E-Tretroller in Großstädten

Die imaginäre Mobilitätslücke

Auch hierzulande soll die viel beschworene Mobilitätswende mit alternativen Verkehrskonzepten eingeläutet werden. Warum es dafür ausgerechnet stromintensive Elektroroller mit Lithium-Akkus braucht, leuchtet allerdings nicht so richtig ein.

E-Tretroller lehnen an einem Fahrradständer

Rad oder Roller: Welche Mobilitätsform eignet sich besser für den Großstadtverkehr?

Der Hype um die elektrisch betriebenen Leihroller in europäischen Metropolen polarisiert. Das ist keine neue Erkenntnis, wurde aber nun auch noch mal von dem Branchenverband Bitkom mit Zahlen belegt. Vor allem Senioren hätten demnach Angst vor Unfällen und forderten ein entsprechendes Verbot. Dass diese Sorgen gar nicht mal so unbegründet sind, zeigen derweil Untersuchungen von Städten, in denen die Roller bereits sehr präsent sind. So belegt eine Studie der US-Gesundheitsbehörde CDC, die knapp eine Million Fahrten in der texanischen Stadt Austin ausgewertet hat, dass durchaus eine gewisse Unfallgefahr besteht. Dementsprechend würden auf 100.000 Fahrten bis zu 20 verletzte Personen kommen.

Ob man sich auch bald in den hiesigen Metropolen mit dieser Problematik auseinandersetzen muss, hängt aktuell noch vom Bundesrat ab. Der soll am 17. Mai über eine entsprechende Verordnung entscheiden, die Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) vorgelegt hat. Der Plan sieht vor, dass verkehrsrechtlich zwischen zwei Roller-Varianten unterschieden wird: Eine mit einer Maximalgeschwindigkeit von 12 Km/h und eine, die bis zu 20 Km/h erreichen soll. Für Ärger sorgt vor allem das Vorhaben, die langsameren Roller für die Nutzung auf Gehwegen zuzulassen. Auch in diesem Zusammenhang befürchten Verkehrsexperten ein erhöhtes Unfallrisiko.

Bärendienst für den Klimaschutz

Als grundlegendes Argument für den flächendeckenden Einsatz der elektronisch betriebenen Kleinroller wird gerne deren positive Umweltbilanz angeführt. Eine Auffassung, die auch jeder zweite Teilnehmer der Bitkom-Studie zum Thema teilt. Diese Rechnung geht allerdings nur auf, wenn die E-Scooter-Trips tatsächlich innerstädtische Fahrten mit dem Auto ersetzen. Ob das passieren wird, ist zumindest fraglich. Der Anschluss an den öffentlichen Nahverkehr könnte durch die Roller zwar ein wenig bequemer werden, geschlossen wurde diese Mobilitätslücke aber eigentlich schon vor Jahren, als die großflächige Abdeckung mit Leihfahrrädern die innerstädtische Verkehrsproblematik entschärfen sollte.

Selbst in der Verordnung des Verkehrsministeriums heißt es, dass die „Fahreigenschaften  sowie die Verkehrswahrnehmung” von Elektrokleinstfahrzeugen mit einer bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit von 12 bis 20 km/h am stärksten denen eines Fahrrads ähneln und dementsprechend auch so im Straßenverkehr behandelt werden sollten. Wenn das klassische Leihrad aus bequemlichkeitsgründen nun von stromintensiven Kleinrollern mit Lithium-Akkus substituiert wird, hat das mit Klima- und Umweltschutz nichts mehr zu tun.

Bildquelle: Getty Images Plus/iStock

©2019Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok