Inhabergeführter Handel

Die Kunden wieder in die Ladengeschäfte locken

Kleine Ladengeschäfte stehen durch das Internet besonders unter Druck. Ein Ausweg sind Plattformen für Webshops und Mobilapps.

Hin und wieder verwandeln sich die Einkaufsstraßen in deutschen Klein- und Mittelstädten in öde Gassen, mit verhängten Schaufenstern und geschlossenen Geschäften. Nein, es wird kein Film gedreht. Die Händler protestieren und zwar gegen das Böse: Das Internet.

Ob das wohl die richtige Strategie für den stationären und inhabergeführten Einzelhandel ist, fragt die Handelsinitiative „Buy Local“? Sie bezweifelt, dass der Handel Kunden gewinnt, indem er ihnen ein schlechtes Gewissen macht oder sie zum Mitleidskauf nötigt. Letztlich signalisieren die Händler so, dass sie den Innovationswettlauf bereits aufgegeben haben.

Was macht ein Ladengeschäft einzigartig?

„Erfolgreiche Händler, egal ob On- und Offline oder beides, haben eines gemeinsam: Sie verstehen die Kunden und schaffen Neues“, heißt es im Blog der genossenschaftlich organisierten Initiative für den lokalen Einzelhandel. Eine der Grundfragen, die sich Händler nach Ansicht der Initiative stellen müssen lautet: „Was macht mich in den Augen meiner Kunden einzigartig oder sogar unverzichtbar?“

Diese Frage verweist auf ein Kernproblem, unter dem beispielsweise Modeketten zur Zeit leiden. Pleiten und Filialschließungen gehören hier zum täglichen Brot. Denn inzwischen wird Kleidung von vielen Leuten ausschließlich bei Onlinehändlern bestellt. Das liegt nicht nur an der Produktvielfalt, dem Preis und dem einfachen Preisvergleich.

Vielfach ist das Kauferlebnis in Ladengeschäften unbefriedigend und die Parkplatzsuche in den überfüllten Städten sorgt nicht gerade für entspannte Atmosphäre. Es gibt für viele Leute kaum noch einen Grund, die oft unbehaglichen, gesichtslosen Kettenläden zu besuchen. Vor allem Frauen, die Hauptzielgruppe vieler Läden, probieren die Sachen lieber in aller Ruhe zu Hause an.

Das hat dazu geführt, dass die Anzahl der Unternehmen in diesem Bereich seit Jahren sinkt: Von knapp 37.000 Ladengeschäften vor 15 Jahren auf unter 20.000, wie sich den Zahlen des Handelsverbandes Textil entnehmen lässt. Auch die Umsätze und die Kundenfrequenzen sinken und so erwirtschaften vor allem Geschäfte in Innenstadtlagen längst nicht mehr die Miete.

An diesen Zahlen für das Mode-Segment lässt sich ablesen, wie das Internet das gesamte System des Einzelhandels langsam aber sicher zerbröselt. Trotzdem möchte die Buy-Local-Initiative das Internet als Chance sehen und es nicht verteufeln. Hier gibt es immer noch Nachholbedarf, auch nach mehr als 20 Jahren E-Commerce sind noch längst nicht alle Geschäfte in der neuen Online-Welt angekommen, von mobilen Apps ganz zu schweigen.

Plattformen für kleinere Ladengeschäfte

Einer der Gründe ist der Aufwand für die Gestaltung eines Onlineshops. Nicht jedes kleine Ladengeschäft ist dazu in der Lage. Aber es gibt Alternativen, beispielsweise eBay als Handelsplattform. Seit gut einem Jahr läuft ein Pilotprojekt, bei dem sich etwa 70 Einzelhändler aus Mönchengladbach und Rheydt auf einer eigenen Plattform innerhalb von eBay präsentieren.

Der große Vorteil für kleinere Händler: Sie müssen keinen eigenen, meist recht teuren Onlineshop aufbauen, sondern können die bewährte Handelsplattform als Online-Shop nutzen. Zudem gibt es rund um eBay eine Vielzahl an Services, etwa zur Zahlungsabwicklung oder dem Zusammenstellen der Warenkataloge. Ähnliche Möglichkeiten für Einzelhändler bieten im Übrigen auch Amazon sowie zahlreiche andere Handelsplattformen.

Der nächste Schritt ist dann eine App, aber ebenfalls nicht als Einzelstück. Auch hier ist es sinnvoll, dass sich die Händler zusammenschließen und ein Plattformangebot nutzen. Ein Beispiel findet sich rund 120 km südlich von Mönchengladbach, in Mayen in der Eifel. Die Stadt hat eine eigene App, die von einigen lokalen Unternehmen und dem Stadtmarketing finanziert wurde.

Neben den üblichen Stadtinformationen für Touristen und Bürger enthält die App auch Hinweise rund 800 auf Mayener Firmen, Organisationen und Vereine, darunter Ladengeschäfte und Restaurants. Darüber hinaus nutzt die App auch sogenannte Beacons. In einigen Geschäften in Mayen sind diese kleinen Funkmodule installiert und reagieren auf vorbeigehende Nutzer der App. Dies kann für gezielte Kundenansprache genutzt werden, beispielsweise für Gutscheine oder Treuepunkte.

Solche und ähnliche Aktionen sollen die Kunden wieder in die Ladengeschäfte locken. Denn ein Ladengeschäft hat Vorteile. So gibt es Produkte, die manche Kunden erst einmal ansehen oder sogar anfassen müssen. Diesen Punkt hat Amazon-CEO Jeff Bezos sehr gut verstanden und deshalb jüngst den 100. Amazon-Store in den USA geöffnet. Dort bietet der Handelsriese eigene Produkte wie den Kindle, das Fire-Tablet oder den Sprachassistenten Echo an. Sie verkaufen sich besser, wenn der Kunde sie in einem Ladengeschäft vorgeführt und erklärt bekommt.

Bildquelle: Thinkstock

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