Digital vernetzte Hotelgäste

Die Geschäftsreise der Zukunft

Im Gespräch mit MOBILE BUSINESS wirft Roland Selmer, Director of Voice Products bei Nexmo, einen Blick in die Zukunft von Geschäftsreisen, welche Rolle Smartphones dabei spielen und inwieweit Hotels von ihren digital vernetzten Gästen profitieren können.

Skyline

„Das intelligente Hotel der Zukunft wird sich nicht darauf beschränken, das Zimmer einzurichten und die Beleuchtung korrekt einzustellen“, meint Roland Selmer.

Herr Selmer, sind Geschäftsreisen ohne Smartphone und mobile Anwendungen heute noch möglich?
Roland Selmer: Das ist eine sehr gute Frage. Möglicherweise kann das nur eine Person beantworten, die nach einem bestimmten Jahr geboren ist. Die Antwort lautet wohl weder „Ja“ noch „Nein“. Es besteht kein Zweifel daran, dass Smartphones durch ihre zunehmende Verbreitung zu einem Alltagsgegenstand geworden sind. Doch es kommt immer wieder vor, dass wir auf unseren Reisen in Gegenden kommen, in denen es nur eine geringe oder gar keine Netzabdeckung gibt. Hier ist ein Smartphone eher ein Feature Phone, und die Apps sind nutzlos. Da muss man sich auf das gute alte Festnetz und SMS-Mitteilungen verlassen. Der Rückgriff auf diese Technologie, die allen Mobilfunknetzen zugrunde liegt, ermöglicht es, dass nach wie vor überall auf der Welt mobile Dienste angeboten werden.

Mit welchen konkreten Apps und Technologien lässt sich die „Geschäftsreise der Zukunft“ möglichst angenehm gestalten?
Selmer: Reise-Apps können grob in drei Hauptkategorien eingeteilt werden: Buchung, Navigation und Dienste. Booking-Apps haben einen deutlichen Aufschwung erlebt, da sie traditionelle Hotelkontingente dynamisch anbieten können und sich den wachsenden Erfolg der Sharing Economy zunutze machen. Mit Unternehmen wie AirBnB und Booking.com konnten die Übernachtungskosten für Geschäftsreisen massiv gesenkt werden – und diese Entwicklung wird sich voraussichtlich durch das Aufkommen neuer kleiner Sharing-Plattformen fortsetzen.

Auch bei der Navigation hat sich einiges verändert. Den Nutzern werden nicht mehr simple zweidimensionale Karten angezeigt – sie können sich mittlerweile fotorealistische 3D-Szenen auf den Meter genau ansehen. Bald werden noch Komponenten hinzukommen, die mit virtueller Realität (Virtual Reality, VR) arbeiten. Sie werden den Reisenden bei einer komplexeren Navigation unterstützen – beispielsweise virtuelle Pfeile, die auf das richtige Gebäude oder die korrekte Seite des Gehwegs deuten. Auch die Suche nach Service-Angeboten hat sich durch die Flut an nutzergeneriertem Content stark vereinfacht, denn die Inhalte werden auf verschiedenen Plattformen in Echtzeit ausgespielt.

Welche Rolle spielt hier Künstliche Intelligenz (KI) auf dem Smartphone?
Selmer: Für die Dienste, die wir tagtäglich über unser Smartphone nutzen, spielt KI eine immer wichtigere Rolle. Jedes Mal, wenn wir in Google etwas suchen, werden über KI-Technologien und eine Unmenge von Indikatoren und Metriken kontinuierlich unsere Suchparameter optimiert. Auf diese Weise fallen die Ergebnisse mit jeder Suche präziser aus. Google und andere Suchmaschinen können mittlerweile sogar voraussagen, was wir sie fragen werden, noch bevor wir sie fragen, z.B. über Autosuggestion. Doch eine Technologie wird künftig alle andere in den Schatten stellen: die Intelligenten Agenten (IA). Allerdings wird die erste Generation dieser Agenten, wie beispielsweise Siri und Alexa, im Vergleich zu den Ultraintelligenten Agenten (UIA) der nächsten Generation – im positivem Sinne – fast etwas primitiv wirken. Aufgrund ihrer Fähigkeit, Kontexte zu erkennen, sich anzupassen und dazuzulernen, werden sie im Alltag irgendwann notwendig und nicht mehr nur Luxus sein. Da sie komplexe Probleme in den Bereichen Gesundheit, Organisation, Sicherheit und soziale Interaktion lösen können, wird ein Punkt kommen, an dem die UIA buchstäblich unser eigenes Bewusstsein erweitern.

Mit welchen Herausforderungen ist die nahtlose Zusammenarbeit der verschiedenen Applikationen verbunden?
Selmer: Die größte Herausforderung bei der Interaktion zwischen verschiedenen Anwendungen besteht in der Regel in der Datensicherheit und dem Datenschutz. Anwendungen sind Speicher, in denen riesige Mengen personenbezogener Informationen gesammelt werden. Egal, ob es um medizinische Informationen, Finanztransaktionen oder GPS-Daten geht: Der Verbraucher verlässt sich darauf, dass der Zugang zu den Anwendungsdaten kontrolliert wird. Für den Austausch von Daten zu Interaktionszwecken mehrerer Anwendungen ist ein sehr klar definiertes und streng kontrolliertes Vertrauensmodell nötig. Unsere persönlichen Daten sind mittlerweile die Währung, die wir für die kostenlose Nutzung vieler Plattformen bezahlen. Doch Vorschriften zum Schutz der Verbraucherdaten, wie beispielsweise die europäische Datenschutz-Grundverordnung (EU-DSGVO), verschieben das Kräfteverhältnis zugunsten des Verbrauchers.

Wo sehen Sie konkrete Stolpersteine?
Selmer: Das größte zu überwindende Hindernis ist die ausgewogene Implementierung leistungsstarker Technologien wie z.B. der Künstlichen Intelligenz innerhalb eines Rechtsrahmens, der sehr viel rigider geworden ist.

Inwieweit können letztendlich die Hotels, die immer mehr als „anonyme Bettenburgen“ gelten, von ihren digital vernetzten Gästen profitieren?
Selmer: Hotels werden immer stärker zu einem Teil ihrer Gäste, da sie sich an ihren Geschmack und ihre Vorlieben anpassen. Das intelligente Hotel der Zukunft wird sich nicht darauf beschränken, das Zimmer einzurichten und die Beleuchtung korrekt einzustellen, sondern dem Gast Service-Leistungen anzubieten, bevor er überhaupt danach fragt. Szenarien, die jetzt noch wie Science-Fiction anmuten, könnten Wirklichkeit werden. Ebenso wie ein Smartphone unser Bewusstsein erweitert, wird das vernetzte, intelligente Hotel zu einer Erweiterung unseres bewohnten Raums. Und es wird seine Gestalt mithilfe moderner Nanotechnologien so verändern, dass es exakt die Form und die Farbe annimmt, die wir uns wünschen.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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