Jobsuche heute: Immer öfter mit KI
Immer mehr Menschen suchen mit KI-Tools wie ChatGPT oder Claude nach einem neuen Job. Dabei werden vor allem Arbeitgeberbewertungen für Bewerbende zu einem wichtigen Korrektiv, wenn sie passende Arbeitgeber recherchieren. Das ist das Ergebnis einer aktuellen wissenschaftlichen Studie für den deutschen Arbeitsmarkt. Initiiert wurde die Analyse von einem interdisziplinären Forschungsteam der Wirtschaftsuniversität Wien, des IMC Krems und der Universität Amsterdam.
Für die Untersuchung wurden deutschlandweit 2.076 Kandidaten zu ihrer Jobsuche befragt. Demnach nutzen bereits heute 29 Prozent der Bewerbenden KI-Tools für ihre Jobsuche sowie für ihre Arbeitgeberrecherche. Weitere 44 Prozent können sich das für ihre nächste Suche grundsätzlich vorstellen. Besonders ausgeprägt ist die KI-basierte Jobsuche bei jüngeren Bewerbenden. Von den 18- bis 29-Jährigen greifen bereits 38 Prozent auf KI-Tools zurück, wenn sie eine neue berufliche Herausforderung suchen.
Weitere 43 Prozent können sich dies vorstellen. Interessant: Die hohe Akzeptanz hängt mit einem hohen Vertrauensvorschuss in die dort ausgespielten Informationen zusammen. So halten 42 Prozent der Befragten KI-Recherche-Ergebnisse zu Jobs und Arbeitgebern im Vergleich zur konventionellen Suche über Google und/oder Jobbörsen für glaubwürdiger. Nur 15 Prozent halten KI-Ergebnisse für unglaubwürdiger.
Welche Rolle Arbeitgeberbewertungen in der KI-gestützten Jobsuche spielen, zeigt der Blick auf die Quellen, die Bewerbenden in den Antworten von ChatGPT & Co. auffallen. Dabei fallen den Bewerbenden vor allem externe Einschätzungen über Arbeitgeber auf. Denn mehr als zwei Drittel (69%) fallen Bewertungen von Portalen wie kununu oder anderen Arbeitgeberbewertungsplattformen in den KI-Antworten von ChatGPT & Co. auf.
Auch Presseberichte sowie Beiträge in Foren, Communities oder sozialen Medien spielen eine Rolle: Beide Quellenarten fallen jeweils 58 Prozent der Befragten im Zusammenhang mit der KI-Jobsuche auf. Am meisten nehmen die KI-Jobsuchenden allerdings noch Eigenmedien der Arbeitgeber wahr. 82 Prozent der Befragten geben an, Quellen wie die Karriereseite eines Unternehmens im Zusammenhang mit ihrer KI-Recherche registriert zu haben.
Wie stark vor allem Bewertungen die Einschätzung von Arbeitgebern prägen, zeigt sich auch dann, wenn KI-Tools konkrete Arbeitgeber empfehlen. Werden Jobsuchende beispielsweise von ChatGPT auf einen Arbeitgeber aufmerksam gemacht, der gleichzeitig schlechte Bewertungen aufweist, orientieren sich mehr als drei Viertel der Befragten eigenen Angaben zufolge (76%) an den Bewertungen.
„KI verändert die Jobsuche nicht dadurch, dass sie bisherige Kanäle wie Google einfach ersetzt. Vielmehr gehen Bewerbende in einen Dialog mit dem KI-Tool ihrer Wahl, das Empfehlungen ausspricht, welche Arbeitgeber infrage kommen und vor allem auch, welche nicht. Basis dieser Empfehlungen sind in den meisten Fällen Bewertungen von Mitarbeitenden, Ex-Mitarbeitenden oder anderen Kandidat:innen“, erklärt Prof. Dr. Markus Latzke vom IMC Krems.
Damit setzt sich ein Befund fort, den das Forschungsteam bereits in früheren Untersuchungen zu Arbeitgeberbewertungen herausgearbeitet hat: Bewertungen sind für viele Bewerbende längst kein beiläufiger Zusatzaspekt mehr, sondern ein fester Bestandteil der Arbeitgeberrecherche. „Neu ist nun, dass sie diese wichtige Rolle auch innerhalb der KI-gestützten Suche behaupten. Sie werden dort zu einer Art Prüfstein für automatisch generierte Arbeitgeberempfehlungen“, erläutert Prof. Dr. Wolfgang Mayrhofer von der Wirtschaftsuniversität Wien. Aus Sicht der Befragten folgt aus der gestiegenen Bedeutung von Bewertungen auch eine klare Erwartung an Arbeitgeber.
Fast die Hälfte der Bewerbenden (47%) wünscht sich, dass Unternehmen Bewertungen neutral fördern. Noch höher ist der Anteil derjenigen, die einen aktiven Umgang mit Kritik erwarten. 54 Prozent möchten, dass Arbeitgeber auf negative Bewertungen antworten und Stellung beziehen. 52 Prozent finden zudem, dass Arbeitgeber Bewertungen analysieren und das Feedback nutzen sollten, um sich als Arbeitgeber positiv weiterzuentwickeln.
Bild: rawpixel.com / Magnific