Innovation weltweit

Die Digitalmuffel sind in der Mehrheit

Eine aktuelle Studie zu Unternehmen in aller Welt zeigt: Viele Unternehmen reden über radikale Innovation, handeln aber nicht.

Abwehrende Handbewegung eines Anzugträgers

Ab hier keine Innovationen mehr

Wer ist hier Thema? „Die Unternehmensstrategen reden viel, aber machen wenig. 85 Prozent finden Innovation wichtig, aber 78 Prozent konzentrieren sich lediglich auf inkrementelle Verbesserungen.“ Nein, hier geht es ausnahmsweise mal nicht um die deutsche Wirtschaft, sondern um die ganze Welt. Die Analysten von CBInsights haben 677 Unternehmen unter die Lupe genommen und sind zudem oben zitierten Schluss gekommen.

Die Unternehmen für die Studie kamen knapp zur Hälfte aus den USA und zu etwas mehr als zu einem Drittel aus dem Wirtschaftsraum Europa, Naher Osten und Afrika (EMEA). Zwei Drittel davon haben Jahresumsätze von mehr als einer Milliarde US-Dollar, mehr als ein Drittel sogar 10 Milliarden oder mehr. Kurz: Die Analysten haben einige der Top-Firmen der Welt untersucht.

Wer die Studienergebnisse näher betrachtet, stellt etwas Interessantes fest: Nicht nur die deutschen Unternehmen beherrschen die Vogel-Strauß-Politik. So sagen 41 Prozent der befragten Unternehmen, dass ihre Produkte und Märkte von Disruption durch aufstrebende Technologien und Unternehmen bedroht sind. Doch nur gut 22 Prozent der Unternehmen investieren selbst in „radikale“ Innovationen. Ein weiteres Problem: In den meisten Unternehmen (60%) sind Innovationsprozessen sehr langsam, denn die Entwicklung neuer Produkte dauert ein Jahr oder sogar länger. Bei einem Viertel der befragten Unternehmen sogar bereits zwei Jahre.

Digitalmuffel aus aller Welt

Kurz: Zahlreiche, gar nicht so kleine Unternehmen sind Digitalmuffel. Doch es gibt natürlich trotzdem eine Vielzahl an digitalen Vorreitern. Dazu gehören besonders die „High Performer“, wie sie von CBInsights genannt werden. Darunter fasst die Studie alle Unternehmen, die in den letzten zwölf Monaten vor Beginn der Studie zu den 15 Prozent mit den besten Finanzergebnissen gehören, verglichen mit ihren jeweils nächsten Konkurrenten.

So zeigt sich, dass die „High Performer“ bei der Digitalisierung deutlich weiter sind. 35 Prozent haben Innovationsprojekte sehr früh und schnell gestartet, weitere 28 Prozent haben kurze Zeit später mit den „First Movern“ gleichgezogen. Topunternehmen investieren zudem etwas häufiger in radikale Innovationen als der Durchschnitt: 28 Prozent wählen diesen Weg.

Eine der Gründe für die größere Innovationsfreude, die CBInsights in seiner Studie ausmacht, ist die Risiko-Affinität der Unternehmen. Sie ist bei den High Performern doppelt so hoch wie bei den Schlusslichtern. Hinzu kommt etwas, was von jedem Digitalberater gefordert wird: Das Engagement des Vorstands. Aus der Studie lässt sich ableiten, dass die CEOs der leistungsfähigsten Unternehmen eher dazu tendieren, die Innovationsstrategie selbst in die Hand zu nehmen.

Doch die Topunternehmen sind nicht die Mehrheit, die meisten Unternehmen gehen anders vor. Die Studie erkennt bei der Mehrheit der Unternehmen vier Merkmale für die genutzten Innovationsprozesse. Erstens sind sie ad hoc und basieren selten auf einer durchdachten Strategie. Zweitens sind sie vergleichsweise langsam und benötigen viel Zeit bis zum Erreichen eines Zieles. Drittens sind sie eher kurzfristig angelegt, also auch in dieser Hinsicht nicht besonders strategisch gedacht. Und viertens handelt es sich meistens um selbst entwickelte Lösungen, die nicht zusammen Partnern bearbeitet werden - beispielsweise Startups.

Bildquelle: Thinkstock

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