Straßenverkehr im Wandel

Die Blackbox im Auto

Sicherheit im Straßenverkehr ist ein omnipräsentes Thema. Moderne Technologien und Fahrerassistenzsysteme sollen den Weg zum unfallfreien Verkehr ebnen.

Fahrerassistenzsysteme und andere moderen Technologien im vernetzten Auto sollen für mehr Sicherheit im Starßenverkehr sorgen.

Moderne Technologien wie Fahrerassistenzsysteme haben das Ziel, den Autofahrer in Problemsituationen zu unterstützen und menschliches Fehlverhalten zu verhindern. Doch das Auto der Zukunft fährt, denkt und handelt alleine. Allerdings reicht eine Entwicklung der Technik alleine nicht aus.

Vernetzung des Straßenverkehrs in Zukunft unumgänglich

Die Entwicklung der Fahrzeugsicherheitstechnologien hört natürlich nicht bei der Einparkhilfe auf. In den nächsten Jahrzehnten ist eine schrittweise Ablösung des menschlichen Fahrers durch ein intelligentes Fahrzeug geplant. Funktionieren kann das allerdings nur durch eine komplette Vernetzung des Straßenverkehrs. Eine zentrale Rolle spielt dabei die „Car-2-Car“, bzw. „Car-2-X“-Kommunikation. Damit ist ein stetiger Datenaustausch zwischen den einzelnen Verkehrsteilnehmern und -objekten gemeint.

Stolpersteine

Auch wenn es noch viele Jahre dauern wird, eine Umsetzung dieses Vorhabens ist bereits jetzt in vollem Gange. Probleme liegen jedoch vor allem bei der mangelnden gesellschaftlichen Akzeptanz, den unterschiedlichen wirtschaftlichen Interessen und der schleppenden rechtlichen Entwicklung. Ein erster Schritt war das „Gesetz über intelligente Verkehrssysteme im Straßenverkehr und deren Schnittstellen zu anderen Verkehrsträgern“, das im Juni 2013 in Kraft trat und eine Umsetzung einer entsprechenden europäischen Richtlinie darstellt. Mehr als bloße Grundlagen schafft das Gesetz jedoch nicht – insbesondere aus rechtlicher Sicht wirft eine Zukunft des intelligenten Verkehrs noch Fragen auf. Neben Diskussionen um neuartige Haftungsproblematiken und eine mögliche Einschränkung des Selbstbestimmungsrechts der Autofahrer, spielt die Frage des Datenschutzes eine zentrale Rolle.

Fahrzeuge, die in ständigem Informationsaustausch mit der Außenwelt stehen, stellen eine offensichtliche Gefahr für den Datenschutz und die Privatsphäre dar. Ein intelligentes Verkehrsnetz hat zur Folge, dass der exakte Standort eines Fahrzeugs jederzeit bekannt ist. Darüber hinaus sind sämtliche technischen Informationen rund um das Fahrzeug erforderlich, um ein einwandfreies Funktionieren des Systems zu ermöglichen. Alle erhobenen Daten können über das Kfz-Kennzeichen problemlos dem jeweiligen Fahrer zugeordnet werden und sind somit sogenannte „personenbezogenen Daten“.

An die Erhebung, Verarbeitung und Weitergabe von personenbezogenen Daten stellt das Bundesdatenschutzgesetz strenge Anforderungen. Natürlich lässt sich argumentieren, dass diese Daten zum einen keine Gefahr für die Privatsphäre von Autofahrern bedeuten und zum anderen notwendig sind, um Leben zu retten. Kritiker der intelligenten Autos sehen das Problem aber hauptsächlich im hohen Missbrauchspotential dieser Daten.

E-Call als Datenmonopol?

Einen vorzeitigen Höhepunkt erreichte die Debatte erst kürzlich bei der Diskussion um die Einführung des E-Call-Systems. Autos, die mit diesem System ausgestattetet sind, wählen bei einem Unfall automatisch den Notruf. Auf diese Weise soll die Zeit zwischen dem Eintritt des Schadensereignisses und dem Eintreffen der Rettungskräfte auf ein Minimum reduziert werden. Allerdings bietet das neue System auch eine Vielzahl von anderen – kommerziellen – Nutzungsmöglichkeiten: Diebstahlortung, Pannenhilfe oder auch Ferndiagnosen. Kritiker befürchten ein Datenmonopol der Automobilhersteller und fordern eine offene Schnittstelle des Systems. Eine solche Schnittstelle würde den Autofahrern Kontrolle über die Daten geben und eine mögliche Bindung an den jeweiligen Automobilhersteller verhindern. Denn die Wahl der Werkstatt oder des Abschleppservices trifft der, der die ­Verfügungsgewalt über die nötigen Daten hat.

Blackbox im Auto

Auch Kfz-Versicherer interessieren sich für die Datenspeicher im Auto. Je mehr Daten über ein Fahrzeug erhoben werden, desto besser lassen sich z.B. Unfälle nachvollziehen. Das wirft die Frage auf, ob Versicherungen im Schadensfall einen Anspruch auf diese Daten haben oder sie sogar selbst erheben dürfen.

Im Endeffekt ist also entscheidend, wer über die jeweiligen Daten verfügen darf. Klare Regeln gibt es bisher noch nicht. Ob sich das bis zur endgültigen Einführung des E-Call-Systems ändert und damit ein Zeichen im Hinblick auf die intelligenten Autos der Zukunft gesetzt wird, kann nur erhofft werden. Aus wirtschaftlicher Sicht erschließen sich ganz neue Märkte. Das zeigt sich beispielsweise bereits dadurch, dass der Internetkonzern Google schon seit einiger Zeit an einem intelligenten Auto arbeitet.

Bis zum selbstfahrenden, intelligenten Auto ist es noch ein weiter Weg. Allerdings zeigt gerade das E-Call-System, dass der Grundstein für die Zukunft des intelligenten Autos bereits jetzt gelegt wird. Dabei ist es wichtig zu verstehen, dass der gesamte Entwicklungsprozess kein rein technischer ist. Die Rechtswissenschaft und auch die Gesellschaft müssen frühzeitig reagieren und sich parallel zum technischen Fortschritt entwickeln.

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