche Datenbank aufgebaut, die wiederum in verschiedene Kategorien aufgeteilt ist. So gibt es Bereiche für Kosmetika und Nahrungsmittel, aber auch Textilien, Restaurants und Hotels. Über die Suchfunktion der App können Produkt- oder Herstellername eingegeben werden, die anschließenden Bewertungen werden zudem übersichtlich in Ampelfarben dargestellt. Darüber hinaus gibt es eine schwarze Kennzeichnung, bei der eindeutige Ergebnisse wegen fehlender oder verweigerter Aufklärung durch die Anbieter nicht möglich waren. Überdies werden bei jedem Produkt – falls vorhanden – tierfreundliche Alternativen präsentiert.

Nicht zuletzt wird in der App recht krass dargestellt, welche Firmen aktuell wegen massiver Tierquälereien ins Visier von Boykottkampagnen geraten sind. Stand Mitte Juli 2015 waren dies unfassbare 696 Produkte diverser Unternehmen.

Was darf in den Einkaufswagen?

„Nachhaltig konsumieren ist heute schon möglich“ – so lautet die Botschaft der App Der nachhaltige Warenkorb. Er will nachhaltige Konsumalternativen aufzeigen und Faustregeln für konkrete Kaufentscheidungen liefern. Informiert wird aktuell über 16 Themenbereiche, darunter Lebensmittel, Reisen und Mobilität, Wohnen und Bauen, Haushalt und Elektronik, Mode sowie Kosmetik. Zudem umfasst die App, die für ­Android, iOS und Windows Phone erhältlich ist, unabhängige Bewertungen von Siegeln und Produktkennzeichnungen. Verantwortlich für das Angebot ist der Rat für nachhaltige Entwicklung (RNE), dem 15 Personen des öffentlichen Lebens angehören, die wiederum von der Bundesregierung berufen werden.

Während die skizzierte Warenkorb-App diverse Einkaufsmöglichkeiten beleuchtet, gibt es Apps, die sich allein fairen Textilien widmen. Bei der App Fair Fashion?“ lassen sich mittels der Funktion „Check your Brand“ die Hintergründe verschiedener Marken hinsichtlich sozialer Produktionsbedingungen durchleuchten. Zudem ist ein informatives Glossar integriert sowie Erläuterungen dazu, was sich hinter dem vielfach geforderten Existenzlohn in der Textilwirtschaft verbirgt.

Entstanden ist die App im Rahmen der Clean-Clothes-Kampagne, die unter anderem von der Erklärung von Bern (EvB) getragen wird. Dahinter verbirgt sich eine nichtstaat­liche Organisation (NGO) aus der Schweiz mit rund 25.000 Mitgliedern, die sich für eine gerechtere Globalisierung einsetzen.

Weniger die Bewertung einzelner Labels, sondern Läden, in denen man „faire“ Mode erwerben kann, präsentiert die App „Fair Fashion Finder“. Sehr schlicht gehalten liefert sie allein zwei Funktionen: eine Karte mit der genauen Position des jeweiligen Ladens sowie eine „Store-Liste“, über die man in einzelnen Städten gezielt nach Verkaufsstellen für faire Mode suchen kann.

Sämtliche in diesem Artikel vorgestellten Apps sind kostenfrei sowie zumeist sowohl für Android- als auch iOS-Betriebssysteme in den einschlägigen Appstores erhältlich. Für die Recherche benutzte die Redaktion ein iPhone 5S und die Betriebssystemversion iOS 8.4.

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