„Intelligente Algorithmen können dabei helfen, Logistikabläufe in Zusammenhang mit dem Covid-19-Impfstoff zu simulieren“, betont Adrian Weiler von Inform.
MOB: Herr Weiler, inwieweit lässt sich der logistische Aufwand für die Corona-Impfstoffverteilung (personell, finanziell, zeitlicher Vorlauf) in Worten und Zahlen festhalten?
Adrian Weiler: Aufgrund vieler Besonderheiten ist die logistische Aufgabe, den Impfstoff bundesweit zügig zu verteilen, besonders komplex. Zum einen hat es eine solche Herausforderung noch nie gegeben, zum anderen sind der Zeitdruck und die medizinischen Anforderungen an Lagerung und Transport des Impfstoffes hoch. Darüber hinaus gibt es viele logistische Knotenpunkte entlang der Lieferkette vom Hersteller über die zentralen Stellen der EU-Mitgliedsstaaten bis zum lokalen Impfzentrum, die es zu koordinieren gilt. Wie hoch am Ende die Gesamtkosten dieser Impfkampagne sein werden, kann derzeit nicht einmal die Bundesregierung abschätzen, da Kosten und Aufwand ja auch abhängig von der Impfbereitschaft der Bevölkerung sind. Mit den ersten großen Lieferungen im Februar ist die logistische Aufgabe noch lange nicht erfüllt, daher sollten Logistikdienstleister jetzt auf innovative Planungsmethoden setzen, um die Versorgung dauerhaft zu gewährleisten.
MOB: Mit welchen generellen Herausforderungen sind der Impfstofftransport und die -lagerung verbunden?
Weiler: Beim Transport und der Lagerung des Covid-19-Impfstoffs müssen viele, komplexe Planungsentscheidungen getroffen werden. Hinzu kommen extreme Anforderungen, etwa an die Lagerungstemperatur wie beispielsweise beim Impfstoff von Biontech/Pfizer. Häufig fehlt auf Ebene der lokalen Versorgungsstellen das dafür nötige Know-how. Viele Hersteller haben zudem ihren Covid-19-Impfstoff noch gar nicht auf den Markt gebracht, sodass hinsichtlich der Anforderungen an Transport und Lagerung langfristig noch Unsicherheiten existieren. Ohne mathematische Unterstützung ist das vor allem für kleine und mittelständische Logistikdienstleister und Spediteure nicht professionell und in vollem Umfang leistbar.
MOB: Mit welchen innovativen, mobilen Technologien können ein Tracking bzw. die Überwachung der Impfstoffe unterwegs und im Lager erfolgen, um jederzeit zu wissen, an welcher Stelle in der Supply Chain und in welchem Zustand sich die Impfstoffe befinden?
Weiler: Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, den aktuellen Ort und Zustand der Impfstoffe mit vorhandenen Telematiklösungen stetig zu tracken. Doch was nützen Unternehmen diese Informationen, wenn das daraus resultierende Verteilungsproblem nicht gelöst werden kann? Wichtiger als die Verfolgung des Impfstofftransports ist daher meiner Meinung nach die optimierte Disposition der Transporte. Hier sollten vor allem KMU in Software-Lösungen investieren.
MOB: Inwieweit können etwa auch Künstliche Intelligenz (KI) und Internet-Of-Things-Sensoren (IoT) bei der Impfstofflogistik helfen?
Weiler: Intelligente Algorithmen können dabei helfen, Logistikabläufe in Zusammenhang mit dem Covid-19-Impfstoff zu simulieren und damit eine zuverlässigere Versorgung zu gewährleisten. Zuverlässigkeit ist unter den aktuellen Rahmenbedingungen sicherlich das A und O. Ein mathematisches Modell berechnet dazu unter Annahme verschiedener Randbedingungen, z.B. aus Ausschreibungen der Landesgesundheitsämter und Informationen von Speditionsunternehmen, wie sich die dynamischen Verfügbarkeiten der Impfstoffe im Zeitverlauf auf die Transportketten auswirken. Das ist beispielsweise wichtig bei der Frage, wie viele Lkw zusätzlich notwendig sind, wenn ein neuer Impfstoff mit einem anderen Produktionsort auf den Markt kommt. Da vor allem KMU diese Expertise meist nicht im eigenen Haus haben, wollen wir den Unternehmen jetzt mit speziell für diese Situation entwickelten Algorithmen und der entsprechenden Beratung unter die Arme greifen.
Bildquelle: Inform