Keine Revolution durch Mobile Payment

„Die Deutschen lieben ihr Bargeld“

„Natürlich wird Mobile Payment nicht auf einmal das gesamte Bezahlverhalten revolutionieren“, betont Max Schertel, Head of Business Operations bei N26, im Interview. Denn „die Deutschen lieben ihr Bargeld und werden auch noch eine Weile daran festhalten“.

Max Schertel, Head of Business Operations bei N26

„Apple Pay und Google Pay werden sich hierzulande sicher durchsetzen“, meint Max Schertel, Head of Business Operations bei N26.

Herr Schertel, an welcher Stelle steht Deutschland im Bereich „Mobile Payment“ im Vergleich zu anderen europäischen Ländern?
Max Schertel:
Die Nachfrage nach mobilen Lösungen in Deutschland steigt, das zeigen auch unsere steigenden Kundenzahlen. Dennoch stehen wir hier noch am Anfang. Laut einer Prognose haben 2018 ca. zwei Millionen Menschen in Deutschland Mobile Payment am Point of Sale (POS) genutzt. Zum Vergleich: In den USA sind es 60 Millionen, in China gar fast 350 Millionen. Dennoch sehen wir eindeutig, dass Kunden mobiles Banking und auch mobile Bezahlmethoden nachfragen.

Was waren die bisherigen Bremsklötze für das mobile Bezahlen in Deutschland?
Schertel:
Bisher gab es zu viele sogenannte Insellösungen. Sprich: Viele Banken haben an eigenen Lösungen gearbeitet, die aber untereinander kaum kompatibel und daher nur für den jeweiligen Kundenkreis anwendbar waren. Niemand möchte aber 20 verschiedene Bezahl-Apps auf seinem Smartphone haben. Obwohl der Wunsch nach neuen mobilen Lösungen wächst, sind diese Barrieren der Grund dafür, dass Mobile Payment vergleichsweise noch immer eine Nische besetzt. Unser Ziel als mobile Bank ist es daher, Bezahlmethoden zu vereinfachen und für die Nutzer transparenter zu gestalten.

Wie sehen hingegen die treibenden Faktoren aus?
Schertel:
Kunden wünschen sich schon länger mobile Bezahlmöglichkeiten, die sie einfach integrieren können. Wie schon erwähnt, sehen wir es als unsere Aufgabe, die Payment-Lösungen aus der Nische herauszuholen und die Barrieren zu durchbrechen. Betriebssystemgestützte Lösungen wie von Apple oder Google helfen da natürlich enorm.

Welchen Einfluss übt der Markteintritt von Zahlungssystemen wie Google Pay (Juni 2018) und jetzt auch Apple Pay (Dezember 2018) konkret auf die Nutzerzahlen von M-Payment aus? Wie schätzen Sie die Wichtigkeit jener Zahlungssysteme ein?
Schertel:
Wenn institutionsübergreifende Tech-Konzerne ihre eigenen Bezahlmethoden gleichzeitig mehreren Millionen Kunden zur Verfügung stellen, dann hat das natürlich einen enormen Einfluss. Etwa die Marke Apple: Sie gilt heute als eine der „wertvollsten Marken der Welt“. Nutzer lieben die Usability, für sie stellt der Anbieter ein Lebensgefühl dar. Wenn das Unternehmen nun eine mobile Bezahlmethode auf den Markt bringt, macht das natürlich etwas mit den Usern – Mobile Payment wird so plötzlich für eine viel größere und breitere Gruppe interessant. In Deutschland nutzten im vergangenen Jahr rund 57 Millionen Menschen das Smartphone. Lösungen wie Apple Pay sind da schon sehr naheliegend – die Hemmschwelle, Neues auszuprobieren, ist hier viel geringer. Ich gehe fest davon aus, dass mit Apple Pay die Nutzerzahl von Mobile Payment nochmal stark ansteigen wird.

Was ist den Nutzern solcher Lösungen besonders wichtig?
Schertel:
Für Nutzer steht die intuitive und einfache Nutzbarkeit im Vordergrund. Neue Bezahlmethoden müssen zudem ein echtes Problem lösen, beispielsweise den großen Aufwand, wenn ich bei jeder Bezahlung im Internet immer wieder meine Kartendetails angeben muss. Auch eine signifikante Zeitersparnis an der Kasse ist für Nutzer relevant.

Warum hat Apple Pay hierzulande so lange auf sich warten lassen? Welches Kalkül steckt Ihrer Meinung nach dahinter?
Schertel:
Dazu können wir leider keine Aussage treffen. 2018 war sicher ein gutes Jahr für die Einführung von bargeldlosem Bezahlen. In Deutschland wird immer noch mit großer Vorliebe bar bezahlt, im europäischen Vergleich sogar überdurchschnittlich viel. Viele Kassen-Terminals für Kartenzahlungen sind aber mittlerweile flächendeckend NFC-fähig; es kann also kontaktlos und auch per Smartphone bezahlt werden. Das war vor ein paar Jahren noch undenkbar.

Worin sehen Sie die Vor- und auch Nachteile von Apple Pay im Vergleich zu den anderen gängigen mobilen Zahlungssystemen?
Schertel:
Die Vorteile mobiler Bezahlmethoden sind bei allen ähnlich: ihre einfache Handhabung, die Schnelligkeit des Bezahlvorgangs sowie insbesondere die sichere Abwicklung.

Wie ist es um die Sicherheit jener Lösung bestellt?
Schertel:
Apple Pay ist dank modernster Technologie eine der sichersten Zahlungsmethoden. Bei der Verwendung einer Kredit- oder Debitkarte mit Apple Pay werden die tatsächlichen Kartennummern weder auf dem Gerät noch auf den Apple-Servern gespeichert. Stattdessen wird eine eindeutige Gerätekontonummer zugewiesen, verschlüsselt und im Sicherheitselement auf dem Gerät gespeichert. Jede Transaktion wird mit einem einmaligen und individuellen dynamischen Sicherheitscode autorisiert. Während des Bezahlvorgangs wird dann ein einmalig generierter Token an das Terminal übertragen, wodurch auch kein Skimming möglich ist.

Inwieweit wird sich Apple Pay Ihrer Ansicht nach hierzulande durchsetzen?
Schertel:
Apple Pay und Google Pay werden sich hierzulande sicher durchsetzen, da sind wir sehr zuversichtlich. Selbstverständlich müssen sich Nutzer erst an die neuen Möglichkeiten gewöhnen. Das bedeutet, dass zunächst vor allem kleinere Beträge in unregelmäßigen Abständen mobil bezahlt werden, aber daraus entwickeln sich Gewohnheiten und irgendwann sind diese Zahlungsweisen Alltag.

Und wie wird sich anno 2019 generell der Mobile-Payment-Markt in Deutschland entwickeln?
Schertel:
Ich denke, 2019 wird ein gutes Jahr für die Nutzer sein, um die bestehenden Lösungen auszuprobieren und sich an diese zu gewöhnen. Natürlich wird Mobile Payment aber nicht auf einmal das gesamte Bezahlverhalten revolutionieren. Wie schon gesagt, die Deutschen lieben ihr Bargeld und werden auch noch eine Weile daran festhalten. Aber Mobile Payment wird weiter wachsen: Laut einer Prognose steigen die Nutzer von Mobile Payment 2019 im Vergleich zum Vorjahr um gut 15 Prozent und das Transaktionsvolumen soll bei 914 Mio. Euro liegen. Natürlich stehen wir damit noch am Anfang, für 2023 wird aber schon mit einem Transaktionsvolumen von über drei Milliarden gerechnet.

Bildquelle: N26

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