5G, KI und mehr

Die größten Digitalisierungs-Mythen

Technischer Fortschritt bringt in der Regel auch gewisse Illusionen mit sich. Diese Missverständnisse sind besonders weit verbreitet

Ein aufgeschlagenes Märchenbuch aus dem die Buchstaben herausfallen.

Digitalisierung: So manche Annahme gehört ins Reich der Märchen und Legenden.

Es hat fast schon eine gewisse Tradition, mit der technologische Errungenschaften in ihrer Frühphase geradezu lächerlich unterschätzt wurden. Legendär etwa das Zitat von IBM-Gründer Thomas J. Watson Senior, der für den Computer keinen erwähnenswerten Abnehmermarkt sehen konnte. Aber auch Kommunikationsmittel wie das Telefon oder die E-Mail wurden in ihren jeweiligen Anfangstagen von Skeptikern gerne als überflüssiges Nischenphänomen abgetan. Heute ist dieser Argwohn einem mindestens genauso fragwürdigen Optimismus gewichen, auf dessen Basis neue Technik stellenweise maßlos überhöht wird. Grund genug, sich einmal einige Annahmen anzuschauen und auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen:

Mythos Nr. 1: Elektroautos sind umweltschonender als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor

E-Mobilität gilt in Sachen Umweltschutz als Vorzeigeprojekt und wird nicht umsonst mit vielen hundert Millionen Euro von der Bundesregierung gefördert. Dass nicht nur der Stromverbrauch an sich CO2-Emission erzeugt, sondern vor allem der Herstellungsprozess der Lithium-Batterien eine ziemlich schlechte Umweltbilanz vorzuweisen hat, dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben. Die pauschale Annahme, dass Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren auch automatisch umweltfreundlicher sind, gehört dementsprechend ins Reich der Mythen.

Mythos Nr. 2: 5G stopft Funklöcher

Dass bei der Diskussion um die Einführung des nächsten Mobilfunkstandards immer mehr Uneinigkeit herrscht, dürfte nicht zuletzt auch an diesem Mythos liegen. 5G wird aktuell nämlich nicht nur zum Synonym für hohe Bandbreiten und geringe Latenzen, sondern fälschlicherweise auch für gestopfte Funklöcher im ganzen Land. Das stellte übrigens auch Angela Merkel beim letztjährigen Digitalgipfel fest, die anmerkte, dass unter dem 5G-Banner offenbar eine Ersatzdiskussion über schlecht versorgte Regionen geführt werde.

Mythos Nr. 3: Mobile Payment ist unsicher

Die Irrtümer sind in diesem speziellen Fall derart ausgeprägt, dass manch einer sogar befürchtet, versehentlich mit dem Smartphone in der Hosentasche fremde Rechnungen im Vorbeigehen zu begleichen. Fakt ist, dass auch beim Mobile Payment die meisten Sorgen ins Reich der Mythen gehören. Bei Verlust des Smartphones schützen je nach Konfiguration Sperrbildschirm, PIN und Fingerabdruck-Sensor vor unbefugten Zugriff. Mechanismen, die auch das beliebte Szenario des Zahlungsterminal-Betrügers widerlegen, der einem das Geld unbemerkt im vorbeigehen abbuchen könnte.

Mythos Nr. 4: Roboter vernichten keine Arbeitsplätze

Es mag Studien geben, die behaupten, dass durch Künstliche Intelligenz (KI) mehr Jobs geschaffen als abgebaut werden – ob diese Rechnung aber wirklich aufgeht, kann derzeit niemand mit Sicherheit sagen. Fakt ist, dass betroffene Kräfte mit niedrigeren Qualifikationen wie etwa Fernfahrer oder Monteure wohl kaum mal eben zum Software-Spezialisten umschulen können, um sich den neuen Gegebenheiten anzupassen. So bleibt auch diese Aussage bis zum Eintreten des Gegenteils ein Mythos.

Mythos Nr. 5: Künstliche Intelligenz ist dem Menschen überlegen

Als Künstliche Intelligenz wird heutzutage so ziemlich alles bezeichnet, was irgendwie einigermaßen clever automatisiert daher kommt. Trotzdem gibt es Teilbereiche, in denen KI-Modelle den Menschen weit überlegen sind. Dazu gehören etwa die Diagnose von bestimmten Krankheitsbildern oder die Fähigkeiten in verschiedenen Brett- und Computerspielen. Definiert man Intelligenz aber als Summe aller kognitiven Fähigkeiten, dann sind und bleiben die Maschinen mit ihren digitalen Inselbegabungen den Menschen weit unterlegen.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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