Digitale Events

„Die Hürde zur Teilnahme ist extrem gering“

Dr. Nikolai Riesenkampff, CEO und Mitgründer von Trember, erläutert im Interview die Vorteile von hybriden Veranstaltungskonzepten und welche Potenziale im Metaverse liegen.

Nikolai Riesenkampff

„Wir sehen das Metaverse eher aus der B2B-Perspektive und wie man es dafür nutzen kann, um digitale und hybride Veranstaltungskonzepte schöner umsetzen zu können“, sagt Nikolai Riesenkampff.

MOB: Herr Riesenkampff, die Veranstaltungsbranche atmet nach zwei Jahren Corona-Pandemie wieder auf. Aber: Die Gesellschaft ist in dieser Zeit viel digitaler geworden. Wie hat sich das auf die Art und Weise ausgewirkt, wie Veranstaltungen durchgeführt werden?
Riesenkampff: Witzig, dass Sie sagen: „Die Branche atmet wieder auf.“ Unsere Erfahrung bestand darin, dass sich viele Unternehmen, Veranstalter und Agenturen nach einer kurzen Schockstarre doch ziemlich schnell an die neue Situation angepasst haben. Einige unser Partner haben sich sogar komplett auf das Digitale fokussiert und werden das für die Zukunft auch nicht mehr ändern. Dadurch haben sie die letzten zwei Jahre ganz gut überstanden. Was wir während der Pandemie gesehen haben, ist wahrscheinlich der evolutionäre Schritt der Event-Branche, der in den nächsten zehn Jahren ohnehin stattgefunden hätte. Die Pandemie war lediglich der Katalysator. In Zukunft wird es definitiv ein Angebot von verschiedenen Event-Formaten geben. Was aber klar ist, ist, dass es definitiv mehr rein digitale und hybride Veranstaltungen geben wird als noch vor der Pandemie.

MOB: Welche Vorteile bieten insbesondere hybride Veranstaltungsformate?
Riesenkampff: Der wesentliche Vorteil liegt in der Flexibilität für Veranstalter und Besucher. Als Veranstalter kann man dadurch alle Wünsche und Zielgruppen gleichzeitig befriedigen. Zudem spielen kurzfristige äußere Einwirkungen kaum eine Rolle. Ich erhalte mehr Planungssicherheit. So bekommen Besucher, die nicht kommen dürfen, können oder wollen dennoch die Möglichkeit, von der Veranstaltung etwas mitzunehmen. Auch wenn sie nur digital kurz vorbeisehen. Mit dem Hybridansatz kann ich in Summe dennoch viele Besucher ansprechen und zugleich Kosten sparen, da physische Veranstaltungen immer deutlich teurer sind als digitale.

MOB: Welche Herausforderungen und Stolpersteine sind mit der Durchführung von virtuellen und hybriden Events verbunden?
Riesenkampff: Die größte Herausforderung ist es, Teilnehmer so abzuholen, dass sie weder technisch, inhaltlich oder organisatorisch überfordert sind und am Ende eine gute Erfahrung haben. Das beginnt schon mit der Planung. Hier herrscht oft viel Unwissenheit. Wir geben daher immer die Faustregel heraus: Plane das digitale oder hybride Event genauso wie ein physisches Event. Da kümmert man sich ja auch von der Beschilderung der Toiletten und Notausgängen bis hin zum Gastredner und Catering um alles. Warum dann nicht auch digitale und hybride Events mit mehr Liebe zum Detail planen?

MOB: Was versprechen Sie sich vom sogenannten „Metaverse“?
Riesenkampff: Wir sehen das Metaverse eher aus der B2B-Perspektive und wie man es dafür nutzen kann, um digitale und hybride Veranstaltungskonzepte schöner umsetzen zu können. Aktuell handelt es sich bei unserer Event-Plattform Trember um eine einfachere Variante eines Metaverse. Dies erlaubt eine kommerzielle Massennutzung auch bei weniger technisch affinen Nutzern. Zudem hat man keine Einschränkung bei Geräten und Zugängen. Die Hürde zur Teilnahme ist gering. Langfristig könnte sich das natürlich ändern. Auch wir arbeiten an komplexeren Möglichkeiten, die sich aber parallel zu den Anforderungen unserer Partner bewegen. Denn am wichtigsten ist neben der technischen Entwicklung vor allem die Akzeptanz des Markts. In Theorie hat das Metaverse aber unendlich viele Möglichkeiten, von Veranstaltungen bis hin zum virtuellen Zusammenarbeiten, welches ebenfalls zunimmt.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 07-08/2022. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

MOB: Inwiefern sind wir in Deutschland auf die damit einhergehenden Trends und Entwicklungen vorbereitet? Wer übernimmt die Technologieführerschaft?
Riesenkampff: Diese Frage wird wohl überall heiß diskutiert. Im internationalen Vergleich ist Deutschland gefühlt weder auf Trends noch auf die schnelle Entwicklung vorbereitet. Meist scheitert es an Know-how, Mut, Weitsicht, Vertrauen und vor allem an der Lust, etwas Neues auszuprobieren. Und dann ist da natürlich auch die große Hürde „Datenschutz“, die die Nutzung vieler innovativer Lösungen von vornherein ausschließt. Allerdings ist die Erkenntnis schon vorhanden, sich in Zukunft diesbezüglich entwickeln zu müssen.

Bildquelle: Treiber

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