IT-Freiberufler

„Die Digitalisierung lässt den Freelancer-Markt boomen“

Nachfrage und Honorare steigen - IT-Freelancer sind im Boom, wie auch Personaldienstleister Adecco feststellt.

Franz-Josef Schürmann, Chief Sales & Innovation Officer bei der Adecco-Gruppe

Franz-Josef Schürmann, Chief Sales & Innovation Officer bei der Adecco-Gruppe

Die steigende Investitionsbereitschaft für Digitalisierung ist einer der Gründe für den aktuellen Freelancer-Boom. Die Adecco-Gruppe glaubt an den Freelancer-Markt und bietet eine neue digitale Plattform an. Doch das ist nicht alles, der Anbieter will durch zusätzliche Services wie Team-Vermittlung oder Factoring die Position der Freelancer stärken, meint Franz-Josef Schürmann, Chief Sales & Innovation Officer bei der Adecco-Gruppe im Interview.

Wie ist die aktuelle Situation der Freelancer in der IT?

Wir sehen eine Steigerung beim Angebot und bei der Nachfrage. Bei den Unternehmen gibt es einen sehr hohen Bedarf in spezialisierten, aktuellen Themen, beispielsweise bei Cybersecurity, Machine Learning und Analytics. Doch auch Entwickler und Cloud-Spezialisten werden nach wie vor sehr häufig gesucht. Die Nachfrage kommt hierbei nicht nur aus der IT, sondern aus allen Branchen.

Allen Statistiken nach steigen die Honorare der Freelancer im Moment. Wird diese Entwicklung so weitergehen?

Die Honorare haben ein recht hohes Niveau erreicht und das wird auch so bleiben. Zum einen liegt das an der positiven Entwicklung der Wirtschaft und zum anderen an einer sehr hohen Investitionsbereitschaft der Unternehmen in die Digitalisierung. Hier wächst der Personalbedarf, und er lässt sich durch die übliche Einstellungspraxis nicht mehr unbedingt decken. Dies liegt unter anderem an einer Veränderung der Arbeitsweise in den Unternehmen. Es gibt einen starken Trend zu „Agile Workforces“. Die Unternehmen suchen immer häufiger spezifische Fachkräfte, die sie nur für Einzelprojekte benötigen. Doch dadurch entsteht auf beiden Seiten ein Matching-Problem. Aus diesem Grunde haben wir unseren eigenen Online-Marktplatz für Freelancer (Yoss.fr) geschaffen. Wir glauben, dass in diesem Markt eine rein digitale Lösung ideal ist und besser zur Nachfragesituation passt.

Wie sieht die Vermittlung auf dieser Plattform aus?

Unternehmen und Freelancer registrieren sich und nutzen sie anschließend für die Suche nach offenen Projekten. Zentral ist eine Bewertungsfunktion, mit der sich Unternehmen und Freelancer gegenseitig bewerten können. Dadurch hoffen wir, eine gewisse Markttransparenz zu schaffen und es den Freelancern zu ermöglichen, sich über gute Bewertungen eine bessere Marktpräsenz, aber auch höhere Honorare zu erarbeiten.

Eine zusätzliche, besonders attraktive Möglichkeit sind Freelancer-Teams. Die IT-Experten können sich auf unserem Marktplatz zu Teams zusammenschließen und zusätzlich mit einem gemeinsamen Profil auftreten. Sie können dadurch größere Projekte stemmen. Die Unternehmen haben dadurch eine Garantie, dass die Teams gut zusammenarbeiten. Für die Freelancer ist das ein weiterer Vorteil: Sie verlieren nicht ihre gewohnte Flexibilität und haben nicht den Overhead einer Unternehmensgründung.

Wann wird die Vermittlung-App hier in Deutschland verfügbar sein?

Zurzeit ist YOSS noch im Betatest und auf den französischen Markt beschränkt, doch wir werden im nächsten Jahr in weiteren Ländern an den Start gehen. Aber die reine Vermittlungsfunktion ist nicht alles. Die endgültige Version wird auch Projektkommunikation, Dokumentenausstoß, Rechnungsstellung und Zeiterfassung umfassen. Darüber hinaus werden wir zusätzliche Dienstleistungen wie Versicherung, Rechtsberatung und Factoring anbieten. Dabei erhalten die Freelancer ihr Honorar sofort über unseren Markplatz, die Abrechnung mit dem Auftraggeber übernehmen wir.

Ob nun als Einzelkämpfer oder im Team, häufig arbeiten Freelancer projektgebunden über einen längeren Zeitraum in einem Unternehmen. In Deutschland gerät so etwas sehr schnell unter den Verdacht der „Scheinselbstständigkeit“. Gibt es bei einer europaweiten Plattform nicht die Gefahr, dass deutsche Freelancer nicht mehr so oft zum Zug kommen?

Ja, diese Gefahr ist real. Wir müssen hier in Deutschland zu einer praktikablen Lösung kommen und uns den Realitäten eines wachsenden Marktes für Freiberufler stellen. Anderenfalls wandert die Arbeit ins Ausland ab. Das ist nicht nur schlecht für Freelancer, auch die deutsche Wirtschaft hat dadurch Nachteile. Die Adecco-Gruppe plädiert hier für eine gemeinschaftliche Lösung. Wir müssen einen Ausgleich zwischen der Wirtschaft und den Sozialversicherungen schaffen.

Bildquelle: Adecco

©2019Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok