Blockchain-Technologie

Die nächste Welle der Disruption rollt an

Die Blockchain erlaubt vertrauenswürdige Transaktionen und Verträge - ganz ohne Zertifizierungsstelle, Bank oder Notar.

Das Thema Blockchain ist zurück, mit scheinbar wöchentlich eintreffenden Neuigkeiten. So hat Daimler eine Anleihe über 100 Millionen Euro platziert, die vollständig mit der fälschungssicheren Blockchain-Technologie abgebildet wird. Auch die Banken interessieren sich dafür. Sieben europäische Banken haben sich zum Konsortium „Digital Trade Chain“ zusammengeschlossen. Sie wollen eine europäische Plattform aufbauen, die einen schnellen und sicheren digitalen Zahlungsverkehr ermöglicht.

An den Universitäten und Forschungsinstituten ist die Blockchain ein Forschungsthema. Bereits vor einem Jahr hat das Fraunhofer-Institut für angewandte Informationstechnik FIT bereits das Blockchain-Lab eröffnet, in denen das Institut Unternehmen mit der Technologie vertraut macht. Ziel sind Business-Anwendungen, die die Digitalisierung mit Hilfe der Blockchain einen Schritt weitertreiben.

Eine der ersten Anwendungen der Blockchain-Technologie waren digitale Währungen, deren einzelne Einheiten („Coins“) als Datenblöcke gespeichert werden. Diese Datenblöcke können an eine beliebige Person übertragen werden, beispielsweise um eine Ware zu bezahlen. Doch die Technologie ist weitaus flexibler einsetzbar. Vor allem die Unveränderlichkeit der Daten ist für Unternehmensanwendungen sehr interessant.

Übertragung von Werten erfordert Vertrauen

Verfälschungen der Originaldaten sind bei der Blockchain-Technologie nur sehr schwer möglich, da sie aufgrund der miteinander verknüpften Datenblöcke sofort auffällt. Anwenden lässt sich die Technologie in jedem Bereich, in dem es um die Übertragung von Werten geht und besonderes Vertrauen notwendig ist.

So kann im globalen Warenhandel von der Auftragserteilung bis hin zur Warenlieferung jeder Schritt des Geschäfts sicher und nachvollziehbar dokumentiert werden. Auch in der Logistik gibt es viele mögliche Anwendungen. Die lückenlose Dokumentation aller Ereignisse während des Transports garantiert die Echtheit des versendeten Objekts. Funktionierende Geschäftsmodelle gibt es im Moment vor allem in Bereichen, in dem es um ausgesprochen hohe Werte geht, etwa im Diamantenhandel.

Das Startup Everledger nutzt die Blockchain, um den Handel mit gestohlenen Diamanten zu unterbinden. Dafür erhält jeder Diamant eine digitale Identität anhand eindeutiger Daten. Sie wird in einer Blockchain gespeichert, sodass eine Fälschung nicht so leichtmöglich ist. In Zusammenarbeit mit Branchenpartnern hat das Startup bereits mehr als eine Million Diamanten registriert, deren wirklicher Besitzer nun problemlos von jedem Händler ermittelt werden kann.

In eine ähnliche Richtung geht die Kooperation des TÜV Rheinland mit Bosch. Der Wert eines Gebrauchtwagens hängt unter anderem auch von der Kilometerleistung ab. Deshalb ist es nicht unüblich, die Tachostände nach unten zu korrigieren. Ein Blockchain-basiertes Verfahren will dem Schwindel mit manipulierten Tachos etwas entgegensetzen. Die beiden Unternehmen wollen ein IoT-Gerät entwickeln, das an die Diagnosebuchse im Auto angeschlossen wird. Es überträgt regelmäßig den Tachostand in eine Cloud-Blockchain. Per Smartphone-App kann der echte Kilometerstand jederzeit ermittelt und mit der Anzeige im Auto verglichen werden.

Dieses Projekt zeigt deutlich, dass Enterprise-Blockchains nicht alle Elemente der Technologie verwirklichen. In diesem Fall wird die Blockchain „nur“ als besonders vertrauenswürdiger Datenspeicher genutzt. Die Technologie garantiert diesem Fall, dass die Kilometerleistung unverändert aufgezeichnet wird. Eine Manipulation müsste auch die Blockchain umfassen, was aber durch die Technologie weitgehend ausgeschlossen ist.

Smart Contacts: Automatisierte Verträge

Ein anderer, ebenfalls zukunftsträchtiger Anwendungsbereich sind sogenannte Smart Contracts. Darunter fallen digitale Verträge, die zusätzlich Hardware- und Software-Elemente enthalten, die bestimmte Reaktionen auf Vertragskonditionen automatisch anstoßen. Ein Beispiel wäre das Leasing eines Autos. Ein Gerät im Wagen überprüft, ob die jeweils letzte Rate bezahlt ist. Wenn nein, verweigert es den Start des Motors.

Die Blockchain wird bei Smart Contracts einerseits zum vertrauenswürdigen Speichern der Vertragsdaten genutzt, andererseits aber auch als Zwischenspeicher für die Software, die vertraglich festgelegte Aktionen ausführt. Auch hier ist Fälschungssicherheit wichtig, denn theoretisch könnte Malware die Software so verändern, dass sie plötzlich andere Reaktionen zeigt.

Im Internet der Dinge gibt es zahlreiche Anwendungen für diese digitalen Verträge. So vermittelt die App Share&Charge einen Vertrag zwischen Fahrern von Elektroautos und Besitzern nichtöffentlicher Ladesäulen. Das sind beispielsweise Unternehmen mit Ladesäulen, die normalerweise nur für ihre Mitarbeiter gedacht sind oder auch Privatleute, die auf ihrem Hinterhof eine eigene Ladesäule besitzen. Die gesamte Abwicklung soll in Zukunft mithilfe von Smart Contracts automatisiert. Die Blockchain garantiert dabei, dass die Lademöglichkeit nur von dem zugelassenen Nutzer an einer bestimmten Säule möglich ist.

Ein weiteres Einsatzgebiet sind automatisierte Leihverträge für einen bestimmten Zeitraum. Das Startup Slock.it bietet eine entsprechende App an, über die der Vertrag bestätigt wird. Sobald sich der Nutzer dem gemieteten Objekt nähert, wird er über sein Smartphone identifiziert und erhält über das intelligente Schloss Zugang zu dem Objekt. Anschließend steht ihm das Objekt bis zum Ende der Vertragslaufzeit zur Verfügung. Es kann hierbei um beliebige Dinge gehen, etwa Fahrzeuge oder Türen zu bestimmten Räumen oder Gebäuden.

Das Beispiel zeigt die Flexibilität der Kombination aus Blockchain und IoT: Allein für Leasing, Miete und Kauf von Maschinen, Fahrzeugen oder Immobilien sind viele Geschäftsmodelle möglich. Die Automatisierung von Abschluss, Ausführung und Kündigung eines Vertrages bewirkt eine bisher nur durch notarielle oder anwaltliche Beglaubigung mögliche Rechtssicherheit - zu deutlich niedrigeren Kosten. Man kann es auch kurz ausdrücken: Die nächste Welle der Disruption ist da.

Bildquelle: Thinkstock

©2019Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok