„Einfaches Banking für alle”

Die Deutschen und ihr Bargeld

Im Interview erläutert Dr. Peter Schönweitz, CEO der Petafuel GmbH, warum Deutschland so sehr an seinem Bargeld hängt und was geschehen muss, damit man Mobile-Payment-Vorreiter wie Skandinavien einholt.

  • Frau mit Geldscheinen vor dem Gesicht

    »Wir hängen an Scheinen und Münzen wie fast keine andere Nation«, sagt Dr. Peter Schönweitz, CEO der Petafuel GmbH.

  • Peter Schönweitz

    Dass es zu einem bargeldlosen Deutschland in naher Zukunft kommt, hält Schönweitz für äußerst unwahrscheinlich.

  • Vimpay

    Hinter Vimpay verbirgt sich eine Smartphone-App, die den Nutzern dabei helfen soll, bargeldlos zu leben.

Herr Dr. Schönweitz, wie ist Deutschland mittlerweile gegenüber dem bargeldlosen Bezahlen eingestellt – im Vergleich zu anderen europäischen Ländern?
Dr. Peter Schönweitz: Weltweit stiegen in den letzten Jahren die bargeldlosen Transaktionen rapide an. Dennoch sind wir Deutschen, getreu dem Motto „Nur Bares ist Wahres“, noch immer eine Gesellschaft von Bargeldenthusiasten. Wir hängen an Scheinen und Münzen wie fast keine andere Nation. Anderswo auf der Welt ist das bargeldlose Leben dagegen schon fast Realität. In Europa machen es vor allem die skandinavischen Länder vor, wie gut man auf Bargeld verzichten kann. Dort nimmt beispielweise der Einzelhandel insgesamt 95 Prozent des Umsatzes bargeldlos ein.

Dabei gibt es eine Vielzahl an Faktoren, warum das deutsche Zahlungsverhalten sich noch nicht vergleichbar gewandelt hat. Der wichtigste Aspekt ist, dass viele Verbraucher in Deutschland aus Sicherheitsgründen dem bargeldlosen Bezahlen eher kritisch gegenüberstehen. In erster Linie fehlt den Deutschen beim bargeldlosen Bezahlen die Kontrolle, die sie mit Bargeld sprichwörtlich in der Hand halten. Dazu kommt, dass die Deutschen ein spezielles Datenschutzbewusstsein haben.

Wie kann man den Nutzern das bargeldlose Bezahlen per Mobilgerät schmackhafter machen?
Schönweitz: Das größte Hindernis sind Sicherheitsbedenken gegenüber neuen technischen Lösungen. Es ist schwierig, die komplexen Technologien und Sicherheitsmechanismen, die hinter diesen Lösungen stehen, so einfach zu erklären, dass sie sofort verständlich sind. Hier muss flächendeckende Kommunikation stattfinden, um diese Sicherheitsbedenken aufzuheben. Vergleichsweise gab es hier in Schweden von den Banken eine Kampagne, die die Vorteile von mobilen und bargeldlosem Bezahlen auf einfache Weise erklärt hat. Mit dem Slogan „Bargeld braucht nur noch deine Oma – und der Gangster“ wurde hier gezielt auf das Zahlungsverhalten Einfluss genommen.

Es braucht eine Lösung für Mobilgeräte, die das Bezahlen genauso einfach macht wie mit dem Geldbeutel. Die Verbraucher möchten eine vergleichbare Kontrolle und Sicherheit über ihr Geld, wie sie es haben, wenn sie mit Bargeld bezahlen. Das heißt, sie sehen sofort, wie viel sich noch in ihrer digitalen Geldbörse befindet, und erhalten in Echtzeit Feedback darüber, wie viel sie gerade ausgegeben haben. Durch intelligente Prozesse muss außerdem sichergestellt sein, dass die Technologie hundertprozentig sicher ist. Die Leute dürfen nicht in Panik verfallen, wenn sie ihr Smartphone verlieren.

Was verbirgt sich an dieser Stelle hinter Vimpay und welche Zielgruppe adressieren Sie mit dieser Lösung?
Schönweitz: Vimpay ist eine Smartphone-App, die den Nutzern dabei helfen soll, bargeldlos zu leben. Der Account kann direkt über die App erstellt werden. Nutzer erhalten damit eine digitale Mastercard auf Guthabenbasis, die in Echtzeit über das eigene Girokonto aufgeladen werden kann. Diese Blitzaufladung ist sozusagen das digitale Pendant zum Bargeldabheben – nur dass man sich den Weg zum Geldautomaten spart. Wir wollen Menschen erreichen, die abgesehen von ihren Finanzen sowieso schon vieles mit ihrem Smartphone erledigen. Wer Apps nutzt, um Bahntickets und Mode zu kaufen, sollte nicht in eine Bankfiliale marschieren müssen, um Konten mit Funktionalitäten aus dem digitalen Mittelalter zu eröffnen. Wir schließen hier also eine Lücke in der Logik des Verhaltens ganz normaler Menschen.

Zudem öffnet sich die Lösung auch für Unternehmen und Händler. Für Letztere bietet sie eine günstige Möglichkeit, bargeldlose Zahlungen mittels einer QR-Code-Funktion zu empfangen. Unternehmen können über Vimpay ein eigenes Kartenportfolio mit Bonus- oder Provisionskarten herausbringen. Die Karten funktionieren dabei kontaktlos über die App oder als Mastercard-Plastikkarte im eigenen Design. Auch weitere Bezahlmedien wie Armbänder oder Schlüsselanhänger können integriert werden. Das Cashback-System kann dabei von Unternehmen minuten- und prozentgenau initiiert werden und bucht die Provisionen oder Boni dann live auf die Karte des Kunden. Offene Schnittstellen sorgen für ein schnelles Feedback. Ebenso hält die Lösung auch Spesen- und Sachbezugskarten für die Mitarbeiter bereit.

Mit Ihrer Lösung waren Sie mitunter auf dem Hurricane-Festival, den Jazzopen in Stuttgart und auch auf der Berlinale vertreten. Können Sie uns den Hintergrund erläutern?
Schönweitz: Auch diese Festivals standen ganz unter dem Stern „bargeldlos leben“. Zusammen mit Mastercard haben wir vor Ort unsere Fankarte vertrieben. Egal ob Essen, Getränke oder Merchandise-Artikel – alles konnte mit dem kleinen NFC-Armband bezahlt werden. Ganz ohne Geldbeutel. Das Tolle an diesem Konzept ist, dass die Nutzer das Armband nach dem jeweiligen Event weiterverwenden können. Die Aufladung erfolgt über die App.

Welchen Stellenwert schreiben Sie dem digitalen, kontaktlosen Bezahlen per Smartwatch zu?
Schönweitz: In Zusammenarbeit mit Garmin konnten wir selbst die erste Bezahlkarte für Garmin Pay in Deutschland entwickeln. Während des Projektzeitraums haben wir das kontaktlose Bezahlen mit den Smartwatches bis in das letzte Detail getestet und waren begeistert, wie einfach und intuitiv der Bezahlvorgang an den POS-Stellen funktioniert. Allerdings schätzen wir eher, dass vor allem das kontaktlose Bezahlen via Smartphones eine noch nennenswertere Entwicklung im Zahlungsverhalten bewirken wird.

Wie schätzen Sie die zukünftige Entwicklung des Zahlungsverkehrs in Deutschland ein?
Schönweitz: Der Trend zum bargeldlosen Bezahlen ist langsam, aber sicher auch in Deutschland angekommen. Dass es zu einem bargeldlose Deutschland in naher Zukunft kommt, ist allerdings unwahrscheinlich. Unter der Voraussetzung, dass die Akzeptanz und vor allem die Infrastruktur für bargeldlose Zahlungen weiter ausgebaut werden, wird es auch hierzulande sicherlich zu einem Anstieg von bargeldlosen Transaktionen und der Nutzung neuer Finanztechnologien führen. Ob wir Skandinavien noch einholen, bleibt abzuwarten. Ich wünsche mir aber, dass die Leute neugierig bleiben – es gibt viel zu entdecken!

Bildquelle: Petafuel GmbH

©2019Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok