Akku-Technologie

Die ewige Suche nach der Super-Batterie

Schon wieder eine revolutionäre Akkutechnologie, mit dem Gütesiegel des MIT. Aber vielleicht klappt‘s ja diesmal.

Eigentlich ist es erstaunlich: In einer Branche, die sich gerne mehrmals pro Jahr selbst überholt, zeichnet sich ausgerechnet die wichtigste Basistechnologie durch die Innovationsgeschwindigkeit eines Zeichentrick-Faultiers aus - wiederaufladbare Batterien.

Zwar sind die Akkus sehr langsam immer besser geworden, konnten aber mit der Entwicklung von Smartphones und Tablets nur schwer mithalten. So ist es auch bald zehn Jahre nach der Einführung des iPhones häufig so, dass eine Akku-Ladung nicht den ganzen Tag durchhält. Das liegt unter anderem daran, dass die Geräte immer dünner werden und immer weniger Platz anbieten.

Ladezeit und Energiedichte sind die Probleme

Da sind natürlich Batterien mit höherer Energiedichte gefragt, einem der großen Forschungsfelder in Sachen Akku-Technologie. Das andere Problem ist die Dauer des Ladeprozesses, die besonders bei Elektroautos wenig komfortabel ist und einer der Gründe für die bisher nur geringe Durchsetzung dieser Technologie im Markt sein dürfte.

Das sich so wenig tut und die Verbesserungen relativ gering bleiben, ist schwer verständlich. Denn angesichts der zunehmenden Verbreitung von Mobilgeräten und der großen Erwartungen an den E-Automarkt dürfte das Patent für eine hochoptimierte Akku-Technologie eine Lizenz zum Gelddrucken sein.

Ganz offensichtlich ist das Verbessern der bisherigen Akkus nicht so einfach. Grundsätzlich basieren die leistungsfähigsten Batterien auf Lithium. Doch es wird nach einem anderen Grundstoff gesucht. Mal soll es durch Kalium, Magnesium oder Aluminium ersetzt werden, mal durch Luft oder Schwefel ergänzt werden.

Auch vollkommen andere Akkutechnologien wie etwa Kohlenstoff-Akkus mit einer organischen Elektrolytflüssigkeit werden entwickelt. Das Problem: Es gibt bisher bestenfalls Prototypen, von Marktreife kann keine Rede sein. Auch um ehemals gehypte Akku-Startups ist es ruhig geworden.

Enervault hatte 2014 eine Technologie vorgestellt, die auf den kostengünstigen Materialien Eisen und Chrom aufbaut. Ziel war die Entwicklung eines Energiespeichers, der große Strommengen aus Wind- oder Solarenergieanlagen aufnehmen soll. Über einige Prototypen ist das Projekt nicht hinausgekommen, bereits seit mehr als einem Jahr suchen die Investoren nach einem Käufer für das Startup.

Neuartiger Lithium-Metall-Akku kommt 2018 – oder?

Ebenfalls wenig Neues gibt es von Storedot. Das Startup wollte einen Akku bauen, der innerhalb von 60 Sekunden aufgeladen werden kann. Anfang 2015 präsentierte es einen Prototyp, einige Monate später stellte es den Plan vor, Schnelladeakkus für Autos herzustellen. Interessantes Detail: War anfangs noch von einer Minute Ladezeit die Rede, so wurden es kurz darauf zwei und später fünf Minuten.

Angesichts dieser Entwicklung ist es ganz sinnvoll, Jubelmeldungen skeptisch zu sehen, auch die vom altehrwürdigen Massachusetts Institute of Technology (MIT). Denn die MIT-Ausgründung SolidEnergy will einen Lithium-Metall-Akku entwickelt haben, der bei gleicher Baugröße fast die doppelte Energiedichte eines herkömmlichen LI-Akkus haben soll.

Anfang des nächsten Jahres sollen die ersten Smartphones und Wearables auf den Markt kommen, die mit diesem neuen Akku ausgerüstet sind. Ab 2018 sollen auch LI-Metall-Batterien für Elektroautos angeboten werden. Das alles klingt ganz wunderbar, also exakt wie die Erfolgsmeldungen anderer Forschungsteams und Startups, die revolutionäre neue Akkutechnologien vorgestellt haben.

Wir werden sehen, in drei Jahren, entweder in unseren Mobilgeräten oder in einem Artikel wie diesem hier.

Bildquelle: Thinkstock

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