Analog war gestern

Die digitale Spedition

Die Digitalisierung hat die Logistik- und Transportbranche auf vielen Ebenen verändert: Nicht nur die eingesetzte Technologie ist im Wandel, auch die Ansprüche der Kunden auf immer kürzere Lieferzeiten und eine vollständig transparente Lieferkette haben sich verändert. Im Interview erklärt Philipp Ortwein, Co-Founder und Managing Director von Instafreight, wie das Geschäftsmodell einer „digitalen Spedition“ den Anforderungen gerecht werden kann.

Philipp Ortwein, Co-Founder und Managing Director von Instafreight,

Philipp Ortwein, Co-Founder und Managing Director von Instafreight,

MOB: Herr Ortwein, was ist eine digitale Spedition und wie entstand die Idee dazu?
Philipp Ortwein:
Wir sind eine klassische Spedition innerhalb der Logistikbranche. Das bedeutet für uns, den Transportauftrag des Kunden anzunehmen und ihn durch einen Fuhrunternehmer durchführen zu lassen. Die Idee zu einer digitalen Spedition kam uns, weil die Tätigkeiten innerhalb einer Spedition sowie die Zusammenarbeit von Kunde, Spediteur und Fuhrunternehmer heute vielfach noch immer analog erfolgen. Unser Ziel ist es, durch die Entwicklung und den Einsatz technischer Lösungen den gesamten Transportprozess effizienter und transparenter zu machen. Papierlisten und manuelle Handgriffe sollen dann der Vergangenheit angehören.

MOB: Welche Rolle spielen hierbei mobile Lösungen?
Ortwein:
Für Frachtunternehmer haben wir die Instafreight-Driver-App entwickelt. Diese ist eine von mehreren Möglichkeiten, mit der sich Fuhrunternehmer Transportaufträge „ziehen“ und wir gleichzeitig unsere Transporte verfolgen können. Für das Track&Trace nutzen wir neben der App die Eingliederung in mehrere hundert Telematiksysteme, die unter anderem auch ein Live Tracking des LKW ermöglichen.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 9-10/2019. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

MOB: Leerfahrten sind aus ökologischer und ökonomischer Sicht eine große Herausforderung – wie kann Ihr Geschäftsmodell dieses Problem verringern?
Ortwein:
Unser Plattformgeschäftsmodell hat den Vorteil, dass wir beide Seiten konsolidieren können: Die Nachfrage nach Transporten der Verlader und das Angebot an Transportkapazität der Fuhrunternehmen. Zum einen können wir so mehrere Teilladungen, die in dieselbe Richtung gehen, kombinieren und zum anderen können wir Fuhrunternehmern gezielt Rückladungen anbieten. Hierbei zentralisieren wir quasi das Wissen unserer Disponenten in einer technischen Lösung, die es uns erlaubt, sehr effizient den richtigen Fuhrunternehmer zu finden. Und ein voller LKW verbraucht natürlich weniger Ressourcen als zwei Trucks, die nur zur Hälfte beladen sind. Bei einer besseren Auslastung profitieren Wirtschaft und Umwelt.

MOB: KI, Automatisierung, Drohnen, Autonomes Fahren – dies sind in der Logistik schon heute wichtige Begriffe. Ist es Zufall, dass die aktuellen Entwicklungen gerade in dieser Branche so viel Potential freisetzen, oder ist die Branche so agil, dass neue Technologien schneller an branchenspezifische Prozesse und Geschäftsmodelle angepasst werden können?
Ortwein:
In der Geschäftsmodellentwicklung ist in den vergangenen Jahrzehnten in der Transportlogistik wenig passiert. Viele Unternehmen haben zwar interne Abläufe optimiert, radikal andere Geschäftsmodelle sieht man jedoch selten. Die Transportlogistik birgt noch sehr viel Potential, Prozessabläufe nicht nur effizienter zu gestalten, sondern Geschäftsmodelle anders zu denken – und dann auch umzusetzen. Die zunehmende Etablierung von Plattformlösungen ist dabei nur ein Beispiel. Heute funktionieren viele Logistiksysteme noch in Silos und sind untereinander nur wenig vernetzt. Das wird sich zukünftig sicherlich ändern, indem Informationen besser ge- und verteilt werden, um daraus effizientere Abläufe zu generieren.

MOB: Denken Sie, dass „klassische“ Speditionen auf lange Sicht noch Bestand haben werden?
Ortwein:
Die „klassischen” Speditionen werden sich aus meiner Sicht zunehmend spezialisieren und Kompetenzen in Bereichen der Logistik aufbauen, die nur schwer zu digitalisieren und automatisieren sind. Gerade im Bereich der Komplettladungen im Fernverkehr werden sich in den kommenden Jahren digitale Speditionen durchsetzen, die Prozessabläufe automatisieren und damit effizienter durchführen können.

In der Abwicklung auf der Straße werden auch die digitalen Speditionen auf starke Fuhrunternehmer mit eigenen Fahrzeugen angewiesen sein. Insbesondere diese werden von dieser Optimierung mittels IT profitieren, da sie ihre Auslastung verbessern und zu finanziell attraktiveren Konditionen fahren können. Von diesen Entwicklungen versprechen wir uns auch Entlastungen auf den chronisch überlasteten Straßen und damit auch die weitere Einsparung von Kohlendioxid.

Bildquelle: Instafreight

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