App-Markt

Die Gewinner bekommen alles - auch bei Apps

Die Download-Zahlen sinken, aber die Umsätze steigen - ein deutliches Zeichen für eine Konzentration des App-Markts auf wenig große Gewinner.

Sind Apps in die Krise geraten? Zahlreiche Meldungen aus der letzten Zeit scheinen das nahezulegen. So wirkt der Markt für mobile Apps gesättigt. Nach dem „US Mobile App Report“ für 2016 von Comscore haben gut die Hälfte aller Smartphone-Besitzer in den USA während eines dreimonatigen Beobachtungszeitraums überhaupt keine Apps heruntergeladen. Und lediglich 6 Prozent der Nutzer haben den Status eines „Heavy Users“, der mehr als acht Apps herunterlädt.

Diese Entwicklung zeigt sich auch in Downloadzahlen der wichtigen Apps. So wurden WhatsApp, der Facebook Messenger, die Facebook-App, Instagram, YouTube und einige andere bekannte Apps 2016 deutlich seltener heruntergeladen als im Jahr davor. Lediglich Snapchat und Uber finden noch neue Benutzer.

Der App-Markt schwächelt

In gewisser Hinsicht ist diese Entwicklung erwartbar. Denn die Nutzungsdauer der Smartphones wächst, nicht viele Anwender kaufen sich einmal im Jahr ein neues Gerät. Und wer einmal Facebook oder WhatsApp heruntergeladen hat, muss dies nicht ein weiteres Mal tun.

So gesehen ist das eine normale Entwicklung, da die Anzahl der wirklich spektakulären App-Neuerscheinungen eher gering ist. Hinzu kommt, dass viele Apps keine oder nur sehr geringe Downloadzahlen haben. Sie sind den meisten Anwendern unbekannt und zählen zu den von Marketing-Experten so genannten „Zombie-Apps“.

Eine weitere Erklärung für die App-Abstinenz vieler Smartphone-Besitzer liegt sicher darin, dass es sehr viele gleichartige Apps gibt - beispielsweise die zahllosen Todo-Apps. Darüber wollen viele lediglich eine bestimmte Aufgabe erledigen, aber nicht die Bedienung einer Software lernen. Es liegt großes Potenzial in dem Versuch, bei der App-Entwicklung genau diese „Faulheit“ der Anwender produktiv zu machen. Gefragt sind möglichst schlanke und jeder überflüssigen Funktion entkleidete Apps.

Auch die Installation via Appstore könnte eine Hürde sein, denn sehr viele Anwender haben eine Instant-Mentalität entwickelt: Es muss sofort losgehen. Google scheint diesen Trend erkannt zu haben und führt nun mit der neuen Android-Version Instant-Apps ein, die nicht mehr explizit installiert werden müssen, sondern unmittelbar genutzt werden können. Gut möglich, dass diese Funktionalität den Rückgang der Download-Zahlen ein wenig ausbremsen kann.

Viele interessieren sich nicht für Apps

Doch nicht nur die Zahl der heruntergeladenen Apps sinkt langsam, dies gilt ebenfalls für die Anzahl der genutzten Apps. Die Marktforscher von Adjust stellen fest, dass die Anwender immer weniger Apps nutzen, in diesen aber mehr Zeit verbringen. Am populärsten in dieser Hinsicht sind soziale Netzwerke und Spiele, aber auch Nachrichten-Apps.

Eine weitere Entwicklung ist der gesunkene Wert der sogenannten „Retention Rate“, also der durchschnittlichen Dauer der Bindung eines Anwenders an einer App. Nach einer aktuellen Untersuchung von Kletterer verlieren Apps im Durchschnitt nach etwa drei Tagen fast 80 Prozent ihrer täglichen Anwender. Nach gut drei Monaten bleiben lediglich 5 Prozent Anwender übrig.

Ein weiterer Punkt: Etwa die Hälfte der Anwender will kein Geld für Apps ausgeben - nach einer aktuellen Umfrage von Gartner geben Endnutzer durchschnittlich 7,67 Dollar für bezahlte Downloads aus. Etwas besser funktionieren In-App-Käufe, hier liegt der Durchschnitt bei 11,59 Dollar.

Diese unterschiedlichen Zahlen lassen sich zu einigen einfachen Aussagen verdichten: Ein großer Teil der Smartphone-Besitzer interessiert sich nicht für Apps - egal ob kostenlos oder nicht. Wer überhaupt eine App herunterlädt, möchte am liebsten nichts bezahlen und nutzt zudem mit hoher Wahrscheinlichkeit die App bereits nach wenigen Tagen nicht mehr.

Wenige Apps haben fast alle Nutzer

Der App-Markt konzentriert sich überwiegend auf einige sehr prominente Apps, die kostenlos sind und durch Werbung oder In-App-Verkäufe von Zusatzfunktionen Geld verdienen. Für die die riesige Masse der übrigen Apps bleibt praktisch keine Aufmerksamkeit übrig. Das ist natürlich eine Nachricht, die Selbständige und kleine Unternehmen im Bereich der App-Entwicklung nicht gerne hören. Sie haben kaum eine Chance auf einen großen Wurf.

Schlimmer noch: Die Umsätze konzentrieren sich auf diese wenigen starken Apps. Denn ein genauer Blick zeigt, dass Heavy-User und Gamer immer noch ordentlich Geld ausgeben. Die Analysten von App Annie konstatieren ein phänomenales Jahr 2016. Die Besitzer von Mobilgeräten haben 52 Milliarden Dollar in den Appstores gelassen und die Branche hat insgesamt etwa 77 Milliarden Dollar Umsatz mit In-App-Anzeigen gemacht. Die Analysten erwarten für 2017 ein weiteres Wachstum auf 65 bzw. 101 Milliarden Dollar.

Anhand der Download-Zahlen und der Verbreitung der bekannten Apps ist relativ klar, wohin das meiste Geld fließt: Zu den üblichen Verdächtigen wie Facebook oder Google mit ihren zahlreichen App-Reinkarnationen. Der App-Markt ist nicht tot, aber er ist wie andere Bereiche der Digitalwirtschaft ein typischer Silicon-Valley-Markt, in dem wenige Gewinner den größten Teil der Umsätze einheimsen.

Bildquelle: Thinkstock

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