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Die Blockchain im Praxiseinsatz

Kryptowährungen wie Bitcoin haben gezeigt: Blockchain-Technologie kann die Übertragung von Werten im Web sichern. Viele Experten sehen sie als neue Entwicklungsstufe des Internet. Doch worum geht es, wenn Unternehmen unterschiedlicher Branchen mit der neuen Technologie experimentieren? Und wie sicher ist sie?

Blockchain-Technologie in der Praxis

Die Blockchain-Technologie kann die Übertragung von Werten im Web sichern. doch wie klappt dies in der Praxis?

Vertrauen ist die Grundlage jeder Geschäftstransaktion. Vertrauen schaffen gehört daher zu den Hauptaufgaben beim Auf- und Ausbau von Geschäftsbeziehungen über digitale Kanäle. Dabei entwickelt sich die Blockchain nach Einschätzung von Experten zum Mittel der Wahl. So sagt die International Data Corporation (IDC) in ihren Prognosen zur ITK-Branche für das Jahr 2018 und darüber hinaus: „Bis 2021 werden mindestens 25 Prozent der Global-2000-Unternehmen im großen Stil Blockchain-Dienste als Grundbaustein für ihre digitale Vertrauensstrategie einsetzen.“

Tatsächlich haben beispielsweise die Daimler AG und die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) die Blockchain-Technologie bereits testweise für eine größere Finanztransaktion genutzt. Dabei platzierte Daimler über die LBBW ein Schuldscheindarlehen in Höhe von 100 Millionen Euro mit einer Laufzeit von einem Jahr bei mehreren Banken. Eines von vielen weiteren Anwendungsbeispielen aus der Finanzbranche liefert das Fintech-Unternehmen Cobalt mit einer Blockchain-Lösung, die Post-Trade-Prozesse bei Finanztransaktionen beschleunigt.

Energiewirtschaft und Touristik experimentieren

Das Spektrum der Blockchain-Projekte ist breit: In Deutschland ermittelten die Deutsche Energie Agentur Dena und die Wirtschaftshochschule EMST Berlin in einer gemeinsamen Studie die Potentiale für Handelsplattformen, Abrechnung, Zählwesen, Mobilität und Netzmanagement.

Die Lufthansa Group unterhält eine Partnerschaft mit dem Schweizer Start-up Winding Tree, das ein dezentralisiertes B2B-Marktplatzsystem für blockchain-basierte Buchungen von Reisen aufbaut. Und die KfW Entwicklungsbank hat gemeinsam mit dem KfW Digital Office die Software „TruBudget“ entwickelt. Der Name steht für Trusted Budget Expenditure Regime. Damit lässt sich die Verwendung öffentlicher Mittel nachvollziehen. Die Blockchain dokumentiert jeden einzelnen Schritt der Beschaffung, der Vertragsgestaltung, der Ausschreibung und Auszahlungsprozesse bei einem Projekt. Das erhöht die Transparenz der Vorgänge und minimiert das Risiko einer Fehlverwendung von öffentlichen Mitteln.

Sicherheitskette aus Software

Wie alle Digitalisierungstechnologien müssen auch Blockchain-Lösungen höchste Sicherheitsanforderungen erfüllen. Dabei profitieren Blockchain-Anwender von einer Kombination aus redundanter Datenhaltung und Verschlüsselung: Die Blockchain speichert sämtliche Inhalte auf den Rechnern (= Knoten) aller Nutzer in dem Peer-to-Peer-Netzwerk. Dabei sorgt die Blockchain selbst dafür, dass die Transaktionen dezentral auf den Rechnern der Teilnehmer ausgeführt und zu Blöcken zusammengefasst werden. Jeder Block besteht aus den Transaktionsdaten selbst, der Prüfsumme des vorhergehenden Blocks und der Prüfsumme der gesamten Kette von Blocks. Da die Hash-Werte (Prüfsummen) dezentral nach einem sehr komplexen Verfahren berechnet und validiert werden, ist Betrug durch nachträgliches Manipulieren einer Transaktion zwar theoretisch möglich, aber aufgrund des dafür erforderlichen Aufwands praktisch ausgeschlossen.

Dennoch arbeiten große Marktteilnehmer wie BT, Intel oder IBM sowie eine Vielzahl kleinerer Start-ups permanent an noch sichereren Verfahren. Initiativen wie Hyperledger oder Enterprise Ethereum Alliance wollen dafür sorgen, dass Blockchain die Sicherheits- und Compliance-Kriterien von Unternehmen und öffentlichen Organisationen erfüllt. Erst kürzlich hat der Kommunikations-Dienstleister BT ein spezielles Verfahren patentieren lassen, mit dem Manipulationsversuche an einer Blockchain erkannt werden können.

Von der privaten Cloud gelernt

Zusätzliche Sicherheit für Blockckain-Anwender bietet auch der Betrieb in einer abgeschlossenen Cloud-Umgebung. Eine solche private Blockchain, zu der nur namentlich bekannte Teilnehmer zugelassen werden, bietet der u. a. der Finanzdienstleister Cobalt. Mit seinem Post-Trade Processing Network für den Devisenhandel können Unternehmen aus der Finanzbranche Kosten und Betriebsrisiken reduzieren. Dabei helfen Konzepte der Verschlüsselung, der digitalen Signatur und der Konsensbildung, die von der Blockchain abgeleitet sind. Bei jedem Handelsabschluss entsteht ein einziger, unveränderlicher Datensatz. Das ermöglicht neben einer einheitliche Sicht auf die Daten effizientere Arbeitsabläufe und schnellere Bearbeitung.

Der Betrieb seiner Blockchain in der Radianz Cloud Community verschafft Cobalt Zugang zu Tausenden von Brokern, Institutionen, Börsen, Verrechnungs- und Abrechnungsstellen. Dabei weiß der Anbieter, wer seine Services nutzt. Und die Benutzer haben einen Ansprechpartner, der für die Verfügbarkeit und Sicherheit der zugrundeliegenden Infrastruktur sorgt. Für diese Vorteile privater Blockchains interessieren sich immer mehr Unternehmen.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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